Ein Impfgegner-Ehepaar wurde wegen des Todes seines Kleinkinds schuldig gesprochen
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Ein Impfgegner-Ehepaar wurde wegen des Todes seines Kleinkinds schuldig gesprochen

David und Collet Stephan drohen nun bis zu fünf Jahren Haft, weil sie nach der Meningitis-Erkrankung ihres Sohns Ezekiel nicht für die nötige medizinische Behandlung sorgten.
28 April 2016, 8:12am

Ein Ehepaar aus dem kanadischen Bundesstaat Alberta wurde vor Kurzem von einem Gericht schuldig gesprochen, weil es seinen Sohn schwer vernachlässigt hatte. Das Kind starb vor vier Jahren an einer bakteriellen Meningitis. Den Eltern, die natürliche Heilmittel der traditionellen Medizin vorziehen und so den Tod des Jungen verursacht haben sollen, drohen nun bis zu fünf Jahren Haft.

Nachdem ihr 19 Monate alter Sohn Ezekiel im März 2012 gestorben war, wurden David und Collet Stephan ein Jahr später angeklagt. Die sechswöchige Gerichtsverhandlung fand dann vergangenen Montag ihr Ende, als die Geschworenen—die vom vorsitzenden Richter angewiesen wurden, ihre Entscheidungsfindung nicht von "Mitgefühl, Vorurteilen oder Angst" bestimmen zu lassen—innerhalb von nur zwei Tagen ihre Beratungen abschlossen.

Die Stephans werden am 13. Juni wieder vor Gericht erscheinen müssen, wenn man ein Datum für die Urteilsverkündung festlegen wird.

Während der Gerichtsverhandlung stellte die Verteidigung das Ehepaar als verantwortungsvolle Eltern dar, denen einfach nur nicht bewusst war, wie krank ihr Sohn eigentlich gewesen ist. Die Staatsanwaltschaft hingegen argumentierte damit, dass die Stephans nicht genügend unternommen hätten, um die nötige medizinische Versorgung des Kinds zu gewährleisten.

Ezekiel war zwar bereits seit über zwei Wochen krank gewesen, aber seine Eltern seien davon ausgegangen, dass es sich dabei nur um eine Diphtherie in Verbindung mit der Grippe handelte. Plötzlich hörte der Junge jedoch auf zu atmen und die Eltern riefen daraufhin einen Krankenwagen.

Bis dahin hatte das Ehepaar das Kind laut der Canadian Press mit natürlichen medizinischen Mitteln wie etwa Peperoni-, Knoblauch-, Zwiebel- und Meerrettich-Smoothies behandelt.

Ezekiel wurde per Hubschrauber in ein Krankenhaus in Calgary gebracht, wo er fünf Tage lang von Maschinen künstlich am Leben gehalten wurde. Schließlich stellte man die Maschinen jedoch ab.

Nachdem eine Freundin der Familie, die auch als Krankenschwester tätig ist, dem Ehepaar gesagt hatte, dass Ezekiel wahrscheinlich an einer Meningitis leiden würde, informierte sich Collet im Internet über die Krankheit und kam zu dem Schluss, dass es sich wohl um die Virus- und nicht um die schwerwiegendere Bakterien-Version handeln müsste. Der Canadian Press zufolge hieß es vor Gericht, dass sie für die Behandlung ihres Sohns dann eine Purpur-Sonnenhut-Tinktur kaufte.

Laut dem offiziellen Autopsiebericht litt der Junge allerdings an einer bakteriellen Meningitis sowie einer neurologischen Störung.

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Einen Tag bevor Ezekiels Atmung stoppte, musste sich das Kleinkind bei der Fahrt zu einer Naturheilpraxis auf eine Matratze legen, weil sein Körper zu steif war, um normal sitzen zu können.

Strafverteidiger Shawn Buckley meinte in seinem Schlussplädoyer jedoch, dass nicht ein einziger der vor Gericht erschienenen Zeugen, die den Jungen vor seinem Tod noch einmal gesehen haben, der Meinung war, dass Ezekiel sofortige ärztliche Hilfe nötig hätte, so die Canadian Press.


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