Die rumänische Adria

Im Sommer werden busseweise rumänische Touristen, unter ihnen viele erprobte jugendliche Kampftrinker, in den viel zu kleinen Ort Mamaia gekarrt, wo der Schnaps nur in Magnumflaschen serviert wird.

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Apr. 1 2013, 6:00am

Mamaia ist der bedeutendste Küstenort Rumäniens. Im Sommer werden busseweise rumänische Touristen, unter ihnen viele erprobte jugendliche Kampftrinker, in den viel zu kleinen Ort gekarrt, während er das übrige Jahr einer Geisterstadt ähnelt. Als Ort des Massentourismus existiert Mamaia quasi nur saisonal. Wer nicht zu Fuß gehen will oder kann—Schnaps wird hier nur in Magnumflaschen serviert—nimmt die Schweizer Hochseilbahn und kann sich die von Sonnencreme glänzenden Körper von oben ansehen. In welchem Stranddomizil gibt es sonst noch eine Seilbahn? Nirgends auf der Welt habe ich auf so kleiner Fläche so viele nackte Ärsche, strassbesetzte High-Heels und schlecht gestochene Tätowierungen gesehen. Das Partyzentrum ist das Kristal Beach, eine Disko im White-Cube-Style, mit harter Tür und heißen Tänzern. Reinkommen lohnt sich—der Vodka fließt in Strömen (wieder Magnumflaschen!), man „loungt“ auf silbernen Sesseln, und einen Indoor-Pool gibt es auch. Rihanna hätte ihren Spaß. Westlicher Lifestyle in hohen Dosen—es scheint, als wollten die rumänischen Touristen in rasender Geschwindigkeit aufholen, was ihnen jahrelang verwehrt wurde, wobei der Ort schon seit den 1960ern ein Anlaufziel für Touristen ist. Was kostet die Welt? Wäre Mamaia ein Song, wäre es „Mr. Saxobeat“—ein nervtötender Ohrwurm, der einem beim Hören die Schamesröte ins Gesicht treibt. Nichtsdestotrotz macht es verdammt Spaß, hier mit den gastfreundlichsten Menschen der Welt zu feiern—Rumänien ist ein Land, in das es sich zu reisen lohnt. Mamaia, du Eldorado des Party-Trash, du Paradies der Schwarzmeerküste: I love you.
 

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