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Jeden Tag 4/20

Dieser Mann behauptet, seine Frau im Cannabis-Wahn umgebracht zu haben

Richard Kirks Anwalt sagt, dass sein Klient für den Mord an seiner Ehefrau nicht schuldig gesprochen werden sollte, weil er zum Tatzeitpunkt an Halluzinationen litt, die durch THC hervorgerufen worden seien.
20.3.15

Bild: bereitgestellt von NBC News9 Denver

13. März, ein Gerichtssaal in Denver: Richard Kirk plädierte im Bezug auf den vorsätzlichen Mord an seiner Ehefrau Kristina auf nicht schuldig. Er bestreitet gar nicht, sie getötet zu haben—Kirk erzählte dem Polizeibeamten, der ihn verhaftet hatte, ohne Aufforderung, dass er seine Frau getötet hätte. Kirks Anwälte argumentieren jedoch, dass ihn die legal erworbenen Hanf-Esswaren, die er vor dem Zwischenfall verspeist hatte, so unzurechnungsfähig gemacht haben, dass er für die Tat nicht verantwortlich gemacht werden kann.

Das erscheint selbst in einem Bundesstaat, der im Umgang mit legalisiertem Marihuana immer noch nicht ganz sicher ist, ziemlich viel Verantwortung zu sein, die man einem Produkt mit dem Namen Karma Kandy Orange Ginger zuschreibt. Laut dem VICE vorliegenden eidesstattlichen Durchsuchungsbericht stand die Süßigkeit auf einem Kassenzettel, der in der Mordnacht im Keller von Kirks Haus gefunden worden war.

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Troy Bisgard ist der Kriminalbeamte der Denver Mordkommission, der damals als erster am Tatort eintraf. Letztes Jahr gab er zu Protokoll, dass in Kirks Blut eine kleine Menge (genauere Angaben wurde nicht gemacht) THC festgestellt wurde. Er spekulierte jedoch nicht darüber, ob dieser Umstand beim Mord einen Rolle gespielt haben könnte.

Laut der eidesstattlichen Aussage wurden die Polizeibeamten am 14. April 2014 gegen 21:30 Uhr zum Haus der Kirks geschickt. Offiziell war das Ganze am Anfang noch ein Notruf wegen häuslichen Unfriedens: Kristine erzählte den Beamten am Telefon, dass ihr Ehemann über das Ende der Welt reden und sie anflehen würde, ihn zu erschießen. Dabei hielt er angeblich eine Waffe in der Hand, die sie normalerweise in einem Safe aufbewahrten. Kristine sagte dann weiter, dass ihr Mann Hanf-Esswaren konsumiert hätte. Sie glaubte, dass er halluzinieren und ihren drei Kindern so Angst machen würde. Am Ende des Notrufs stieß Kristina einen Schrei aus—dann herrschte nach einem mutmaßlichen Schuss Stille. Sie wurde um 21:58 Uhr am Tatort für tot erklärt.

In Artikeln der örtlichen Presse berichteten vergangenen Herbst Freunde des Paares davon, dass Richard schon mindestens sechs Wochen vor dem Mord Kristina gegenüber ausfallend geworden ist. Um diese Zeit herum fing er auch damit an, sein Gehalt nicht mehr auf das gemeinsame, sondern auf ein eigenes Privatkonto einzuzahlen. Außerdem ist von massiven Kreditkarten-Schulden die Rede. Zusätzlich dazu hat VICE noch öffentliche Unterlagen durchforstet und fand dabei heraus, dass die Steuerbehörde schon dreimal ein Pfandrecht angemeldet hatte, weil Kirk keine Steuern zahlte—die letzten beiden Male 2010. Laut einem Bericht von CBS aus dem letzten Jahr gab ein Kriminalbeamter zu Protokoll, dass Kristine eine Lebensversicherung in Höhe von 340.000 Dollar abgeschlossen hätte.

