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David Futrelle: Ich glaube, dass viele Feminismuskritiker, gerade wenn es um solche Sachen wie Konsens geht, auf Übertreibungen zurückgreifen, weil es etwas ist, das ihr Weltbild fundamental ins Wanken bringt. Der Typ zum Beispiel, der meint, das Recht zu haben, Frauen in der Öffentlichkeit unverhohlen anstarren zu können oder eine Frau unter Druck zu setzen, bis sie einwilligt, Sex zu haben. Das macht er ganz einfach, weil er das schon immer so gemacht hat und es für ihn der einzige Weg ist, jemals Sex zu haben.
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Es wird immer einen besseren Weg geben, um etwas zu erklären, aber gleichzeitig ist einer der Gründe, warum man es als Feminist oder Feministin irgendwann leid ist, Dinge zu erläutern—und das sage ich als jemand, der schon oft versucht hat, mit Feminismusgegnern im Internet zu diskutieren—die Tatsache, dass man schon zu oft versucht hat, Menschen diese Sachen darzubringen, die einfach nicht zuhören wollen und keinerlei Einsicht zeigen. Ich glaube, viele Feministen sind es einfach müde, Feminismus Leuten zu erklären, die einfach nicht zuhören.Gibt es eine Alternative zum Erklären?
[…] Die Leute schicken mir viel mehr Beiträge, als ich jemals hochladen könnte, ohne die Leser zu überfordern. An den Texten, die sie mir zusenden, merkt man, dass viele von den Menschen beim Verfassen eine Art Katharsis verspüren. Sie sind frustriert. Sie alle haben schon unglaublich viele Diskussionen mit Leuten hinter sich, bei denen sie versucht haben, sie aufzuklären und zu sagen, „Deine Argumente ergeben keinen Sinn.“
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Zu sagen, „Weißt du was? Deine Argumente gründen sich allein auf Ignoranz. Wir haben versucht, es dir zu erklären, aber jetzt antworten wir nur noch mit Katzenfotos“, darin besteht schon eine Art Katharsis. Wenn du dich mit solchen Leuten auf eine Onlinediskussion einlässt, hast du schnell das Gefühl, du würdest in Treibsand stecken. Du landest dort in so einer Zone, in der du dir plötzlich denkst: „Moment mal, der Himmel ist doch blau, oder?“ Es ist außerdem ganz nett, etwas zu haben, mit dem die Feminismusgegner nicht umgehen können oder nicht wissen, wie sie darauf reagieren sollen. Wenn sie die Fotos sehen, können sie nicht einfach in ihren üblichen Hassredenmodus wechseln, weil auf dem Bild eine Katze und ein absurder Text abgebildet sind. Es lässt sie erst mal auflaufen.

Es lohnt sich schon, sich auf Diskussionen einzulassen, in denen Menschen die falschen, aber—wenigstens in gewisser Weise—intellektuell ehrlichen Argumente liefern. Nimm zum Beispiel die Pay-Gap-Debatte. Es ist statistisch zweifelsohne erwiesen, dass es diese Einkommensungleichheit gibt. Die Frage lautet nun, wie man das erklärt. In diesen Fällen ist es sinnvoll, sich einzuschalten und auf einem intellektuellen Niveau zu argumentieren. Für mich war es allerdings wirklich enttäuschend zu sehen, dass viele dieser eher besonnenen Gegenspieler sich in vielen Punkten bei den extremeren Gruppierungen angebiedert haben. So war es auch im Fall von Christina Hoff Sommers, die als Antwort auf „Women Against Feminism“ bei Twitter schrieb: „Wenn junge Frauen ‚nein’ zum Feminismus sagen, akzeptieren Feministen nicht mehr, dass ‚nein’ ‚nein’ bedeutet." Dieser Post wurde von vielen militanten Männerrechtsaktivisten geteilt.
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Das ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Es braucht keinen Konsens, um mit jemandem unterschiedlicher Meinung zu sein. Es braucht aber definitiv einen Konsens, um mit jemandem Sex zu haben. Es ist sehr enttäuschend zu sehen, dass jemand wie Christina Hoff Sommers, die es wirklich besser wissen sollte, beide Punkte derartig miteinander vermischt.Oder nimm jemanden wie Warren Farrell. Er wird gemeinhin respektiert, hat aber an der „A Voice for Men“-Konferenz teilgenommen. Was denkt er sich wohl dabei, auf eine Konferenz zu gehen, die von jemandem geleitet wird, der Frauen „Huren“ und Schlimmeres nennt? Er ist sich dessen bewusst und für ihn ist es vollkommen OK, sich mit solchen Leuten abzugeben. Wenn du dir aber Farrells Arbeiten anschaust, kann man nicht gerade sagen, dass sie irgendwelchen akademischen Kriterien genügen würden. Menschen wie Christina Hoff Sommers oder Cathy Young stellen immerhin diskussionswürdige Argumente auf. Sie haben mehr als nur ein paar Bücher über Feminismus gelesen—und definitiv mehr als 99,9 % aller Männerrechtsaktivisten—und so kann man hier schon von einem Unterschied sprechen.When young women say no to feminism, feminists don't accept that no means no.
— Christina H. Sommers (@CHSommers) July 24, 2014

