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Auslandsösterreicher rufen auf Facebook dazu auf, wählen zu gehen

Die Facebook-Seite "Weil Wählen nicht wurscht ist" setzt sich für die Wahlkarten-Bestellung im Ausland ein.
11 Mai 2016, 5:00am

© Parlamentsdirektion / Bildagentur Zolles KG / Mike Ranz

Mehr als 400.000 ÖsterreicherInnen wohnen entweder vorübergehend oder dauerhaft im Ausland. Das sind auf die Gesamtbevölkerung gerechnet relativ viele Menschen. Nur zum Vergleich: im Jahr 2004—bei der letzten Wahl ohne wiederwählbarem Amtsinhaber—betrug der Unterschied zwischen Wahlgewinner Heinz Fischer und der zweitplatzierten Benita Ferrero-Waldner nur 197.364 Stimmen.

Obwohl AuslandösterreicherInnen tendenziell politisch interessiert sind (beziehungsweise sich ihrer Umgebung gegenüber oft politisch gesehen in Erklärungsnot befinden), ist die Wahlbeteiligung in dieser Gruppe extrem niedrig. Zum Teil hängt das damit zusammen, dass ihnen das Wählen nicht gerade leicht gemacht wird.

Die Facebook-Seite "Weil Wählen nicht wurscht ist" nimmt sich des Themas an und versucht, potentiellen Wählern auf möglichst attraktive Weise die Wahlkarten-Bestellung nahezulegen. Damit es auch für Österreicher im Ausland wirklich keine Ausreden mehr gibt, warum man es dieses Jahr nicht zur Wahl schafft—nicht mal, wenn man Angst vor Wahlkarten, endlosen Suchen aufhelp.gv.at-Seiten oder dem unüberwindbaren Kater am Sonntag hat.

Wir haben mit den Betreibern von "Weil Wählen nicht wurscht ist" gesprochen, die unsere Fragen genauso geduldig beantwortet haben wie die der User (die sich übrigens zweisprachig an die Facebook-Seite wenden können).

VICE: Wie viele Personen sind an eurem Projekt derzeit beteiligt?
"Weil wählen nicht wurscht ist": Im Grunde sind wir eine Dreier-WG in New York, mit einem separaten Korrespondenten in Palo Alto, sowie einem weiteren in Greenwich, Connecticut.

Wie sehen Österreicher in den USA die momentane Situation in der alten Heimat?
Die Leute hier erkennen nicht wirklich, was zuhause passiert. Wir leben in den Vereinigten Staaten und die Leute haben eigene neofaschistische Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben. Die meisten Leute denken nicht wirklich viel über Österreich nach. Dementsprechend schockiert reagieren die meisten, wenn wir ihnen von der aktuellen Situation erzählen. Wir interessieren uns für Österreich und wollen eines Tages zurückkehren. Das erscheint weniger wahrscheinlich, wenn bestimmte Kandidaten gewinnen.

Was bekommt ihr von den Auslandsösterreichern in eurem Umfeld so mit?
Die Gedanken und Ängste sind, dass die derzeitige Präsidentschaftswahl nur eine von mehreren beunruhigenden Entwicklungen ist, die derzeit in Österreich stattfinden. Niemand weiß genau, was für ein Präsident Norbert Hofer wäre, aber er hat uns gewichtige Gründe geliefert, die uns glauben lassen, dass er wahrscheinlich ein unheimlicher wäre, wenn es um die Rechte der Minderheiten, bürgerliche Freiheiten und viele andere hart erkämpfte, demokratische Rechte geht, die wir am heutigen Österreich schätzen.

Was denkt ihr, in welche Richtung eure Plattform die Wahl beeinflussen wird?
Während die Facebook-Seite vordergründig unparteiisch ist, denken wir, dass es eher unwahrscheinlich scheint, dass Auswanderer die Entwicklung in Richtung Hofer unterstützen würden. Also wenn wir sie dazu bewegen können, eine Wahlkarte zu bestellen, wird das die Stimmen für Van der Bellen steigern.