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Verdammte Scheiße, häufig fluchende Leute sind gar nicht so dumm

Eine neue Studie hat gezeigt, dass Wortakrobaten, die immer mit diversen unflätigen Ausdrücken aufwarten können, auch im Allgemeinen verbal vielseitiger sind.
7.4.16

Titelfoto: Lia Kantrowitz

Gute Nachrichten, ihr Arschlöcher: All die Idioten, die schon seit Ewigkeiten behaupten, dass Schimpfwörter ein Zeichen von schlechter Erziehung, fehlender Intelligenz und nicht vorhandener Sprachbeherrschung sind, sollten ab jetzt mal schön die Fresse halten. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass eloquentes Fluchen stattdessen eher ein Indiz für ein großes Vokabular ist.

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Am Dienstag wurde auf dem Scientific American-Blog ein Artikel veröffentlicht, der sich mit dieser ganzen verfickten Thematik auseinandersetzt. Darin steht, dass viele Menschen an die These des beschränkten Vokabulars glauben: Sie gehen also davon aus, dass fluchende Deppen nur so oft verbal daneben langen, weil sie sich einfach nicht besser ausdrücken können. In anderen Worten: Leute, die Messer, Gabel und Löffel als „Teil, mit dem man irgendwelchen Scheiß schneidet", „spitzes Kackding" und „rundes Viech für Flüssignahrung" bezeichnen, sind nicht kreativ, sondern klammern sich einfach nur an die Vulgärsprache.

Eine von irgendwelchen verdammten Nerds des Marist College und des Massachusetts College of Liberal Arts durchgeführte Studie zeigt nun jedoch, dass sich diese These mal gehörig ins Knie ficken kann. So sind Wortakrobaten, die immer mit diversen unflätigen Ausdrücken aufwarten können, auch im Allgemeinen verbal vielseitiger.

Wie die Eierköpfe das herausgefunden haben? Sie haben ihre Probanden einem sogenannten Controlled Word Association Test (COWAT) unterzogen. Damit stellten sie im Grunde fest, wie groß das allgemeine Vokabular dieser Studentenarschlöcher wirklich ist. Anschließend mussten die Teilnehmer in einer Minute so viele Schimpfwörter wie möglich aufsagen—von Fotze über Drogendulli bis hin zu Spasti war dabei alles erlaubt.

Die Resultate dieser Tests besagen nun, dass die Probanden, denen die meisten Obszönitäten und Flüche eingefallen sind, im Vergleich zu den anderen auch streitlustiger, gewissenhafter und neurotischer sind. Das überrascht jetzt nicht wirklich. Was uns jedoch aufhorchen lässt, ist die Tatsache, dass genau diese Probanden auch im Allgemeinen ein breiter gefächertes Vokabular vorweisen können.

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„Ihr seht nicht nur scheiße aus, ihr seid auch scheiße, ihr beiden"

Dabei weiß doch eigentlich jeder Mensch, dass Schimpfwörter und Flüche das Salz in der Sprachsuppe sind. TV-Serien wie South Park oder The Wire sind wahre Obszönitäten-Feste und trotzdem werden sie von studierten Leute total abgefeiert. Und selbst der alte Schnackel William Shakespeare schien der Vulgärsprache nicht abgeneigt zu sein: Laut einer Radiosendung aus dem Jahr 2013 ist der Dramatiker der Urheber des englischen Slang-Ausdrucks „Roger" für Penis und erfand dazu auch noch eine ganze Reihe an Wörtern für das weibliche Geschlechtsteil.

Eigentlich ist doch jedem, der in der Schule irgendwann mal Georg Büchners Woyzeck lesen musste, klar, dass Kunst und eine vulgäre Ausdrucksweise schon seit jeher Hand in Hand gehen. Es ist jedoch ganz gut, dass uns nun irgendwelche mit einem Arschvoll Kohle geförderten Wissenschaftler aufgezeigt haben, dass eine verrohte Ausdrucksweise kein Anzeichen von Dummheit ist.

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In dem oben erwähnten Artikel heißt es jedoch auch, dass eloquente Menschen nicht zwangsläufig aus ihrem quasi unendlichen Fundus an Schimpfwörtern schöpfen werden, nur weil sie diesen besitzen. Anders gesagt: Kluge Leute wissen also womöglich, wie man ein „Fick dich!" auf 20 unterschiedliche Arten und Weisen ausdrückt, aber sie sind genauso in der Lage, sich je nach Situation zu zügeln. Wenn irgendein Arschloch also ständig mit irgendwelchen Flüchen und Beleidigungen um sich wirft, heißt das noch lange nicht, dass dieses Arschloch eigentlich ein ganz helles Köpfchen ist. Der verdammte Schein kann also immer noch trügen. Scheiße.