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Ich habe mir Kokain in den Arsch blasen lassen, damit ihr es nicht tun müsst

Anscheinend ist es den Leuten zu langweilig geworden, Koks einfach nur zu ziehen. Stattdessen konsumieren sie das weiße Gold jetzt durchs Rektum. Ein Selbstversuch.

von Justin Caffier
04 September 2014, 12:10pm

Wenn Drogen dein Ding sind, dann hast du im Jahr 2014 sicher eine Menge Spaß. In Spanien kannst du mittlerweile in sogenannten „Cannabis Social Clubs" ganz legal Marihuana anbauen, ein kleines Regiment deutscher Strafrechtsprofessoren spricht sich für eine Abschaffung der Strafverfolgung von Rauschgiftdelikten aus, und die öffentliche Stigmatisierung des Konsums von härteren Partydrogen scheint täglich zurück zu gehen. Aber dieses neue Bewusstsein gegenüber Rauschmitteln bringt auch neue Herausforderungen mit sich—die größte davon scheint für einige Konsumenten die Tatsache zu sein, dass die herkömmlichen Wege der Einnahme zu langweilig geworden sind.

In einer aktuellen, ausführlichen Diskussion in einer Facebook-Gruppe für Frauen aus Südkalifornien, beschrieben einige Userinnen, wie ihnen Kokain in den Hintern geblasen wurde—ja, geblasen, und nicht eingeführt. Die junge Dame, die den Stein ins Rollen brachte, sagte, dass sie „Kokain nie wieder auf die alte Art nehmen würde." Ein paar Tage später meldeten sich noch andere Frauen zu Wort und schwärmten von dieser neuen Art der Drogenzufuhr: „Es wirkt schneller", „Das Taubheitsgefühl" und „Ein viel intensiverer Rausch." scheinen dabei die größten Pluspunkte zu sein. Ich musste einfach weitere Nachforschungen anstellen und herausfinden, ob es sich dabei nur um Einzelfälle handelte oder sich da wirklich ein neuer Trend anbahnt. 

Natürlich brachte mich Google beim Stichwort „Coke up Butt" direkt zu diesem Video (NSFW!), in dem sich eine junge Frau aus Michigan bei einem Musikfestival von einem jungen Mann mit einem Strohhalm eine Prise Kokain in den Anus blasen lässt. Obwohl der gefilmte Akt von total unschuldiger Natur ist, sind die Tags des Videos traurigerweise geprägt von abwertenden Bezeichnungen wie „Hure" oder „Schlampe". Was aber viel wichtiger war: Das Video wurde am 16. Juli dieses Jahres hochgeladen! Nur kurze Zeit später redeten darüber hunderte Menschen in einem Reddit-Thread mit dem Titel „Is it ok to blow cocaine up a girls ass?"

Die Spur war heiß. 

Alle Fotos: bereitgestellt vom Autor


Eine vereinfachte Form dieser Praxis existiert schon seit Jahren und es gibt dafür sogar einen eigenen umgangssprachlichen Ausdruck, nämlich „Boofing". Ich habe jedoch noch nie das Verlangen verspürt, das Ganze auszuprobieren und es irgendwie immer als Schulhof-Mythos oder als kurzes Kapitel der unzähligen Anal-Abenteuer einer Person abgetan. Aber plötzlich wurde dieses Phänomen wie eine Modeerscheinung behandelt. 

In keinem der bereits existierenden Berichte über das Thema wurde die Blasmethode erwähnt. Einige Leute sagten, dass sie allein durch das Taubheitsgefühl gekommen sind, oder dadurch, anschließend gefickt zu werden. Andere waren einfach auf der Suche nach neuen Wegen, um high zu werden. Es gab zwar mehrere ziemlich genaue Anleitungen, die bevorzugte Methode scheint aber diese zu sein: Man mischt etwas Wasser mit zwei Prisen Koks und benutzt dann eine Oralmedizin-Spritze, um die Mischung ordentlich reinzukriegen. Mir wurde klar, dass ich die Meinung eines Experten einholen musste. 

