Snowden hat ein Gerät erfunden, das verrät, ob dein Smartphone angezapft wird

Dein Flugmodus kann lügen—und Angreifer können heimlich deine Kamera und dein Mikro anzapfen. Edward Snowden ist daher unter die Erfinder gegangen und holt mit der „Introspection Engine“ zum High Tech-Gegenschlag aus.

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22 Juli 2016, 10:31am

Bild: Huang / Snowden

Klar, wir wollen eigentlich alle, dass unser Smartphone auch funktioniert. Umgekehrt soll es aber auch zuverlässig nicht kommunizieren, wenn wir es in den Flugmodus schalten. Leider ist das nicht immer der Fall, wie unser liebster Technologie-Mahner Edward Snowden bereits häufiger demonstrierte: Auch, wenn das Gerät scheinbar im Flugmodus ist, können Angreifer über die Funkverbindungen still und heimlich dein Mikro und deine Kamera aktivieren, um dich auszuspionieren.

Um dieses Problem zu lösen, ist Edward Snowden unter die Erfinder gegangen. Am Donnerstag präsentierte er zusammen mit dem in Singapur lebenden Hardware-Hacker Andrew „Bunnie" Huang am MIT Media Lab eine High Tech-Bastlerlösung: Eine Art Hülle, mit der iPhone-Besitzer feststellen können, ob sie angezapft werden.

Der Aufsatz soll sich in das Innenleben deines Telefons einhaken und von da aus den Besitzer über einen kleinen Bildschirm informieren, ob die Funkantennen sowie das W-Lan etwas aussenden.

Gemäß der gesunden Paranoia, die man eben entwickelt, wenn man wie Snowden seit Jahren im Exil lebt, umreißen die beiden Erfinder ihre Ausgangslage gewohnt pragmatisch: „Unser Ansatz: Gegner auf Staatsebene sind mächtig; nimm an, dass dein Telefon kompromittiert wurde", fasst Huang zusammen.

Irakische und syrische Regierungen würden Exploits nutzen, mit denen sie sich unbemerkt Zugang auf die Smartphones von Journalisten verschaffen könnten, so Snowden gegenüber Wired. Würde man dann das Handy in den Flugmodus schalten, könne es sein, dass installierte Malware auf den Geräten das Smartphone anweist, die eingestellten Funktionen zu überschreiben, mitzuhören und den Standort zu verraten. Mehrere dieser Fälle, in denen das eigene Telefon zur Wanze wurde, sind bekannt.

So wurde zum Beispiel die amerikanische Kriegsberichterstatterin Marie Colvin laut Aussagen von Armeegenerälen von Assads Sicherheitskräften über ihr Mobiltelefon geortet, verfolgt und getötet, weil sie über zivile Kriegsopfer im syrischen Homs berichtet hatte. Edward Snowden und andere iPhone-Hacker hatten in der Vergangenheit gezeigt, dass die NSA durchaus in der Lage ist, selbst das Ausschalten eines Smartphones zu umgehen.

Das wohl ausgeklügeltste Accessoire für das iPhone 6, welches Snowden nun vorstellte, soll wie ein Art passgenaues Oszilloskop funktionieren: Winzige Drähte schlängeln sich durch den SIM-Kartenschlitz ins Innere des iPhones und berühren auf dem Chip Testpunkte, um den dort fließenden Strom zu messen. Die SIM-Karte selbst wird ausgebaut und im Gehäuse untergebracht. Als eine Art externer Batterieaufsatz mit einem kleinen Bildschirm schmiegt sich die „Introspection Engine" genannte Hülle um das Smartphone und bleibt—hoffentlich—zumindest halbwegs unauffällig für Zollbeamte und Sicherheitskräfte.

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Bild: Huang / Snowden

Wie man seine Spionagesorgen mit eigener Gegentechnologie aus der Welt schaffen kann, demonstrierte schon der Künstler Aram Bartholl in einem Workshop auf der 2014er-Ausgabe des Chaos Communication Congress. Hieß der noch etwas fatalistisch „Kill your phone", bestand die Low Tech-Lösung in diesem Fall nur aus einfachen, versilberten Handytäschchen, die als eine Art Faradayscher Käfig jede Funkkommunikation unterbrechen können.

Snowdens und Huangs Gerät verfolgt einen etwas anderen Ansatz: Es teilt dir mit, ob dein Telefon Daten aussendet, selbst wenn es das nicht soll. Vor einem unerlaubten Zugriff schützt es dich allerdings nicht.

Zwar sieht das „Inception Engine" Gerät eindeutig cooler aus als ein selbstgenähtes Stoffsäckchen—allerdings braucht es für den erfolgreichen Einsatz auch ein klein wenig mehr technische Expertise, als ein paar Bahnen Abschirmvlies zusammenzunähen.

Leider ist Snowdens ultimative Funkschutzhülle für geneigte Paranoiker momentan noch nicht mehr als ein Konzept und ein sehr detailliertes Dokument, das den Zusammenbau beschreibt. Nun suchen die beiden noch Geldgeber für den Bau der Hülle. Bislang gibt es zwar noch keinen Prototyp; nichtsdestotrotz glauben die beiden MIT Media Lab-Hacker, dass die Umsetzung für interessierte Organisationen ein Leichtes wäre—natürlich würde die Entwicklung quelloffen von Statten gehen, so Snowden. Techie-Ehrensache.