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Was wir von Donald Trump über Deutschland lernen können

Trumps jüngste Rede zeigt: Die Beziehung zwischen ihm und Merkel ist wie ein Autounfall, bei dem man nicht wegschauen kann
16.6.16

Foto: imago | Zuma Press

Donald Trump empört sich gerne. Über Latinos, Muslime, nicht unbedingt über den Ku-Klux-Klan. Gestern traf seine Empörung mal wieder Angela Merkel und Deutschland im Allgemeinen. Es passieren nämlich "fürchterliche Dinge" in Deutschland. Was diese fürchterlichen Dinge jetzt genau sein sollen, hat Trump leider nicht spezifiziert. Allerdings scheint die Kriminalität zu explodieren, Frauen sind generell nicht mehr sicher und gute, allerdings anonym bleibende Freunde von Trump, die ihm 20 Jahre lang erzählt haben, wie sehr sie Deutschland lieben, verlassen das Land jetzt fluchtartig. Und wer ist schuld? Angela Merkel natürlich. Und Flüchtlinge.

Donald Trump und Deutschland haben gemeinsame Geschichte. Trumps Großvater, Herr Trump Senior sozusagen, kommt aus Kallstadt in der Pfalz, einem Ort, aus dem auch der Gründer des Heinz-Ketchup-Imperiums stammt. Die Kallstadter selbst sind allerdings eher skeptisch, was den "Enkel der Stadt", Donald Trump, angeht. "Die Kallstadter mögen die Heinz' viel lieber, wahrscheinlich, weil sie das Produkt besser verstehen können", sagt Simone Wendel, Filmemacherin aus Kallstadt, die eine Doku über die US-amerikanischen Verbindungen ihres Heimatsorts gemacht hat.

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Trumps Beziehung zu Deutschland und vor allem zu Angela Merkel ist auch nicht ganz frei von Belastungen. Aber wenn eine Beziehung zerstört ist, denkt man oft nur noch an die schlimmen Zeiten, dabei gab es auch schöne Tage. Zum Beispiel damals, als Trump Merkel noch attestierte, die größte Führungspersönlichkeit der Welt zu sein.

Der Ärger im Paradies fing später an. Es hat was von GNTM, wenn man ganz ehrlich ist. Das Time-Magazin wählte Angela Merkel zur Person des Jahres 2015 und packte sie aufs Cover. Und das, obwohl doch jeder, und vor allem Donald Trump wusste, dass eigentlich Donald Trump die Person des Jahres, wenn nicht aller Jahre ist.

I told you @TIME Magazine would never pick me as person of the year despite being the big favorite They picked person who is ruining Germany
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) December 9, 2015

Bei soviel Ärger über diese dilettantische und niemals wiedergutzumachende Entscheidung von Time kann man durchaus mal den Überblick verlieren, was Städte und Länder und den ganzen Kleinkram angeht. Wenn Donald Trump sagt, Paris sei in Deutschland, dann ist Paris in Deutschland.

Man shot inside Paris police station. Just announced that terror threat is at highest level. Germany is a total mess-big crime. GET SMART!
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) January 7, 2016

Zumindest hat Trump kein Problem mit Belgien, dieser wunderschönen Stadt zwischen Deutschland und Frankreich.

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Belgium: Donald Trump's favorite "city."https://t.co/9ASLMhAbiF
— Hillary Clinton (@HillaryClinton) June 16, 2016

Das Merkel der Untergang Deutschlands ist, betont Trump spätestens seit dem Time-GAU. In einem Radiointerview sagte er, sie sei eine Katastrophe, und was sie Deutschland angetan habe, eine Schande.

Trump weiß auch genau, was als Nächstes passiert. Der Bürgerkrieg naht. Da ähnelt seine Zukunftsvisionen ganz jener der deutschen "Asylkritiker": Die Deutschen werden Aufstände anzetteln und Merkel absetzen. Mit Fackeln aus Time-Magazinen wird der empörte Mob durch die Straßen ziehen und Feuer am Kanzleramt legen. Oder am Élysée-Palast, mal sehen.

Aber Angela Merkel kann sich trösten, sie ist nicht die einzige Deutsche, die Trump nicht mehr mag. Heidi Klum ist ebenfalls im Club. Klums Sexyness verdiene nämlich nicht mehr zehn von zehn möglichen Punkten. Eines Trumps ist sie daher nicht mehr würdig.

Und weil jeder weiß, dass Heidi Klum immer Recht hat, halten wir es doch einfach mit ihr: May the best woman win!