Um einen passenden Arzt in Erfahrung zu bringen, rief ich bei Kaiser Permanente an und sprach mit einer sehr netten Dame namens Kate. Ich stellte meine Frage und es folgte erstmal Stille. „Ich weiß, dass das ziemlich witzig ist", sagte ich in der Hoffnung, das Gespräch noch retten zu können, „ich will bloß genauer verstehen, welchen Risiken meine Gesundheit dadurch ausgesetzt ist."

„Meiner Meinung nach ist das eher traurig", antwortete Kate. 

„Oh, ja. So hätte ich das eher sagen sollen. Traurig."

Alles in allem war Kate eine große Hilfe und sie versprach mir, sich mit den Gastroenterologen in Verbindung zu setzen, um zu sehen, ob sich jemand zu dem Thema äußern will. Eine Woche später bekam ich die Nachricht, dass Kaiser Permanente „sich dazu nicht äußern wird." Ich kann sie auch gut verstehen—sie sind ja eine große Krankenversicherung. Hätte ich wirklich erwarten sollen, dass sie Stellung zu etwas beziehen, das sich „Boofing" nennt?

Trotzdem hatte mich das Internet angefixt. Ich musste es ausprobieren. 


Kurz vor dem großen Ereignis duschte und schrubbte ich mich so intensiv wie noch nie zuvor in meinem Leben. Meine Assistentin (die anonym bleiben will) war so freundlich und opferte für dieses Experiment viel Zeit und Überwindung, also musste ich ihr zumindest auch einen akribisch sterilisierten Tätigkeitsbereich bieten. Ich hatte mich darüber informiert, wie sich Pornostars auf eine Anal-Szene vorbereiten, damit auch nicht das kleinste Stück Scheiße auftauchen würde. Allerdings erschien mir ein Einlauf als etwas übertrieben, also mussten ein paar Handvoll Wasser unter der Dusche ausreichen. 

Ich bereitete die drei im Internet beschriebenen Methoden vor. Zuerst wollten wir probieren, das Koks mit der Kraft der Lungen durch einen Schlauch in meinen Hintern zu blasen. Danach wollte ich das Pulver mit etwas Wasser vermischen und mit einer Spritze in meinen Darm befördern. Als Letztes sollte dann ein wenig trockenes Pulver einfach mit meinem Finger eingeführt werden. Meine Assistentin, die selbst noch nie mit Kokain in Berührung gekommen ist, müsste das Zeug also theoretisch zu keinem Zeitpunkt wirklich berühren. 


Für die erste Methode verwendeten wir als Trichter eine Plastik-Einführhilfe für Tampons. Das sollte zum einen die ganze Sache erleichtern und zum anderen befürchtete ich, dass kein einfacher Strohhalm ganz bleiben würde, falls sich mein Arschloch verkrampft. Ich fing an, ungefähr ein Drittel Gramm des Kokains in meiner Meinung nach normalgroße Lines aufzuteilen. Auf die traditionelle Art und Weise hatte ich schon eine ganze Weile kein Koks mehr genommen, deshalb waren meine Lines wohl ein wenig zur kurz. Zwei davon löffelte ich in die Einführhilfe—dabei war ich ganz vorsichtig, damit das Pulver nicht durch die Schlitze am anderen, runden Ende wieder rausfiel. 

Dieses runde Ende ließ sich ohne wirkliche Probleme reinschieben. Als unser Lachen abebbte, ging es ans Eingemachte: Meine Assistentin holte tief Luft und blies in die Tampon-Röhre. Hätten wir auch nur die leiseste Ahnung von Aerodynamik gehabt, dann hätten wir das, was als Nächstes geschah, wohl erwarten können. Da mein Darm eine Sackgasse ist, wurde die reingeblasene Luft darin umgekehrt und entwich an den Seiten der Röhre, durch die sie reinkam. 

