Zu Besuch in den dreckigen WG-Zimmern von niederländischen Studentinnen
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Zu Besuch in den dreckigen WG-Zimmern von niederländischen Studentinnen

Wir waren bei fünf Chaotinnen zu Besuch, um zu sehen, in was für dreckigen Buden Studentinnen ihr Dasein fristen.
02 Dezember 2015, 10:51am

Studenten können extreme Drecksäue sein—Männer wie Frauen. Das Klischee vom sauberen Mädchenzimmer, in dem alles von Büchern bis Vibratoren nach Größe sortiert ist, ist eine riesige Lüge. Geschirrstapel, Kleiderberge und Haarklumpen im Ausguss sind Dinge, die rein gar nichts mit dem Geschlecht zu tun haben. Es sind die Dinge, mit denen sich Studierende gerne umgeben, zumal sie bisher nur das WG-Dasein kennen und somit noch nicht wirklich ziviliserte Menschen darstellen.

Nun hat der Fotograf Raymond van Mil fünf weibliche Dreckschleudern in den Niederlanden besucht, um ihre Zimmer zu dokumentieren und ihnen ein paar Fragen zu stellen. In Kürze werden hier ihre männlichen Pendants zu sehen sein.

Marlieke

VICE: Wird hier jemals saubergemacht?
Marlieke: Wir haben einen ausführlichen Putzplan. Es wird regelmäßig gemacht, aber auch mal vergessen. Das Bußgeld, das dann anfällt, wandert in den Bierkrug.

Ich sehe hier ein Kaninchen herumlaufen. Wo lebt, isst und kackt so ein Tier?
Das Kaninchen läuft im ganzen Haus rum. Er kackt und isst in seinem Käfig, der immer woanders steht. Es gibt zwei Mitbewohnerinnen, die sich die Kaninchen-Aufgaben teilen. Es gab mal ein zweites Kaninchen, aber das liegt jetzt draußen im Gebüsch vergraben.

Habt ihr auch manchmal unerwünschte Haustiere?
Nein. So ziemlich im ganzen Haus gibt es Mäuse, nur bei uns nicht. Es ist wirklich ein Rätsel.

Ilya

VICE: Was magst du weniger, Aufräumen oder Putzen?
Ilya: Aufräumen. Unordnung macht mir nicht so viel aus, aber wenn es dreckig ist, dann ist das schon unchillig.

Was ist die längste Zeit, die du dieselbe Bettwäsche benutzt hast?
Darauf achte ich eigentlich nicht so sehr. Ich glaube, vielleicht waren es drei Monate? Und wenn ich zwischendrin noch verreist bin, dann länger.

Das ist schon ziemlich versifft. Und Staubsaugerbeutel? Kauft ihr neue oder leert ihr die alten aus?
Bei mir fliegt meist noch irgendwo ein Vorrat herum, den ich dann benutze. Ich kann mich nicht erinnern, schon mal welche nachgekauft zu haben.

Merel

VICE: Du hast noch ein Zimmer in Rotterdam. Bietet das auch so einen Anblick?
Merel: Wenn in der Uni ein Abgabetermin auf mich zukommt, dann willst du da wirklich nicht Fuß reinsetzen. Naja, das kannst du dann eigentlich auch nicht. Du musst sehen, wo du überhaupt laufen kannst. Aber wenn gerade keine Frist abläuft, ist es eigentlich recht ordentlich.

Dieses Zimmer ist im Haus deiner Eltern—kommt deine Mutter manchmal rein?
Meist bleibt sie in der Tür stehen, wenn sie etwas will. Aber ich glaube, es kümmert sie nicht so sehr. Mein Vater sagt mir zehn Mal am Tag, ich soll aufräumen. Ich kriege sogar Anrufe deswegen, wenn ich gar nicht hier bin.

Was ist das Ekelhafteste, das dir hier je untergekommen ist?
Ich hatte mal einen Müllbeutel hier liegen lassen, als ich zu meiner Wohnung in Rotterdam gefahren bin. Als ich zurückkam, lag er immer noch da. Unten drunter war dann schon Schimmel auf dem Boden. Da hatte ich dann auch einen ziemlich Drang zu putzen, immerhin lag das eine Woche da. Ich habe danach einen Tisch über die Stelle gerückt.

Layla

VICE: Wie lange lässt du Essen stehen, geschweige denn Abwasch?
Layla: Das können zwei Tage sein, oder auch mal zwei Wochen, wenn es hier schon so schlimm aussieht, dass ich es vermeide, zu Hause zu sein.

Hast du oft mit Schimmel zu kämpfen?
Ich versuche aufzupassen, dass die Teller in meinem Zimmer möglichst frei von Resten sind. Die größte Gefahr geht eigentlich von halbvollen Kaffeethäferln aus, die ich stehen lasse, bis es kein sauberes Geschirr mehr gibt.

Was könnte dich dazu bewegen, dein Zimmer aufzuräumen?
Ob du es glaubst oder nicht, ich räume sogar wirklich oft auf. Es ist auch regelmäßig komplett aufgeräumt, sauber und schön. Ich kaufe Blumen und Kerzen, esse am Tisch und bin ganz bürgerlich. Dummerweise sieht es meist nach zwei Tagen schon wieder chaotisch aus, denn ich habe einfach nie Zeit dafür. Ich arbeite, komme heim, habe etwa eine Stunde, um zu essen und mich für den Abend vorzubereiten, und dann hetze ich schon zur Tür raus. Ich habe keine Zeit für Haushalt.

Frieda

VICE: Wie oft schaffst du in deinem Zimmer Ordnung?
Frieda: Sobald mir der Überblick fehlt—in meinem Zimmer und in meinem Kopf. Das kann ziemlich lange dauern.

Und die Bettwäsche, wird die auch mal gewaschen?
Wenn ich das Gefühl kriege, dass es sein sollte, also vielleicht einmal im Monat. Ich bin aber auch klein. Es dauert wirklich Stunden, bis ich alles erledigt habe und wieder darin schlafen kann.

Hast du jemals jemanden nicht mit nach Hause genommen, weil es so chaotisch war?
Nein. Wenn ich zu jemandem in die Wohnung käme, und es wäre unordentlich, würde ich auch nicht denken:„OK, ich bin dann mal weg!"