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Wir haben bei der Pro-Faymann-Demo mit allen geredet, die dort waren

Unbekannte wollten Werner Faymann in schweren Stunden ihre Solidarität zeigen. Aber es kam alles ganz anders.

Fotos: Christoph Schattleitner / VICE Media

In den schwersten Stunden Werner Faymanns bekam der nunmehr ehemalige SPÖ-Chef Rückhalt. Zwar nicht von seiner Partei, aber—viel passender—von Unbekannten im Internet. Diese mobilisierten auf Facebook und Twitter für eine Pro-Faymann-Demo, um den Parteivorstand von den Qualitäten des Kanzlers zu überzeugen. Ganze 30 Leuten hatten zugesagt.

Alle anderen wollten nicht so recht an die Echtheit der Aktion glauben; Innenpolitik-Journalisten zeigten sich verwundert und Der Standard bezeichnete die Bewegung als "(Satire-)Account", obwohl die Organisatoren das mehrmals und vehement dementierten.

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Dass eine Demonstration für den damals noch amtierenden Bundeskanzler von fast allen für einen Witz gehalten wurde, sagt irgendwie auch einiges aus. Aber zurück.

Laut den Organisatoren, die anonym bleiben wollen, war die Demo jedenfalls echt und sollte auch tatsächlich stattfinden. Das bestätigten sie mir noch heute Vormittag via Facebook-Chat: "Die Sache ist dezentral organisiert, wir sind nur die 'Ideengeber'. Ab 13:30 Uhr ist Eintreffen. Wir denken, dass die Sache bis ca. 17:00 Uhr dauern wird. Sonst gibt's nix Genaueres. Ab dem Moment, wo die Vorstandsmitglieder eintreffen, werden wir friedlich demonstrieren."

Und so sah das dann wirklich um 13:30 Uhr aus:

Vor der SPÖ-Zentrale war niemand. Die MA 48, die eigentlich immer weiß, wann etwas zu Ende ist, kehrte den Platz. Werner Faymann war 40 Minuten davor zurückgetreten und die Pro-Faymann-Fraktion hatte die Demo kurzerhand abgesagt. Nur zwei Studenten (siehe Foto oben) hatten sich vor die SPÖ verirrt: "Wir waren gerade auf der Uni und wollten uns das nicht entgehen lassen. Wenn es Satire gewesen wäre, wär's lustig gewesen. Und wenn die Demo echt gewesen wär, wär's noch geiler gewesen", sagten sie. Die Polizei stand mit drei besetzten Vans und Absperrgittern bereit.

Aber auch nach dutzenden Minuten kam niemand. Ein Passant sagte im Vorbeigehen: "Seid's ihr zum Feiern da, oder was?" Einer tat genau das wirklich: Rudi Fußi, ehemaliges SPÖ-Mitglied und einer der lautesten Faymann-Kritiker, kam und bat mich, seinen Freudentanz vor dem SPÖ-Schild zu filmen. "Ich muss eine Party organisieren", sagte er dann im Weggehen.

Passt. — Rudi Fußi (@rudifussi)9. Mai 2016

Die Organisatoren der Demo waren leider nicht mehr für weitere Kommentare erreichbar, sondern zogen sich auf ein Bier in das Alte AKH zurück. "Können wir kurz reden?", fragte ich auf Facebook. Faymanns wohl letzte Unterstützer antworteten: "Lieber nicht."

Christoph auf Twitter: @Schattleitner