„Das hat wohl nicht wirklich funktioniert. Außerdem fühlen sich meine Lippen ganz schön taub an", sagte sie. „Ich glaube, das Koks ist in meinem Mund gelandet."

Das war wahrscheinlich der außergewöhnlichste erste Kokainkonsum überhaupt. 

Ich wartete kurz ab, um zu sehen, ob ich irgendetwas spürte. Vielleicht ist ja doch etwas von dem Pulver in mir hängengeblieben. Angeblich wirkt es nach ungefähr 20 Sekunden, also viel schneller als beim Ziehen durch die Nase. Es regte sich allerdings gar nichts, also machten wir weiter mit Runde zwei. 


Ich füllte zwei Lines in eine offene Babymedizin-Spritze. Dazu gab ich ein klein wenig Wasser, schüttelte das Ganze schön durch und führte dann die Spitze in meinen Arsch ein. Dieses Mal klappte alles. Nachdem ich die Spritze ganz durchgedrückt hatte, zog ich sie wieder heraus und wackelte instinktiv mit meinem Hintern, als würde ich mich in einem Looney-Tunes-Cartoon befinden. Ich glaube, ich wollte einfach nur, dass die Lösung auch in den letzten Winkel meines Darms gelangt. 

Wir waren erfolgreich—eine Minute später überfiel mich die Redelaune und ich fing an, zu schwitzen. Zu diesem Zeitpunkt war meine Assistentin selbst ebenfalls high. „Ich spüre meine Zähne nicht mehr! Wie lange wird das so sein? Das schmeckt echt komisch!" Ich wollte auf jeden Fall, dass sie einen typischen Kokainrausch erfährt, also verbrachten wir das High mit einer lebhaften Diskussion über die Themen des Tages, die Darstellung von Frauen in Videospielen und den Campingausflug, denn wir eines Tages auf jeden Fall durchziehen müssen. 

Nachdem ich wieder so weit runtergekommen war, um die Wirksamkeit der dritten und primitivsten Methode zu untersuchen, nahm ich die letzte Line zwischen Daumen und Zeigefinger und presste das Pulver direkt in meinen Ballonknoten. Natürlich verteilte sich ein Teil des Koks auf meinem Teppich und ich stand da wie ein Idiot. Ich wollte meine Hosen nicht mehr hochziehen—ich befürchtete, dass noch mehr von dem Zeug wieder rauskommen würde. Plötzlich wurde mir klar, dass ich während der ganzen Aktion wahrscheinlich mehr als nur einmal ziemlich dumm ausgesehen haben muss. 

Mein Arschloch wurde taub und ich spürte, wie die Droge wieder etwas zu wirken begann. Eigentlich hatte ich aber schon mit dem Ganzen abgeschlossen. Ich fühlte mich zappelig und überhaupt nicht wohl. Ich dachte die ganze Zeit, dass die kleine Menge Wasser von der flüssigen Mischung jederzeit wieder aus mir rauslaufen könnte und mein betäubtes Arschloch das überhaupt nicht mitkriegen würde. Kokain kann dich unter den gegeben Umständen einfach so scheißen lassen. 

Letztendlich war mein Rausch nicht bedeutend anders als beim Konsum auf die herkömmliche Art und Weise—der Aufwand und das Ergebnis stehen also in überhaupt keinem Verhältnis. Wozu braucht man so unnötig komplizierte Wege des Konsums, wenn das einfache Ziehen das gleiche Resultat bringt? Vielleicht waren die Mädels aus der Facebook-Gruppe einfach nur erfreut darüber, die Pionierinnen des Ganzen gewesen zu sein. Vielleicht machten sie sich auch einfach nur einen Spaß daraus und ich bin darauf reingefallen, weil ich es selber ausprobiert habe. Vielleicht ist aber auch mein Arsch kaputt und ich bin dazu verdammt, niemals das gleiche Glücksgefühl zu verspüren, dass die Anderen dadurch haben. Was auch immer es sein mag, Kokain im Arsch ist den ganzen Aufwand auf jeden Fall nicht wert. 

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