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Kurz gesagt: Es hat den Anschein, als habe es bei den Kirks genügend Zerwürfnisse gegeben, um für ein mögliches Motiv zu sorgen—das „Gras ist der Grund"-Argument könnte damit auch hinfällig sein. Es gibt jedoch auch Leute, die Kirks Marihuana-Verteidigungsstrategie in gewissem Maße als begründet ansehen. Karen Steinhauser, eine Rechtsanalytikerin aus Colorado, erzählte einem Vertreter der Presse, dass es schon Präzedenzfälle gebe, bei denen eine bestimmte Art Rausch als „alleinige Verteidigung gegen die Anklage" eingesetzt wurde.

„Wenn eine Substanz einen Effekt hervorruft, der so nicht erwartet wurde", sagte Steinhauser, „dann handelt es sich dabei um einen unfreiwilligen Rausch." Ein solches Szenario bedeutet vielleicht, dass Kirk nicht für den Mord an seiner Ehefrau verantwortlich gemacht werden würde.

Eine Auswahl an Hanf-Esswaren. Foto: nickolette | Wikicommons | CC BY 2.0

Aber wie wahrscheinlich ist es denn nun, dass das THC Kirk wirklich so aggressiv und nachteilig beeinträchtigt hat? Im Laufe des Jahres 2014, in dem der Verkauf, Erwerb und Besitz von zur Entspannung dienendem Marihuana in Colorado legalisiert wurde, gingen beim Rocky Mountain Poison and Drug Center mindestens 56 Anrufe von Personen über 18 ein, die man mit Marihuana in Verbindung brachte. Dazu gab es noch mehrere prominente Fälle von Hanf-Esswaren, die vor allem für Angstzustände sorgten. Am bekanntesten war dabei wohl der 19 Jahre alte Austauschschüler Levy Pongi aus der Demokratischen Republik Kongo, der einen Cookie mit dem Sechsfachen der Standarddosis THC gegessen hatte und sich dann vom dritten Stock eines Hauses aus in den Tod gestürzt hat.

Als Folge von Pongis Tod und dem Mord an Kristine Kirk unterschrieb Barbara Brohl, die Leiterin des Colorado Departments of Revenue State Licensing Authority, im vergangenen Juli eine Reihe an Notgesetzen, die die Kennzeichnung und den Verkauf von Hanf-Esswaren regulieren. Diese Gesetze geben vor, dass eine „Portion" THC maximal zehn Milligramm betragen darf und alle Produkte, die mehr als eine Portion enthalten, entsprechend gekennzeichnet sein müssen. Richard Kirks Anwalt behauptet, dass Kirk vor dem Tod seiner Frau 100 Milligramm THC zu sich genommen hätte. Anders gesagt: Er hat eine Menge konsumiert, die jeden gewöhnlichen Kiffer komplett aus der Bahn werfen würde (über die Erfahrung, die Kirk vorher mit Marihuana und Esswaren gesammelt hatte, ist nichts bekannt).

Aber reicht diese Menge wirklich aus, um Kirk halluzinieren zu lassen, so wie es seine Frau kurz vor dem Mord behauptet hat? Dr. Cheryl Corcoran befasst sich mit biologischen Anzeichen von Risiko- und Krankheitsentwicklung bei Schizophrenie und schrieb in einem Artikel, dass Marihuana ungefähr bei einer von sieben Personen Halluzinationen hervorrufen kann. Das National Institute of Health sagt außerdem, dass zu viel Gras tatsächlich zu „akustischen Halluzinationen, paranoidem Verfolgungswahn, Depersonalisation, Derealisierung, Angstzuständen, Größenwahn und Reizbarkeit" führen kann.

Die offizielle Gerichtsverhandlung beginnt am 26. Oktober. Deren Ausgang wird jedoch kaum etwas am rechtlichen Status von legalem Marihuana in Colorado verändern—denn mit den Steuereinnahmen werden Schulprogramme zur Bekämpfung von Drogenmissbrauch unterstützt. Die ganze Sache könnte in den Bundesstaaten, in denen immer noch heftig über die Legalisierung debattiert wird, jedoch als gutes Gegenargument verwendet werden.