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Diese Leute glauben immer noch, dass die Erde eine Scheibe ist

Scheißt auf moderne Erkenntnisse zu unserem Sonnensystem. Für die Flat Earth Society ist die Wissenschaft vor 130 Jahren stehen geblieben.

Foto: Flickr | Flat Earth Societys 

1881 veröffentlichte der englische Schriftsteller Samuel Rowbotham Zetetic Astronomy: Earth Not a Globe—ein 430-seitiges Buch, in dem er versichert, dass die Erde eine Scheibe ist. Gut 130 Jahre später hat sein Werk immer noch einen kleinen Anhängerkreis, trotz dieser blöden Wissenschaft, die uns täglich Beweise dafür liefert, dass wir uns auf einer Kugel befinden. 

Nachdem Rowbotham 1884 gestorben war, gründete eine seiner Bewunderinnen, Lady Elizabeth Blount, die Universal Zetetic Society, deren Ziel es war, die „Arbeit des Meisters fortzuführen." Da ihre Überzeugungen zum Großteil auf einer eher subjektiven Auslegung der Bibel beruhten, verlor die Organisation nach dem Ersten Weltkrieg immer mehr an Einfluss und verschwand schließlich.

Die Vorstellung einer scheibenförmigen Erde ist trotzdem noch immer präsent: Die Flat Earth Society ist eine moderne Gruppierung, die sich die Verbreitung von Rowbothams Ideen auf die Fahne geschrieben hat und versucht, Skeptiker wie mich zu überzeugen. Ich wollte herausfinden, ob sie es wirklich ernst meinen, also habe ich einige Mitglieder in ihrem Online-Forum kontaktiert. 

Bild: bereitgestellt von der Flat Earth Society

VICE: Hey Leute. Könnt ihr euer Konzept einer flachen Erde etwas genauer erläutern?
Flat-Earth-Forumsmitglieder:
Herzlich willkommen. Unsere Gruppe führt die Arbeit von Samuel Rowbotham fort. In seinem Buch Zetetic Astronomy: Earth Not a Globe beweist er, dass unser Planet flach ist. Er ist vor 130 Jahren gestorben, aber seine Meinung hat bis heute Bestand. Seine und auch unsere Überlegungen basieren auf der zetetischen Methode—das ist eine Alternative zur Wissenschaft, die besagt, dass Sinneswahrnehmungen höher stehen als wissenschaftliche Theorien. Aufgrund von logischen Schlussfolgerungen und empirischen Daten glauben wir weiterhin, dass die Erde eine Scheibe ist. 

OK. Aber wie erklärt ihr euch dann, dass man von den unterschiedlichen Hemisphären aus nicht die gleichen Sterne sieht?
Wir wissen alle, dass einige Sterne nur von der südlichen Hemisphäre aus zu sehen sind und nicht von der nördlichen. Der Grund dafür ist jedoch eine elektromagnetische und optische Beschleunigung durch einen ätherischen Strudel. Wir glauben an eine kosmische Umdrehung, aber mit einer esoterischen Wahrnehmung. 

Wenn die Erde eine Scheibe wäre, dann hätten zwei Sonnenuhren an verschiedenen Orten doch auch den gleichen Schatten, oder?
Überhaupt nicht! Denk doch nur mal an den Boden deiner Küche, der ist auch flach, oder? Stell dir vor, du stellst dort einen Stock senkrecht auf und machst die Lampe an der Decke an. Wenn der Stock nun im rechten Winkel zum Boden steht, dann hängt die Länge des Schattens von der Position im Raum ab. 

Das ist einfache Trigonometrie, die sich auch auf einer flachen Erde anwenden lässt. Dies beweist auch, dass uns die Sonne näher ist, als es die Wissenschaftler sagen. 

Bild: bereitgestellt von der Flat Earth Society

Was meint ihr damit? Wie weit ist die Sonne eurer Meinung nach von uns entfernt?
Die Sonne befindet sich ungefähr 4000 Kilometer über uns. [Der Abstand zwischen Erde und Sonne, den Astronomen Halbachse der Ellipse nennen, wird auf knapp 150 Millionen Kilometer geschätzt.]

Wenn man noch mal das Küchenbeispiel hernimmt, dann kann man doch kaum die Sonne mit einer Glühbirne vergleichen, da die Glühbirne ja viel kleiner als die Küche ist. Die Sonne hingegen wiegt ungefähr 333.000 Mal so viel wie die Erde.
Das stimmt nicht. Die Sonne und der Mond haben die gleichen Maße. Beide Sterne haben einen Durchmesser von 51,5 Kilometern. 

Wie könnt ihr euch da so sicher sein?
Wenn man die Sonne beobachtet, dann befindet sie sich immer zwischen dem Nördlichen und dem Südlichen Wendekreis—das bedeutet, dass der Abstand weniger als 4.800 Kilometer beträgt. Wie erklärt man also, dass ein Stern, der laut den Wissenschaftlern einen Durchmesser von 1,4 Millionen Kilometern besitzt, zwischen beiden Wendekreisen gesehen werden kann? Das ist einfach nur einen logische Schlussfolgerung. 

Bild: bereitgestellt von der Flat Earth Society

Wenn man durch ein Teleskop blickt, dann hat jeder Planet und jeder Stern des Universums die Form einer Kugel. Warum sollte die Erde eine Ausnahme bilden?
Fall nicht auf so einen Trugschluss herein. Nur weil jeder Planet kugelförmig erscheint, heißt das nicht, dass die Erde ebenfalls diese Form besitzt. Unser Planet ist etwas sehr Besonderes. Er ist zum Beispiel bewohnt. Die alten Griechen glaubten, dass die Erde rund sei, weil sie dachten, dass alle Planeten die Form einer perfekten Kugel hätten—auch die Erde. Diese Annahme haben sie nur mit Beobachtungen belegt. 

OK, aber das beweist noch gar nichts. Gibt es zusätzlich noch andere allgemeine anerkannte Vorstellungen, die ihr für falsch haltet?
Ja, natürlich. Die Sonne ist zum Beispiel ein Scheinwerfer, der leuchtet und so eine bestimmte Fläche erhellt. Wenn du dich außerhalb des Lichtflusses befindest, dann kommt die Sonne da nicht mehr hin und es ist dunkel. Wenn du einen Sonnenuntergang ansiehst, dann hört die Sonne da einfach nur auf, für dich zu scheinen. 

Wir glauben ebenfalls, dass sich der Nordpol genau im Mittelpunkt der Erde befindet und die Antarktis hinter der Grenze des Planeten liegt. Das, was ihr für den südlichsten Kontinent haltet, ist in Wahrheit eine Eismauer, die die Erde umgibt. Diese Eismauer ist 50 Meter hoch und hält das Wasser zurück. Wir diskutieren aber immer noch darüber, was sich hinter dieser Mauer befindet.

OK, ich verstehe. Habt vielen Dank.