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Ein Autohändler möchte, dass linke Bürger nicht mehr bei ihm einkaufen

„Abrasierte mit Bomberjacke sind mir lieber als ein vermummter, gewalttätiger Student."
17.11.15

Vergangenen Sonntag trafen an der Grenze in Spielfeld Identitäre und andere „besorgte Bürger" auf linke Gegendemonstranten. Beide Seiten sollen dabei mit Holzlatten aufeinander eingeschlagen haben. Laut der steirischen Polizei soll es aber keine Verletzten geben. 80 Autos, die teils eindeutig als Autos der rechten Demoteilnehmer erkennbar waren, wurden im Laufe der Demonstration demoliert, Reifen wurden zerstochen und Scheiben eingeschlagen.

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Im österreichischen — fluxus (@fluxusx)15. November 2015

Auch der Inhaber einer Autowerkstatt, Franz Matzhold, war mit mehreren Bekannten vor Ort, um sich, seinen eigenen Aussagen nach, „die Situation als neutraler Beobachter anzusehen". Sein eigenes Auto und das seiner Bekannten stand dort, wo auch die Autos der rechten Demonstranten standen. Er habe sein Auto noch wegfahren können, die seiner Bekannten sollen zu Schaden gekommen sein.

Er habe auch beobachtet, wie linke Demonstranten auf unbeteiligte ältere Menschen eingeschlagen und sie umgeschubst hätten. Polizeisprecher Leo Josefus, der am Sonntag selbst vor Ort war, sagt gegenüber VICE, davon wisse er nichts.

Doch Matzhold sagt, er habe am Sonntag das „wahre Gesicht der Linken" gesehen. „Auch die Rechtsextremen können viel Schaden anrichten, das sieht man in Deutschland, aber am Sonntag waren bei denen auch Abrasierte mit Bomberjacke dabei und die sind mir lieber als ein vermummter, gewalttätiger Student."

Doch anstatt in dieser Situation gemeinsam anzupacken, kämpfen wir gegeneinander. Das wolle er nicht verstehen. Man könne schließlich auch 80.000 Menschen geordnet und mit Kontrollen in ein Fußballstadion bringen, ohne dass etwas eingeschmuggelt wird. Deshalb verstehe er nicht, wie man also bei 4.000 Flüchtlingen überfordert sein könne. Das habe er schon zu seinen Freunden gesagt, bevor Strache diesen Vergleich gebracht habe. Laut Matzhold braucht es jedenfalls ein System und kein Kämpfen. Und am Sonntag seien nun einmal die linken Demonstranten jene gewesen, die kämpfen wollten.

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Das hat den Autohändler so aufgeregt, dass er sich Zuhause hingesetzt hat, folgendes Posting verfasst und auf der Firmenseite veröffentlicht hat:

Dass Rechtsextreme hier nicht ausgeschlossen sind, ist für Matzhold nicht relevant. Das Posting richte sich an die, die sich davon angesprochen fühlen und auf deren Geschäft könne er gut verzichten. Identitäre werden sich davon wohl eher nicht angesprochen fühlen.

Doch sie sind nicht nur nicht ausgeschlossen: Viele Demonstranten, die von weit angereist seien, konnten am Sonntag aufgrund ihrer teilweise fahruntüchtigen Autos nicht mehr nach Hause fahren. Deshalb habe die Firma ihre Hilfe angeboten. Geschädigte bekommen neue Reifen zum Einkaufspreis, in der Werkstatt werden sie nun gratis montiert.

Hanna auf Twitter: @HHumorlos