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R.I.P. Peter Lustig: Nie machte Wissenschaft so viel Freude wie bei Löwenzahn

Das eigene Erwachsenwerden wird uns immer dann besonders schmerzlich bewusst, wenn ein Held unserer Kindheit stirbt. Bei Zeichentrickfiguren mag sich der Verlust in Grenzen halten, aber den Tod von Peter Lustig finde ich wirklich traurig. Wie das ZDF heute bekannt gab, starb der berühmte „Welterklärer mit Latzhose” und Nickelbrille im Alter von 78 Jahren im Kreise seiner Familie.

Jahrzehnte bevor es eine Serie namens The Big Bang Theory gab und die Nerds dieser Welt die coolen Jungs aus der Raucherecke vom Thron stießen, zeigte Peter Lustig schon ganzen Generationen von Kindern, wie freaking awesome Wissenschaft sein kann. Wären wenigstens einer oder zwei meiner Bio-, Chemie- oder Physiklehrer ein bisschen mehr wie er gewesen, vielleicht hätte ich dann mein Interesse für Naturwissenschaften und Technik gar nicht erst verloren. Jetzt, als Mitte/Ende-Zwanzigjährige, finde ich es langsam aber sicher wieder und stelle fest: Ich habe eine Menge abgefahrenes Zeug verpasst. Danke für gar nichts, Schule.

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Aber wie gelang ihm das Kunststück, jede Woche Kinder mit verhältnismäßig komplexen Themen wie etwa Strom bei Laune und somit vor den Bildschirmen zu halten? Indem er Geschichten erzählte, statt Wissen einzuhämmern. So waren die Elektronen, die in den Leitungen für Licht, Wärme, Musik und Fernsehen sorgen, in seinen Worten kleine, moderne Heinzelmännchen.

Heute sind Storytelling und Infotainment ausgelutschte Begriffe. Aber dass Wissenschaft auch Spaß machen darf, war früher ein Privileg, das eben nur kleinen Kindern zugestanden wurde—was vermutlich auch der Grund ist, weswegen die Sendung schon immer auch von Erwachsenen gerne angeschaut wurde. Vor diesem Hintergrund kann man Peter Lustig, der Löwenzahn nicht nur moderierte, sondern auch als Autor prägte, mit Fug und Recht als einen Vorreiter des Wissenschaftsjournalismus bezeichnen.

Anders als die meisten Lehrer, die mir in den Neunzigern und Nullerjahren begegnet sind, trat dieser Peter Lustig, wie man ihn aus Löwenzahn kennt, weder mahnend, noch übertrieben belehrend oder gar furchteinflößend auf. Er war auch nicht perfekt und hat gar nicht erst versucht, das zu vertuschen. Stattdessen tappste er mit manchmal an Tüddeligkeit grenzender kindlicher Neugier von Abenteuer zu Abenteuer und erklärte innerhalb seiner kleinen Welt die große. Wann immer er in seinem Alltag auf ein Problem stieß—oder ein Phänomen, das er sich nicht erklären konnte—ließ er so lange nicht locker, bis er die Lösung gefunden hatte. Damit ermunterte er uns Kinder zum kritischen Denken und zeigte uns, wie viel Spaß es machen kann, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Zwar besaß er die Fähigkeit, die Dinge mit Kinderaugen zu sehen, aber immer blieb er dabei ein Erwachsener. Dadurch wirkte sein Löwenzahn nie so albern-aufgesetzt, wie die meisten Jugendfernsehformate von heute. Aber was an diesem Held meiner Kindheit besonders auffällt, ist seine schier endlose Geduld. Eine Geduld, die ich früher von den Erwachsenen um mich herum gar nicht kannte. Egal, welches Missgeschick ihm widerfuhr oder wie nervig der starrsinnige Nachbar Paschulke auch wurde, Peter Lustig war stets die Ruhe selbst und ein Paradebeispiel für Höflichkeit.

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Medienkritik gehörte ebenfalls von Anfang an zu Lustig. Bereits in der ersten Folge Löwenzahn—von 1979 bis 1981 noch Pusteblume—sagte er am Ende direkt an seine jungen Zuschauern gewandt: „Und ihr? Ihr sitzt ja immer noch vor dem Fernseher. In der Stube. Ihr solltet lieber rausgehen. Heute kommt sowieso nichts mehr.” Seine Losung „Und jetzt abschalten”, verbunden mit der herrlich anachronistischen Geste des Knopfdrehens wie bei einem Fernsehapparat aus den 60ern, wird mir immer im Gedächtnis bleiben. Genauso wie die prägnante Titelmelodie mit 100% Ohrwurmgarantie. Seit meiner Kindheit habe ich mich immer gefreut, sie zu hören. Ab heute mischt sich eine große Portion Wehmut darunter.

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