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Kultur

Dieses Body-Modification-Model hat die Rechte an seinem Bild verkauft, ohne es zu merken

Er hat so schon für Filme, Serien, Nachtclubs, Klamotten und Dating-Seiten auf der ganzen Welt geworben, ohne einen müden Cent daran zu verdienen.

von Norma Costello
17 November 2015, 5:00am

Baz Black | Foto: Arthur Carron

Baz Black ist ein Body-Modification-Künstler und Model aus Irland. In einem schwachen, naiven Moment unterschrieb er eine Verzichterklärung, die es dem Fotografen erlaubte, sein Bild an eine Bildagentur zu verkaufen, ohne dass ihm klar gewesen wäre, was er da tat. Inzwischen wurden seine Fotos benutzt, um alles mögliche zu verkaufen, von Dating-Websites bis hin zum neuen Mad Max, und er kann absolut nichts dagegen unternehmen.

Sein einzigartig tätowierter Körper könnte jetzt gerade in Stücke zerteilt und verkauft werden—und er bekommt keinen müden Cent dafür. Seine Tattoos wurden schon geändert, um Bandenkultur positiv darzustellen, er ist digital enthauptet worden, um auf riesigen Werbetafeln am Times Square für TV-Serien zu werben, und er war schon das Werbemaskottchen eines Nachtclubs im walisischen Cardiff. Er ist ziemlich angefressen, aber es steht nicht in seiner Macht, die Situation zu ändern, denn keine dieser Verwendungen seines Bilds verstößt gegen das Urheberrecht.

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Als ich ihn nach seiner Meinung zu der Situation fragte, sagte mir Oktay Ortakcioglu, der Fotograf der Fotos: „Ich habe ihn kontaktiert, um einen Photoshoot zu arrangieren und er kam ins Studio. Als ich ihm das Formular gab, las er es durch und unterschrieb es. Er hat professionelle Fotos für seinen Privatgebrauch erhalten. Ich habe über 7.000 Fotos auf iStock. Manche können sehr erfolgreich sein, wie das von Baz, das sich sehr oft verkauft hat. Ich glaube nicht, dass er damit gerechnet hat, dass die Fotos so weit reisen und so viel Aufmerksamkeit bekommen würden."

Ich habe mich mit Baz unterhalten, um zu erfahren, wie es ist, wenn man zusehen muss, wie das eigene Bild um die ganze Welt geht.

VICE: Na, Baz, ich habe gehört, du wurdest per Photoshop zerstückelt und dann als Werbung für eine Comic Con verwendet? Das ist schon ein bisschen hart, oder?
Baz Black: Ja, ich muss zugeben, es war ein ziemlicher Schock, den Kopf eines Fremden auf meinem Körper zu sehen. Das war Teil einer Werbekampagne für die neue NBC-Serie Blindspot. Ich habe auf der Facebook-Seite des Visagisten Nix Herrea davon erfahren.

Plötzlich sah ich seinen Kopf auf meinem Körper. Anscheinend gab es einen Stand bei der Comic Con, wo sich jeder seinen Kopf auf meinen Körper photoshoppen lassen konnte. Es gibt also Hunderte von Gesichtern im Internet, die meinen Körper „tragen"!

Dann sind sie einen Schritt weiter gegangen und haben vier der Bilder für eine riesige Werbetafel am Times Square verwendet.

Die Werbetafel am Times Square, mit Baz' Oberkörper

Wie hast du davon erfahren, dass dein Körper weltweit in der Werbung eingesetzt wird?
Ein Kunde meines Ladens hat mir erzählt, dass ich das Gesicht einer Online-Partnervermittlung bin. Es war ein Bild von mir, wie ich ein Skalpell halte und eine OP-Maske trage. Darunter stand: „Treffe die unterschiedlichsten Menschen". Anfangs fand ich es lustig, aber Leute, es ist vermutlich echt keine gute Idee, wenn ihr mich für eure Promo nehmt, wenn ich in dem Bild aussehe wie ein Serienmörder.

Und wie genau hast du das Urheberrecht an deinem eigenen Körper verloren?
2011 habe ich einen Photoshoot mit Oktay von Imaj Photography arrangiert. Die Erklärung, die ich unterschrieb, stellte sich als Verzichterklärung für iStock heraus, und ich verzichtete auf all meine Rechte, ohne es zu merken. Er verkauft diese Bilder inzwischen seit fünf Jahren und hat Tausende daran verdient. Ich kriege kein Geld und keine Anerkennung für diese Bilder, die weltweit schon für TV-Serien, Magazine, Werbetafeln, Schmuckhersteller, Geschäfte und Dating-Portale eingesetzt wurden. Als ich den Fotografen vor zwei Jahren kontaktierte, um ihn zu fragen, warum er meine Bilder verkauft, ohne mir Geld zu zahlen oder meinen Namen zu nennen, sagte er, das sei nun mal sein Geschäft und er müsse Geld verdienen. Er bot mir auch zur Entschädigung eine Gratis-Fotosession an. Als wollte er noch mehr Bilder, die er hinter meinem Rücken verkaufen konnte!

