
Anzeige
Anzeige

Kevin Knodell: Ja und nein. Oft überschätzen die Leute, was Luftangriffe wirklich leisten können. Luftangriffe sind großartig, wenn man sie mit einer Bodenoffensive verbindet. Aber ein akutes Problem im Moment ist ja, dass oft nicht das getroffen wird, was getroffen werden sollte. Die Kurden haben bereits gesagt, dass sie von den Luftangriffen enttäuscht sind, weil sie nicht den gewünschten Effekt hatten.
Die US Air Force und die arabischen Verbündeten haben zum Beispiel zivile Ziele getroffen, was allerdings fast zu erwarten war. Noch beunruhigender ist aber, dass sie auch Ziele der Freien Syrischen Armee getroffen haben—was genau das Gegenteil von dem ist, was sie treffen sollten.
Ein Teil des Problems ist, dass sie keine Fluglotsen haben. Ziele zu identifizieren, ist nicht so einfach, wie Leute vielleicht glauben. Selbst wenn man ein oder zwei Drohnen in der Luft und Satellitenbilder hat, hat man immer nur diese unscharfen, schwarz-weißen Bilder, auf denen man vieles nur so halb erkennen kann. Deshalb hat man normalerweise noch Leute am Boden, die den Luftwaffen sagen, wo die Ziele sind. Ohne jemanden am Boden, der berichten kann, was du eigentlich triffst, ist es sehr schwierig. Das haben sie in Syrien nicht, weil sie mit den Gruppen, die sie offiziell unterstützen, nicht wirklich zusammenarbeiten. Sie haben keine direkten Kontakte da unten, die ihnen das sagen können.
Anzeige
Es ist schwer, diese Berichte zu verifizieren. Wir wissen nicht genau, ob IS wirklich Abrams-Panzer einsetzt—es ist aber möglich. Ein hoher kurdischer Geheimdienstoffizier im Irak hat einem Kontakt von mir erzählt, dass IS sieben Abrams-Panzer habe und sie sie nach Syrien gebracht hätten, um sie gegen die YPG einzusetzen.
Trotzdem: Luftangriffe sind keine Zauberei. Es ist ein bisschen die Schuld des US-Militärs, dass sie Luftangriffe als magische Lösung für alles präsentiert haben. Diese Idee, dass sie einfach per Satellit aus dem Himmel Ziele anpeilen können und immer genau wissen, wo alles ist—so weit sind sie noch nicht. Und selbst wenn sie wüssten, wo genau ein Ziel ist—wenn sie dann reingehen und es angreifen wollen, sind das bewegliche Ziele. Man kann sie nicht einfach mit einer Missile treffen. Dort verschieben sich sogar die Frontlinien fast täglich.
Wie gesagt, Luftangriffe sind nur ein Werkzeug von vielen. Ein sehr überbewertetes Werkzeug. Bis jetzt sind es nur ein Haufen Leute, die eine Menge Bomben abwerfen. Chaos.
Ein erfolgreicher Luftschlag gegen einen bewaffneten PickupGut, das heißt, dass es ohne Beobachter am Boden sehr schwer ist, die richtigen Ziele zu treffen. Warum hat die Air Force das nicht vorher bedacht?
Dafür bräuchte es deutlich mehr Koordination zwischen den Kurden und der US-Koalition. Das Problem ist, dass die Verteidiger von Kobane wegen ihrer Verbindungen zur PKK offiziell als Terrororganisation gelten. Aus formaler Sicht sind das da zwei Terrororganisationen, die sich bekämpfen. Ich sehe das nicht unbedingt so, und ich glaube auch nicht, dass die Welt das so sieht. Aber aus politischer Sicht ist es das, und das hat die Operation enorm behindert.
Anzeige
Vielleicht? Wahrscheinlich. Die „Sache mit den Kurden“ ist ja auch enorm kompliziert. Die verschiedenen kurdischen Unabhängigkeitsbewegung sind auch untereinander tief gespalten. Und die Amerikaner könnten da auch wegen dem NATO-Partner Türkei zurückhaltend sein—möglicherweise wollen sie keine Gruppe unterstützen, die die Türken nicht mögen.Aber selbst ohne die Kurden—Kobane ist so nah an der türkischen Grenze, dass ein amerikanischer Offizier sich ja praktisch an die Grenze stellen und die Luftangriffe von da koordinieren könnte, oder nicht?
Möglicherweise. Ich kann auch nicht genau erklären, warum man es in dem Fall so weit hat kommen lassen. Aber wer offensichtlich die Möglichkeit hätte, mehr zu tun, wäre die Türkei. Aber sie schauen einfach nur zu. Die haben Streitkräfte und Panzer an der Grenze stehen, die tatsächlich zuschauen. Wenn sie etwas ändern wollten, könnten sie es tun. Sie sind nicht die stärkste Armee, aber sie sind eine NATO-Macht. Sie könnten etwas unternehmen. Ich bin mir nicht sicher, auf was sie warten.

Das könnte ein großes Problem werden, wenn die Türkei nichts unternimmt. Ich weiß nicht, ob das bedeutet, dass der Krieg [zwischen der Türkei und der PKK] wieder voll anfängt, weil keiner sich das leisten kann, während der IS noch weitermacht.
Andererseits wird es auch schwierig für die Türken, wenn sie sich entscheiden, mit der YPG zusammenarbeiten. Falls das passieren sollte, wird das keine einfache Zusammenarbeit sein. Nur: Bis jetzt hat die Türkei in dieser ganzen Krise nicht wirklich viel getan. Die YPG und die syrischen Kurden waren viel aktiver im Kampf gegen IS und auch das Assad-Regime als die Türkei. Die Türkei hat praktisch keinen Finger gerührt.Aber die Türkei hat auch nicht angekündigt, dass sie IS vernichten werde. Was bedeutet das für Obamas Strategie, wenn jetzt deutlich wird, dass Luftangriffe alleine so wenig Auswirkungen haben?
Na ja, wir wissen alle, dass es im Moment einfach keine Strategie gibt. Das hat er ja selber zugegeben. Grundsätzlich hat er ein Problem mit der Koordination, aber er hat auch ein Problem mit den Zielen. Abgesehen von der Erkenntnis, dass der IS schlecht ist, haben die Amerikaner immer noch keine Ahnung, wie sie mit Syrien umgehen sollen. Gut, der IS ist schlecht, aber die US wissen immer noch nicht wirklich, wie sie zuschlagen sollen, um IS zu zerschlagen, und mit wem sie zusammenarbeiten sollen, wer ihre echten Freunde in Syrien sind.
Man braucht Truppen am Boden. Das müssen keine westlichen Bodentruppen sein, man muss nur lernen, mit den einheimischen Kämpfern—den Irakern, den Kurden und der Freien Syrischen Armee—zusammenarbeiten. Bis jetzt versucht jeder, den IS auf seine eigene Art zu bekämpfen, und das ist sehr schwierig. Wenn der IS jetzt Kobane erobert, wird das für die Vereinigten Staaten sehr schlecht aussehen.