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Diese Graspizza macht Heißhunger auf Pizza

Warum hat die Menschheit so lange gebraucht? Gras und Fertigpizza: Zwei elementare Dinge des alltäglichen Lebens feiern endlich ihre Hochzeit! Wir haben mal gekostet.

von Josh Androsky und Cornell Reid
19 September 2014, 2:22pm

Gras und Pizza, eigentlich ist damit schon alles gesagt. Zwei Dinge, die für sich genommen schon großartig schmecken und auch zusammen lecker sind. Geradezu symbiotisch ergänzen sich beide Parteien und verbessern einander gegenseitig. Warum hat es überhaupt so lange gedauert, bis jemand auf die Idee gekommen ist, das eine mit dem anderen zu kombinieren? So muss es wohl auch den netten Menschen von Stoned Oven Gourmet Medibles ergangen sein, die sich dazu entschieden, handgemachte Tiefkühlpizzas für den medizinischen Gebrauch herzustellen. Ganz genau kann ich das allerdings nicht sagen, da ich weder nach einem Anruf, der mich direkt zu einer überfüllten Mailbox weiterleitete, noch einer sehr einseitigen Facebook-Korrespondenz und einem verzweifelten Kontaktversuch bei Google+ irgendeine Rückmeldung von der Firma bekam. Das kann heißen, dass sie auf weitere Berichterstattung nicht wirklich scharf sind (der Pizzabäcker ließ sich von LA Weekly interviewen und sagte, „Wir wollen mit Krankenhäusern ins Geschäft kommen ... Wir können Krebs mit Pizza [behandeln]!"). Die andere Möglichkeit, welche in Betracht des gerade angeführten Zitats recht wahrscheinlich ist, wäre ganz einfach die, dass ihr Produkt zu gut funktioniert, als dass man dort noch fähig wäre, in irgendeiner Weise ein Telefon zu bedienen.

Ungeachtet dessen zogen mein Freund Cornell und ich los zu einer der vielen Apotheken in Los Angeles, die die Pizzen im Sortiment führen, um einen Selbstversuch zu starten. Da mein Rezept für medizinisches Marihuana abgelaufen war, musste Cornell in den Laden. Während er entspannt in einem klimatisierten Raum abhing und legale Drogen kaufte, schwitzte ich mir draußen in der Gluthitze von Los Angeles den Arsch ab.




Als er sich nach der Pizza erkundigte, wurde die Dame hinter dem Tresen plötzlich aufmerksam und fragte ihn, ob er darüber in den Nachrichten gehört habe. Cornell war schon etwas dicht und antwortete einfach, ja. Daraufhin kam die gefürchtete Folgefrage: „Wo denn?" Er gab daraufhin zu, dass ich ihm von der Pizza erzählt hatte. Die Unterhaltung war damit beendet, aber nicht bevor ihm die Dame hinter dem Tresen noch eindringlich einbläute, „Essen Sie niemals das ganze Teil auf einmal."

Wir ließen die unheilvolle Warnung hinter uns und begaben uns zurück in meine Schwitzhütte a.k.a. meine Wohnung. Unsere Mission? Am heißesten Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnung eine käsetriefende Drogenmahlzeit im Ofen zuzubereiten und zu essen. Warum? Um die Welt ein bisschen schlauer zu machen—und weil VICE-Redakteure verdammte Tiere sind.




Nach 15 Minuten im Ofen war die Pizza fertig. Irgendwie sah sie aus, als würde sie lächeln—das kann aber auch nur eine Wunschhalluzination meinerseits gewesen sein. Cornell fragte mich, ob die grünen Kräuter, die den von Fett glänzenden Rand säumten, wohl Oregano oder Gras seien. Das war vielleicht das erste Mal in meinem Leben, dass ich von Gras ausging, aber froh darüber gewesen wäre, wenn es sich um meinen vertrauten Kumpel Oregano gehandelt hätte.