Als ich ihn um PDF-Dateien oder eine CD oder E-Mail bat, damit ich die Bilder wenigstens für meine eigene Promo benutzen konnte, sagte er mir, ich könne auf iStock gehen und meine eigenen Fotos kaufen, wenn ich sie wollte. Dieser dreiste Bastard.

Er hätte nichts weiter tun müssen, als mir ein paar Hundert Mücken zu geben, und dann wäre ich nicht so sauer, dass er so offensichtlich mit meinem Bild Geld verdienen wollte.

Welche Art von Shootings machst du üblicherweise und in welche Länder verkaufst du deine Fotos?
Von 50 Ländern weiß ich und Kunden haben mich im Urlaub schon und auf verschiedensten Produkten entdeckt. Beispiele wären hier Rumänien, Frankreich oder Deutschland.



Ein polnisches Magazin mit Baz auf dem Titel

H&M hat mein Bild für eine riesige Promo-Kampagne verwendet. Außerdem war ich in Serien wie Doctor Who, Blue Bloods – Crime Scene New York oder Blindspot zu sehen. Dazu kommen Werbungen für den neuen Mad Max-Film, Club-Plakate und Bücher wie Nico, Gang Life oder Expressing the Inner Wild. Und Spotify. Von diversen Magazinen und Online-Klamottenmarken will ich gar nicht erst anfangen.

Was ist das Schlimmste daran, wenn man einfach so an Werbefirmen verkauft und verheizt wird?
Auf einem Bild wurden die Tattoos auf meinen Fingerknöcheln zum Wort „GANG LIFE" umgeändert. Da musste ich mir auch einiges von Leute anhören, die dachten, dass ich die Gang-Kultur propagieren würde. So etwas könnte tatsächlich auch meine Möglichkeiten einschränken, in die USA zu reisen. Ich wurde auch schon angehalten und man hat sich meine Tätowierungen ganz genau angeschaut, um sicherzugehen, dass ich keiner Gang angehöre.



Für dieses Buch wurde Baz als Bandenmitglied dargestellt

Abgesehen davon, dass ich an diesen Fotos nichts verdiene und noch nicht mal mein Name genannt wird, finde ich vor allem den Verlust der kreativen Kontrolle besonders schlimm. Jeder kann sich einfach so mein Bild kaufen und nach Herzenslust verändern bzw. für alle möglichen Sachen verwenden.

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Müssen wir deiner Meinung nach die Urheberrechtsgesetze verändern, um verhindern zu können, dass so etwas auch jüngeren Leuten zustößt, die vielleicht noch leichtere Beute für skrupellose Fotografen sind?
Leider ist es in unserer Industrie heutzutage ganz normal, dass viele Fotografen junge, leichtgläubige Models ausnutzen. Ich war einfach zu naiv und habe die Verzichtserklärung einfach so unterschrieben, ohne mir der Konsequenzen bewusst zu sein. Ich musste es eben auf die harte Tour lernen.

Welchen Rat kannst du Leuten geben, die in die gleiche oder eine ähnliche Situation geraten sind?
Man sollte bei jeglicher Form der Verzichtserklärung total vorsichtig sein—vor allem bei unbezahlten Shootings. Ich stehe jetzt bei Agenturen unter Vertrag und mache nur noch bezahlte Aufträge. Verzichtserklärungen werden von mir, meiner Agentur und meinem Berater ganz genau durchgelesen.

In normalen Verzichtserklärungen steht eigentlich immer etwas drin, das es anderen Leuten eben nicht erlaubt, deine Fotos für kommerzielle Zwecke zu nutzen, ohne dich vorher darüber zu informieren. Bei iStock tritt man jedoch so ziemlich alle seine Rechte ab und lässt dem Fotografen quasi freie Hand.



Bei Pheed handelt es sich um eine Social-Networking-App, durch die du mit Reality-TV-Stars von damals in Kontakt treten kannst.

Hast du manchmal das Gefühl, dich in einer Art Paralleluniversum zu befinden, wo du einen bösen Zwilling hast?
[lacht] Ja! Das fasst das Ganze eigentlich ganz gut zusammen. Ich habe keine Kontrolle und kann einfach so überall auftauchen, böse Dinge tun und gar nichts davon mitbekommen.

Vielen Dank, Baz!