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Dieser Fernseh-Sommer wird ein einziger Trash-Exzess

RTL und Konsorten planen den trashigsten TV-Sommer aller Zeiten.
13.7.15
Screenshot via YouTube

Vergangene Woche lief die erste Folge der neuen Staffel von Die Bachelorette auf RTL und hat nicht nur einige Fragen aufgeworfen, sondern auch mein Trash-Herz daran erinnert, wie fest es einst schlug. Es gab nämlich mal eine Zeit, in der MTV noch gratis war und sich tatsächlich auf die wesentlichen Dinge, die einen Musiksender ausmachen, konzentrierte. Flavor Flavs Liebesleben zum Beispiel.

Als sich MTV in die Welt des Pay-TV verabschiedete und somit auch Miss New York für immer aus meinem Leben riss, musste ich mich mit den Scripted Reality-Eigenproduktionen von RTL und seinen Schwestersendern zufriedengeben. Eine Zeit lang ging das auch noch gut, Formate wie Schwer verliebt oder Schwiegertochter gesucht erfüllten trotz allem ihren Zweck und das Dschungelcamp stellte regelmäßig die zwei intensivsten Wochen meines jährlichen Fernsehkonsums dar.

Die größten Musik-Momente aus dem Dschungel gibt's bei Noisey.

Irgendwo ist meine Liebe zu Trash während der Jahre jedoch auf der Strecke geblieben. Ich war nicht mehr mit dem Herzen dabei, verdammt, noch nicht einmal die letzte Dschungelcamp-Staffel hab ich richtig mitverfolgt. Mein Engagement gegenüber Trash-TV war ungefähr so groß wie das von Micaela Schäfer gegenüber Kleidung. Zumindest bis zu dem Augenblick, an dem ich von den kommenden Plänen einiger deutscher Fernsehsender hörte. Die stopfen das Sommerloch heuer nämlich mit ordentlich viel Müll. Wenn man also schon alles an der heißen Jahreszeit hasst, kann man getrost drinnen bleiben und sich einfach den härtesten Trash-Exzess aller Zeiten geben. Es kann nur gut werden.

Ich bin ein Star – Lasst mich wieder rein!

Erinnert sich noch jemand daran, als der Wendler 2014 freiwillig aus dem Camp rausging, fein einen Cheeseburger in seinem Hotelzimmer verdrückte, nur um anschließend mit den Worten „Ich bin ein Star—Lasst mich wieder rein!" seine Entscheidung zu revidieren? Hat zwar damals nicht geklappt für ihn—RTL wäre aber nicht RTL, wenn sie diesen Satz nicht als Inspiration für einen eigenen Ableger nehmen würden, der im Grunde genommen alles ist, was ich je wollte: Ein Best of Dschungelcamp.

Die Crème de la Crème der ehemaligen Camper nimmt also ab Ende Juli an einer Sommer-Ausgabe der Dschungelshow teil. 27 runtergerockte Promi-Relikte—jeweils drei aus jeder vergangenen Staffel—treten in neun Live-Shows gegeneinander an. Stattfinden soll das Ganze nicht in Australien, dafür aber im deutschen „Großstadtdschungel". Dr. Bob ist als Stargast dabei.

Der Sieger—und jetzt kommt das Beste—„darf" nächstes Jahr noch einmal ins richtige Dschungelcamp einziehen. Freiwillig! Also quasi eine Qualifikationsrunde für die kommende zehnte Ausgabe des Formats. Ich wiederhole: Dschungel-Überreste, die schon während ihrer ersten Zeit im Camp mehr als verbraucht waren, fetzen sich jetzt in einem Wettstreit darum, sich ein zweites Mal die inszenierte Blöße zu geben. Es ist fast schon zu gut, um wahr zu sein.

Ich sehe keine angemessene Möglichkeit, meine unfassbare Vorfreude in Worte zu verpacken, also schnalze ich ganz einfach mal ein paar Namen der Teilnehmer in eure ahnungslosen Gesichter: Sarah Knappik! Der Wendler! Naddel! Micaela Schäfer! Mausi Lugner! Naddel! Walter Freiwald! Ailton! Naddel! Brigitte Nielsen! Naddel!

Einziger Wermutstropfen: Keine Larissa.

Popstars

In einer Welt, in der das Konzept einer Castingshow schon unzählige Trash-Tode sterben musste, entscheidet sich RTL II Popstars zurückzuholen. Das klingt erst mal wahnsinnig, könnte aber großartig werden. Nicht zuletzt, weil Popstars damals im Jahre Schnee den ganzen Castingwahn losgetreten hat und der Senderwechsel von ProSieben zurück zu RTL II, wo die ersten beiden Staffeln ausgestrahlt wurden, ein Heimkommen für das Format ist.

