Ein Haus zwischen zwei leer stehenden Grundstücken in der Nähe des Broadway, der einst die pulsierende kommerzielle Schlagader der Gegend um Camden und Philadelphia war.
Irgendwas ist mit Bruce Gilden los. Der Magnum-Fotograf hat es schon immer vorgezogen, seine Aufnahmen aus der „Nähe” zu schießen, und geht seit jeher so nah an das Geschehen ran, dass kaum die Chance besteht, dass auf der kurzen Strecke zwischen Punkt A (Subjekt) und Punkt B (Linse) irgendetwas verloren geht. Neuerdings kommt er seinen Subjekten sogar noch näher und sammelt wie besessen Bilder von Gesichtern, die den Bildrahmen fast vollständig ausfüllen. Und die Sache ist die, dass er selber nicht erklären kann, was zur Hölle da über ihn gekommen ist, außer seinen alten Lieblingsaphorismus zu zitieren: „Je älter ich werde, desto näher gehe ich heran.”
Videos by VICE
Wenige Fotografen sind mit den Schattenseiten des Urbanen besser vertraut als Gilden, der einen Großteil seiner Karriere damit verbracht hat, weltweit die Ränder der Gesellschaft zu dokumentieren und die „harten Typen”, die unter noch härteren Umständen aufgewachsen sind. Für die aktuelle True-Crime-Ausgabe hat VICE ihn also nach Camden, New Jersey, geschickt, eine Stadt, die zur gefährlichsten der Vereinigten Staaten wurde, seit sie 2012 Flint, Michigan, überholt hat, was die Anzahl der schweren Gewaltverbrechen angeht. Dort hat Gilden dann Zeit mit Männern aus der Stadt verbracht, denen zwei Dinge gemeinsam waren: Sie hatten alle einige Zeit hinter Gittern verbracht, und sie alle setzten sich dafür ein, dass ihre kaputte Stadt irgendwie die Kurve kriegt. Typen wie Anthony Dillard wollen „die Industrie nach Camden zurückholen”. Typen wie Niger Ali organisieren „Programme für die Jugend”. Der redegewandte Gary Frazier Jr. bewirbt sich um ein öffentliches Amt und Jermaine Wilson will den Leuten wieder zu Arbeitsplätzen verhelfen. Es sind Gesichter mit einer komplexen Vergangenheit, einer rehabilitierten Gegenwart und den schwierigen Graustufen zwischen beidem.

Für den Abriss bestimmte Häuser im Parkside-Viertel von Camden, ganz in der Nähe des Firmensitzes der Campbell Soup Company.

Niger Ali Sr., 37, 15 Jahre inhaftiert, heute ein Community Organizer, der mit gefährdeten Jugendlichen arbeitet.

Anthony Dillard, 40, 17 Jahre inhaftiert, macht heute „Made in Camden”-T-Shirts, die er an die Anwohner verkauft.

Jermaine Wilson, 39, elf Jahre inhaftiert, heute fester Angestellter einer erfolgreichen Zeitarbeitsfirma, die Jobs für ehemalige Gefangene organisiert.

Gary Frazier Jr., 38, drei Jahre und drei Monate inhaftiert, heute ein politischer Organisator, der vorhat, im November 2014 als Freeholder von Camden County zu kandidieren.
Diamond Thomas, 43, zehn Jahre inhaftiert, organisiert heute ein jährliches Musikfestival in dem am Wasser gelegenen Touristen- und Ausgehviertel Camden Waterfront.
More
From VICE
-

(Photo by Bill Tompkins/Getty Images) -

-

Screenshot: 4A Games & Deep Silver -

(Photo by Fin Costello/Redferns)