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Bis so guet

Halt die Fresse, Mann!

Du kannst mir hinterher pfeifen, du kannst mir Komplimente für meinen Arsch machen und du kannst sogar deinen Freunden erzählen, wie scharf du mich findest. Das tut mir nicht weh. Aber es nervt gewaltig!
6.2.14

Foto von Debbie Rottman

Ich weiss nicht genau, woran es liegt. Aber in letzter Zeit pfeift man(n) mir wieder vermehrt hinterher, bombardiert mich mit Sprüchen und macht anderweitige Avancen. Ich fühle mich teilweise in meine Teenager-Zeit zurückgeworfen. Damals fand ich das irgendwie noch cool. Nur, seit ich aus diesem Alter raus bin, ist es irgendwie nicht mehr dasselbe. In dem Alter, in dem man nach Bestätigung lechzt und ein „Schönen Rock trägst du heute." (wenn auch bestimmt nicht der Rock, sondern das darunter gemeint ist) einem die ganze Woche versüssen kann, ist man dank dem Hormoncocktail im Gehirn sowieso ziemlich bescheuert im Kopf.

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Heute sagt mir allerdings niemand mehr, wie schön mein Rock ist. Heute macht das paarungswillige Männchen auf dem Perron Richtung Partydestination schnalzende Geräusche, wenn ich vorbei gehe, um meine Absätze auf dem Asphalt zu imitieren. Heute befriedigen sich alte Männer im Zugabteil neben mir dezent durch ihre durchgesessenen Hosen und werfen mir ebenso dezente Blicke via spiegelndem Zugfenster zu. Und heute steckt man mir die Hand zwischen die Beine auf den Treppen von abgefuckten Clubs, wenn ich ein zuckersüsses „Ficken?“ höflich ablehne. Und davon habe ich die Nase gestrichen voll!

Foto von Michael

Eigentlich bin ich nicht so. Eigentlich konnte und kann ich das immer ganz gut ab, wenn mir Halbwüchsige irgendwelchen Schwachsinn hinterher rufen. Und es hat mich auch nie richtig gestört, solange es bei Sprüchen blieb. Eigentlich ist mein Ego gross genug euch allen den Arsch aufzureissen. Es hat mir eher geschmeichelt, als mir auf dem Pausenplatz in der Oberstufe gesagt wurde, ich werde bestimmt mal „e verdammt geili Frau, Mann“. Vielleicht hat es in den paar Sekunden des aneinander vorbeigehens einfach nicht gereicht für: „Du bist erstens unglaublich schön, hast zweitens Stil und drittens ganz bestimmt einen wunderbaren Geist. Das kann ich allerdings nicht beurteilen, weil ich dich nicht kenne und immer nur deinen Arsch anschaue, wenn du vorbei gehst. Aber ich wollte einfach irgend etwas sagen, also tschüss!“.

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Ich habe mich noch nie nur auf mein Äusseres reduziert gefühlt, wenn man mir Komplimente für mein Aussehen gemacht hat. Wenn man sich nicht kennt, ist das nun einmal das Einzige, worüber man etwas sagen kann, und wenn meinem Gegenüber gefällt, was er oder sie sieht, dann kann man auch ruhig etwas dazu sagen. Natürlich solange sich dieses etwas in einem anständigen Rahmen bewegt. Und wenn nicht, dann verdreh ich die Augen, zeig dem Typen den Finger und lauf weiter.

Dass ich mich dabei nicht wohl fühle und genau weiss, dass ich nur deshalb ein „Ey geiler Arsch!“ zu hören kriege, weil ich eine Frau bin, nervt! Es nervt, dass meine Mama mir einen Pfefferspray schenkt, weil sie Angst um mich hat, wenn ich abends alleine nach Hause laufe, und dass sie das nur hat, weil ich eine Frau bin! Ich kann anziehen, was ich will. Auch in Leggings und Parka kriege ich noch etwas Dummes hinterher gerufen. Dass es Männer gibt, die Frauen offensichtlich als Objekt sehen, mit dem man machen kann, was man will, wurde jüngst auf Twitter unter dem berühmten #aufschrei zusammengefasst. Der zeigt, dass es vielen Frauen genauso geht. Dass es viele noch schlimmer trifft.

Verdammt nochmal, schon nur, dass meine beste Freundin keine Kleidchen mehr trägt, wenn sie weiss, dass sie am Abend alleine auf den Bus muss, weil das bisschen Bein in Strumpfhose garantiert für irgendeinen Typen eine Einladung darstellt, ist inakzeptabel. Wir sollten uns doch anziehen können, wie wir wollen, ohne uns danach Gedanken machen zu müssen, ob wir mit unserem Outfit ein bestimmtes Verhalten provoziert haben. Slut shaming, kännsch?

Bild von Gecko

Dass es leider noch schlimmer geht, zeigt die self-made Doku Femme de la Rue, gefilmt von der belgischen Studentin Sofie Peeters. Sofie filmt mit einer Handkamera, wie sie am helllichten Tag auf der Strasse angemacht, belästigt und als Hure beschimpft wird, weil sie alle Anmachen höflich ablehnt. Naja gut, sie trägt ja auch ein Kleidchen. Ich meinerseits habe jetzt ganz viele Fragen an euch, liebe Leser. Was muss passieren, damit ich mich als Frau wieder sicher fühle, wenn ich im engen Rock die Langstrasse entlanglaufe? Und wie können wir einander helfen?

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Und vor allem: Wie kontert ihr? Lasst uns eine Liste zusammenstellen. Eine Liste mit möglichen Reaktionen auf unerwünschten Körperkontakt, auf blöde Sprüche, die kilometerweit unter die Gürtellinie zielen. Go!

Um uns zu beweisen, dass sich selbst am Wochenende nicht immer alles nur um Sex drehen muss, haben wir einiges für euch ausgeheckt:

Am Donnerstag gibt es zuerst zwei Möglichkeiten: Entweder wir heben ab mit Der Goalie bin Ig im Riff Raff oder wir bleiben wir am (Tanz)Boden mit Stay grounded in der Bagatelle. Falls euch das zu fad ist, gibt es Bühnenexplosionen im Gaswerk.

Freitags starten wir mit den schlechtesten Filmen aller Zeiten im Palace, verschmelzen mit Raum und Zeit in der Rampe, öffnen unsere Herzen im Grand Palais, machens Grundverschieden in der Kiste oder gebens uns Deep Drone im Hirscheneck. Und zum Höhepunkt kommen wir im 8 Jahre Hive.

Am Samstag stürzen wir uns in die Abgründe der Selbstvermaledeiung an der Dark Gothic Hourglass Party im Kiff. Und weil wir schon gerade in der Nähe sind, geben wir uns das [Finale des One of a Million Festivals](http:// http://www.royalbaden.ch/Wordpress/?cat=3), zB. im Royal.

Den Sonntag beginnen wir afternd in der after Manege im Revier. Und weil wir noch so müde sind, haben wir eine Schildkrötenwut im Xenix. Um einmal richtig auszuspannen, geben wir uns noch sphärischen Nordic Pop im Treibhaus oder [Backgammon und Liebe](http:// http://brasserie-lorraine.ch/) in der Brass.

Am Montag sind wir fit und lustig und bereit für Comedy in der Zukunft, the Little Mammoths in der Gewerbehalle oder für Sinnesrausch mit Amer im Stadtkino Basel.

Dienstags lauschen wir entweder visuell mit the echoes return slow in der Galerie Brigitte Weiss oder genussvoll mit tuesday nights live im Henrici.

Und am Mittwoch schliesslich heisst es  mit Daniel Ryser im Rössli.