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Es gibt noch immer 4 Milliarden Menschen, die keinen Zugang zum Internet haben

90 Prozent der Menschen ohne Internetzugang leben in Entwicklungsländern. Es sind genau diejenigen, deren Stimmen ohnehin im globalen Medienrauschen unterzugehen drohen.
15.12.14
​Addis Ababa, Ethiopia. Image: ​neiljs/Flickr. Lizenz: ​CC BY 2.0

​Als das Internet vor 25 Jahren ins Leben gerufen wurde, versprach es nicht weniger, als das demokratischste Medium in der Geschichte der Menschheit zu werden. Ein Ort, an dem jeder Mensch, egal welcher Herkunft, eine Stimme hat. Für westliche Bürger ist ein Internetzugang mittlerweile längst eine Selbstverständlichkeit und teilweise sogar ein gesetzlich festgehaltenes ​Recht. Doch ein Vierteljahrhundert nach der Entwicklung von Tim Berners-Lee am CERN ist ein Internetzugang für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung immer noch in weiter Ferne.

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Der Web Index, der jedes Jahr von der Berners-Lees Web Foundation veröffentlicht wird, bietet einen Überblick über das aktuelle Ausmaß der globalen Internetnutzung. In der neuesten Ausgabe für die Jahre 2014/2015 wird zwar die „Chancengleichheit" gelobt, die das Internet mancherorts geschaffen hat, aber gleichzeitig stellt der Bericht auch eine eindrückliche Warnung dar: Denn längst haben nicht alle Bürger dieser Welt die Chance, an der Demokratisierung durch das WWW teil zu haben. Tatsächlich schätzt die International Telecommunication Union (ITU), dass mehr als vier Milliarden Menschen noch immer keinerlei Zugang zum Internet haben.

Der größte Teil dieser vier Milliarden Menschen ist arm, überwiegend weiblich und lebt ohnehin in einem Land des globalen Südens mit schlechter Infrastruktur. Es sind wohl vor allem jene Menschen, deren Stimmen auf der Welt am wenigsten Gehör finden. Laut dem dem ITU-Bericht zeigen die jüngsten Entwicklungen, dass wir an einem entscheidenden Wendepunkt angelangt sind:

„Wir befinden uns an einem Scheideweg zwischen einem Internet für alle, das Demokratie stärkt und Chancengleichheit befördert, und einem Internet für die Gewinner, das wirtschaftlichen und politischen Einfluss weiterhin in den Händen einiger weniger konzentriert."

Die Rankings des Web Index bieten auch die Möglichkeit, „den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Nutzen zu bewerten, den das Internet einem Land bringt". Dänemark steht dabei auf Platz eins, gefolgt von den skandinavischen Nachbarn Finnland und Norwegen. Großbritannien, Berners-Lees Heimatland, folgt auf Platz vier, Schweden steht auf Platz fünf und die USA auf Platz sechs. Am schlechtesten schneidet Äthiopien ab, gefolgt vom Jemen und Malawi. In dem Bericht heißt es dazu dementsprechend, dass es einen engen Zusammenhang zwischen der Platzierung im Web Index Ranking und dem Pro-Kopf-Einkommen des jeweiligen Landes gibt.

90% der Menschen, die keinen Internetzugang haben, leben in Entwicklungsländern.

Neun der zehn Menschen, die keinen Internetzugang haben, leben in Entwicklungsländern. Der Grund hierfür ist offensichtlich: In reichen Ländern kostet ein Breitbandanschluss ein Prozent des Durchschnittseinkommens. In den ärmsten Ländern liegt dieser Posten bei über 100 Prozent des durchschnittlichen Verdienstes, dazu kommt schlechte Infrastruktur, die oft noch nicht einmal Elektrizität zu Hause zu einer Selbstverständlichkeit macht.

Finanzielle Differenzen können auch in vergleichsweise reichen Ländern einen „Digital Divide" schaffen. Deshalb dürfte es auch niemanden überraschen, dass der Zugang zum Internet in den Ländern besonders rar gesät ist, in denen die Mehrheit der Menschen unter der Armutsgrenze lebt.

Die Gründe dieser Entwicklung erinnern an die Frage nach der Henne und dem Ei. Denn ein guter Internetzugang fördert erwiesenermaßen die wirtschaftliche Aktivität. Umgekehrt führt auch ein höheres nationales Bildungsniveau jeweils zu einer wirtschaftlichen Stärkung des Landes durch das Internet.

Neben Geld spielen jedoch auch noch andere Faktoren eine Rolle. So haben Frauen zum Beispiel seltener einen Zugang zum Internet als Männer: Die Zahlen der ITU belegen, dass in Entwicklungsländern 16 Prozent weniger Frauen als Männer im Netz sind. Diese Tendenz ist auch in Industrieländern zu beobachten, dort ist sie allerdings weniger stark ausgeprägt. Insgesamt haben weltweit 37 Prozent der Frauen und 41 Prozent der Männer Zugang zum Internet.

Am meisten Sorge macht jedoch die Tatsache, dass die Entwicklungen sich aktuell verfestigen oder zumindest bestehen bleiben. Dem Web Index zufolge verlangsamt sich das Wachstum bei der Internetnutzung: In den untersuchten Ländern gab es im vergangenen Jahr lediglich noch ein Wachstum von fünf Prozent. Dabei legten Äthiopien und Malawi von den ganz unten gelisteten Ländern mit 20 Prozent mit das stärkste Wachstum beim Internetzugang hin.

Die digitale Kluft ist also auch heute noch ein großes und universelles Problem. Die Eröffnung eines breiteren Zugangs zum Internet steht dabei ganz oben auf der Empfehlungsliste der Web Foundation. Doch selbst, wenn ihr in einem Land lebt, wo ein Internetzugang ziemlich selbstverständlich ist, solltet ihr euch nicht auf euren Lorbeeren ausruhen. Es gibt immer noch die Probleme der Netzneutralität, Überwachung und Zensur, mit denen sich jeder digitale Bürger heute auseinandersetzen muss. Sie sind die größten Gefahren, die heute vom „Internet der Gewinner" ausgehen.