Schon beim ersten Bissen merkten wir deutlich, dass wir hier eine verdammte Tiefkühlpizza essen. Es handelte sich definitiv nicht um eins dieser Szenarien, in denen wir die beste Pizza aus der Bronx mit dem geilsten Gras aus Kalifornien kombinieren. Um fair zu bleiben, die Pizza schmeckte um einiges besser als herkömmliche Tiefkühlpizzen, was dann doch ziemlich beeindruckend ist. Ich konnte bislang nie sagen, dass ein Nahrungsmittel, das dich high machen soll, besser schmeckt als ein Nahrungsmittel, das einfach nur lecker sein soll. Die Pizza bombardierte die Geschmacksknospen nicht mit Gras-Aroma und sah obendrein recht ansprechend aus: große Tomatenscheiben, verlaufener, schleimiger Graskäse und eine knuspriger, wenn auch fettiger, Rand. Geschmacklich konnte es unser Exemplar definitiv mit annehmbaren Festivalessen auf sich nehmen. Aber ganz egal, mit wie viel Gras sie auch versetzt ist, eine Pizza gehört einfach nicht tiefgekühlt. Cornell meinte außerdem, dass ihn der Nachgeschmack an Zitronengras erinnern würde.




So weit, so ansprechend. Ein Problem gab es allerdings: Die Pizza ist abartig hoch dosiert. Eine einzelne Pizza enthält 250 mg Gras. Für diejenigen unter uns, die sich noch nicht intensiver mit Graslebensmitteln und Mathe auseinandergesetzt haben, sei Folgendes gesagt: Das renommierte Fachmagazin High Times empfiehlt eine Dosis von 25 mg, um eine entspannte und schöne Zeit zu haben. Ohne Fachchinesisch bedeutet das, dass diese winzige Pizza, selbst wenn man sie achtelt, dich dazu bringen kann, dass du komatös im nächstbesten Bett wegdriftest—viel zu paranoid, um selbst Die Simpsons zu gucken, denn: Was, wenn sie echt sind?!

Die Empfehlung des Herstellers lautet, die Pizza zu vierteln. Da ich an dem Tag aber noch Einiges vorhatte, beschränkte ich mich auf ein Achtel. Glücklicherweise war Cornell als unerschrockenes Versuchskaninchen zur Stelle, der sich dann auch ein Viertel griff und damit mehr als das Doppelte der von Pseudowissenschaftlern empfohlenen Dosis verzehrte.




Wir warteten um die 45 Minuten und bekamen langsam aber sicher Hunger. Du kannst dir schon denken auf was: auf Pizza, verdammt! Und genau hier, mein Freund, liegt der Hund begraben. Du isst gerade so viel Pizza, dass dein Pizzahunger in die Gänge kommt. Die Pizza direkt vor deiner Nase kannst du aber nicht anrühren, ohne Gefahr zu laufen, dich Hals über Kopf in eine drogeninduzierte Existenzkrise zu stürzen. Dieses Produkt ist definitiv nicht dafür gemacht, um von zwei Typen an einem unglaublich heißen Dienstagnachmittag in einer Wohnung ohne Klimaanlage verzehrt zu werden. Diese Pizza ist entweder für Menschen, die Gras so sehr lieben, dass sie die ganzen 250 mg davon vertragen, oder für Menschen, die Pizza hassen, aber high werden wollen und weder rauchen noch Schokolade essen können.

Wir fingen an, uns ein bisschen lustig zu fühlen und merkten deutlich, dass die Pizza begann, ihre Wirkung zu entfalten. Die letzten zehn Minuten hatten wir auch schon damit verbracht, eine angeregte Unterhaltung über das Weltall zu führen. Es war ein sehr angenehmes Dichtheitsgefühl: ein bisschen albern und nicht zu intensiv. Ich spürte nichts, was mich an die ganzen schlechten Erfahrungen zurückdenken ließ, die ich mit essbaren Drogen bislang gemacht hatte, und auch die ganzen Geschichten von kotzenden Leuten, die unbedingt ins Krankenhaus gebracht werden wollen, schienen mir ferner denn je. Von all den kulinarischen Darreichungsformen von Marihuana, die ich bislang zu mir genommen habe, verfügte diese hier über die mit Abstand beste Alltagstauglichkeit. Es war, als hätte jemand den Kontrastregler in meinem Hirn hochgedreht. Alles sah jetzt ein bisschen bunter aus.




Ungeachtet der guten Stimmung fühlten wir uns dennoch unbefriedigt. Wir waren jetzt high, hatten Pizzaduft in der Nase, konnten aber kein weiteres Stück von der Pizza essen. Schließlich berappelten wir uns und machten uns für ein leckeres, großes Stück auf zur Pizzeria meines Vertrauens. Es war perfekt.

Kurzum: Stoned Oven Gourmets Gras-Pizza ist das perfekte Nahrungsmittel, wenn du innerhalb einer Stunde high werden und dir dann eine Pizza holen willst.