Es gibt aber noch mehr Gründe, warum das ziemlich super werden könnte: Erst einmal wird nach einer reinen Girlband gesucht, womit man bekanntermaßen bisher immer am besten gefahren ist—das weiß ich, weil ich bis heute noch alle gecasteten Bands der bisherigen zehn Staffeln in chronologischer Reihenfolge aufzählen kann, egal ob totale Katastrophe oder Girlband-Glückstreffer (Die No Angels werden immer einen Platz in meinem Pop-Herzen haben). Abgesehen davon sorgt eine rein weibliche Runde immer für mehr Radau und damit spannendere Sendungen.

Darüber hinaus klingt das neue Konzept eher nach Fame Academy (gab's auch mal) als nach traditionellem Casting: Die Kandidatinnen sollen in die sogenannte „Popstars-Akademie" einziehen und werden dabei von einem Kamerateam begleitet, was eigentlich förmlich nach Doku-Soap schreit und somit einiges an Reality-Trash mit sich bringen könnte.

Dann wäre da noch die Jury. Bei The Voice kam die pseudo-niveauvolle Besetzung ja ganz gut an, also muss erstmals auf Detlef D! Soost verzichtet werden. Das bedeutet, kein Pam Pam Pam, dafür aber Miss Platnum, Stefanie Heinzmann und eine Choreographin namens Bella Garcia. Eine Choreographin ist deshalb wichtig, weil heutzutage kaum noch jemand gute Choreo macht. Ich hoffe diese Bella Garcia kann was.

Sarah & Pietro … bekommen ein Baby

Ich kenne die beiden nicht, weil ich DSDS seit der ersten Staffel nicht mehr verfolgt habe, aber offenbar waren die dort mal Kandidaten, haben sich unsterblich ineinander verliebt, mussten dann im Finale als Brautpaar verkleidet gegeneinander antreten, haben später wirklich geheiratet und ein gemeinsames Album gemacht. Mittlerweile machen sie Babys. Der Stoff, aus dem Dieter Bohlens feuchte Träume gemacht sind.

Als das frisch getraute Pärchen dann ein Haus bauen wollte, war RTL II nicht weit. Folgerichtig ging die Doku-Soap Sarah und Pietro … bauen ein Haus in Produktion. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis schließlich auch Sarah und Pietro … bekommen ein Baby auf Sendung gehen sollte. Ich freue mich schon auf die Fortsetzungen Sarah und Pietro … lassen sich scheiden, Sarah und Pietro … im Sorgerechtsstreit oder Sarah und Pietro … nackt auf einer Insel.

Adam sucht Eva

Denn auch Adam sucht Eva findet diesen Sommer seinen Weg zurück ins Fernsehen. Zugegebenermaßen, zwei Nackerte auf einer einsamen Insel auszusetzen war bereits bei der Erstausstrahlung im letzten Jahr nicht ganz so spannend wie man sich das vielleicht vorgestellt hatte. Das Konzept allein wäre immerhin dumm genug, um großartig zu sein. Leider fiel die Umsetzung eher fad aus.

Ich möchte an dieser Stelle einen Appell an die RTL-Redaktion richten, die uns schon Beate gegeben hat und für so legendäre Untertitel wie „Ingo, 21, will seine Nudel für sich behalten" verantwortlich ist—ihr könnt das. Zwei nackte Menschen auf einer Insel, das strotzt doch nur so vor Potential. Reißt euch verdammt nochmal zusammen. Holt Inka Bause dazu, lasst Vera Int-Veen die Voice-Overs machen (Ein paar Alliterationen wie „schüchterner Staplerfahrer" oder „passionierter Pilzsammler" würden der Sendung guttun),—aber macht was aus diesem Format. Dass diesmal eine Lugner-Ex dabei ist, ist immerhin ein Anfang.

Promi Big Brother

Auch Sat.1 will diesen Sommer wieder im tiefsten Trash-Loch mitmischen und bringt ganz normales Big Brother, nennt es aber Promi Big Brother. Heißt, man kann mal wieder zwei Wochen lang ehemaligen Casting-Resten dabei zusehen, wie sie abwechselnd eine Tschick nach der anderen puffen und Verbal-Klatschen von Desiree Nick einstecken. Das ganz normale Leben halt.

Ich möchte ehrlich sein— Promi Big Brother habe ich bis jetzt noch nie gesehen. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich der ProSiebenSat.1-Gruppe nie wirklich guten Trash zugetraut habe. Dass sie durchaus können, wenn sie wollen, hat man vor einigen Jahren schon mit Die Alm oder Die Burg gesehen, wo Frédéric Prinz von Anhalt einfach mal ins Badewasser von Kader Loth pisste. Das hatte Dschungel-Charakter. Seit jeher war das jedoch eher das Metier der Kollegen von RTL—eine Chance kann man Promi Big Brother aber trotzdem geben. Man will ja nicht so sein.

Die Aussicht auf all diese Formate verursachen eine Art Reizüberflutung in meinem Kopf, von der ich nicht sicher bin, ihr gewachsen zu sein. Es wird hart, aber es wird so gut. Alles in allem verspricht dieser Sommer so einiges an Fremdschämen, Peinlichkeiten und vor allen Dingen eines: Naddel.

Franz auf Twitter: @FranzLicht


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