Was die Vorgehensweise angeht, würde ich sagen, dass es angemessener ist, höflicher und weniger konfrontativ mit einigen Menschen umzugehen. Zu dieser Gruppe würde ich auch viele der Menschen zählen, die auf „Women Against Feminism“ gepostet haben. Sie haben eher diesen „Ich persönlich brauche ihn nicht und deswegen gehe ich davon aus, dass auch sonst niemand ihn braucht“-Standpunkt. Dieser ist zwar sehr kurzsichtig, aber es wird nicht von Hass oder einer ideologischen Agenda angetrieben. Ich würde sagen, dass das Confused-Cats-Blog in vielerlei Hinsicht eine höflichere Kritik darstellt, als der Ton, den ich für diese engstirnigen Ideologen auf meiner Seite verwende. Ich mag Katzen. Hätte ich MRAs mit einem bestimmten Tier verglichen, hätte ich mich wohl für Mistkäfer entschieden.Was hat dazu geführt, dass du dich so sehr mit der Männerrechtsbewegung auseinandersetzt, als du mit Manboobz (inzwischen WeHuntedTheMammoth.com) anfingst?
Das hatte mehr oder weniger damit zu tun, dass ich auf Reddit mit Männerrechtsaktivisten aneinander geraten war, die nur beschränkte Argumente lieferten. Ich versuchte also, mich mit den Argumenten auseinanderzusetzen, und als ich dann das Blog startete, merkte ich erst, dass ich die schiere Menge an Frauenfeindlichkeit da draußen völlig unterschätzt hatte. Es waren nicht nur Menschen, die auf den falschen Pfad gekommen waren oder nicht über ihren eigenen Tellerrand kucken wollten. Nein, das waren Menschen, die wirklich davon besessen sind. Ich bekam eine Idee davon, was für Belästigungen und Angriffen sich offen feministische Frauen ausgesetzt sehen müssen. Sie bekommen natürlich noch viel mehr davon ab, weil diese Menschen Frauen tatsächlich hassen. Das spornt mich an. Ich hatte es nicht als das Problem gesehen, das es ist.

Ein kleines Beispiel auch für Männer, die Feminismus etwas abgewinnen können: Jungs, die mit einem Mädchen vor dem Fernseher sitzen und einen Film schauen. Plötzlich taucht auf dem Bildschirm eine attraktive Frau auf und sie sagen dann irgendwas in der Art von, „Oh, die würde ich gerne flachlegen“. Dieser Kommentar ist dann vielleicht nicht abwertend oder unterdrückend gemeint, aber denk einfach mal an die Stimmung, die das schafft. Nimm Kritik nicht persönlich und versuche einfach, dich in jemand anderen hineinzuversetzen.Was macht man mit ausgesprochenen Feminismusgegnern?
Die beste Methode, um dort voran zu kommen, ist, die Feminismuskritiker dazu zu bekommen, etwas mehr Empathie zu entwickeln und auch etwas mehr über die Erfahrungen von anderen Menschen nachzudenken. Vielleicht ist „Confused Cats Against Feminism“ Mittel und Weg dazu. Katzen sind sehr selbstfixiert. Vielleicht kann dieses Blog suggerieren: „Vielleicht willst du auch mal über etwas mehr nachdenken, als nur dich selbst.“ „Vielleicht brauche ich Feminismus persönlich nicht, aber die Tatsache, dass Frauen sich dagegen aussprechen können, ist dem Feminismus selber zu verdanken.“
