Gesichtstattoos, Gangs und Prostituierte – Warum die besten Fotos auf Reisen entstehen
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Gesichtstattoos, Gangs und Prostituierte – Warum die besten Fotos auf Reisen entstehen

Die Fotografin Maria Mangold schaut dort hin, wo alle wegsehen—aber eigentlich doch mit einem Auge hinschielen.
9.2.16

Einen Plan habe ich eigentlich nie. Jemand gefällt mir als Motiv oder nicht. So einfach ist das. Kompromisse mache ich keine. Meine Bilder entstehen spontan auf der Straße. Man trifft sich eben nicht zu einem Shooting, wenn man auf ist, sondern versucht, den einzigartigen Moment fest zu halten. Und meistens muss das schnell gehen.

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Ich würde sagen, einer meiner größten Vorteile ist, dass ich keine Angst habe, auf Menschen zuzugehen—egal wie sie aussehen. Ich versuche, dort hinzuschauen, wo alle wegsehen, aber eigentlich doch gerne mit einem Auge hinschielen.

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Die zwei Männer mit den Gesichtstattoos habe ich zum Beispiel in Los Angeles in der U-Bahn fotografiert. Ich ging einfach zu ihnen hin und fragte, ob ich Fotos machen darf. Ich frage immer. Du merkst schnell, was du darfst und was nicht. Meistens entstehen sehr gute Gespräche. Der Eine hat mir zum Beispiel die Bedeutung über jedes einzelne seiner Gangtattoos erklärt. Viele erzählen mir gleich ihre ganze Lebensgeschichte. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber die Menschen vertrauen mir. Das ehrt mich. Es ist mir auch immer enorm wichtig, die Menschen würdevoll zu zeigen.

Ein anderes Beispiel ist die junge Frau im türkisen Lift. Sie ist eine Prostituierte aus der Dominikanischen Republik, die ich auf dem Weg zu ihrem Zimmer fotografiert habe. Wir haben über Liebe und Make-up gesprochen. Aber auch darüber, wie es für sie war, sich zum ersten Mal zu prostituieren.

Solche Geschichten gehen mir natürlich nahe. Aber das Letzte, was die Menschen wollen, ist Mitleid. Sie wollen als normale Menschen wahrgenommen werden, so wie du und ich. Als Teil der Gesellschaft. Schlussendlich geht es mir nicht um das Foto, sondern um die Begegnung mit den Menschen und ihren Geschichten. Daher kann ich mich auch nicht auf einen fixen Stil festlegen. Es gibt so viele interessante Menschen und Themen.

Meine nächste Ausstellung heißt darum Kaleidoscope. Ein Kaleidoskop ist gewissermaßen ein verspiegeltes Fernrohr, das mit Glasperlen gefüllt ist. Blickst du hinein und drehst es, siehst du immer andere Bilder—aber es bleiben die gleichen Glasperlen, die das Bild entstehen lassen. Genau so geht es mir mit meiner Arbeit. Jedes meiner Fotos ist unterschiedlich und doch sieht man, dass es immer die gleiche Sprache ist. Jedes Bild ist ein Spiegel meiner Selbst.

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Maria Mangold ließ auch schon Luzern zur Bronx der Schweiz werden. Ihre Ausstellung Kaleidoscope wird am 11. Februar in Luzern eröffnet. Mehr Fotos von Maria findest du auf ihrer Homepage, auf Instagram und auf Facebook.

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