Sex

Deutsche sind unhygienisch, haben seltsam Sex und sind erst im Alter richtig glücklich

Eine neue Studie will Aufschluss darüber geben, wie die Deutschen „ticken". Wir haben die gruseligsten und aufschlussreichsten Ergebnisse gesammelt.

von Lisa Ludwig
10 August 2015, 1:28pm

Screenshot aus Video: KIZ - Ich bin Adolf Hitler

Hitler (25 Prozent) steht der Studie zufolge weniger für Deutschland als Willy Brandt (30 Prozent)—schlägt dafür aber knapp die Currywurst (24 Prozent).

Deutschland, du stolze Nation, du wunderschöne Wirtschaftsmacht, du wurstproduzierende Heimat für Millionen. Was wissen wir eigentlich über dich, außer ein paar geologischen, wirtschaftlichen und politischen Eckdaten? Scheinbar nicht genug. Für das Buch Wie wir Deutschen ticken befragte der Mathematiker und Autor Christoph Drösser (u.a. ZEIT Wissen) in Zusammenarbeit mit YouGov zwischen September 2014 und April 2015 in insgesamt 80 Erhebungen 1.000 Deutsche unter anderem zu Liebe, Politik, Lebenssituation, Arbeit, Familie und Zukunft. Herausgekommen ist dabei ein durchaus interessantes Bild der Republik, das einen mitunter aber auch etwas erschüttern kann. Wir haben die spannendsten und abgründigsten Ergebnisse für euch zusammengestellt—schließlich wissen wir jetzt, dass Sachbücher nicht gerade des Deutschen liebste Literaturform ist.

Nur 82 Prozent wechseln täglich ihre Unterwäsche

Es gibt so ein paar Dinge, die man tun muss, um als Teil dieser Gesellschaft existieren zu dürfen. Grundregeln quasi, ohne die man sein Recht verwirkt, am öffentlichen Leben teilzunehmen. Dazu gehört beispielsweise, keine stark riechenden Lebensmittel in öffentlichen Verkehrsmitteln zu essen, Menschen nicht anzusprechen, wenn sie nachdenklich aus dem Fenster starren und über Kopfhörer todesdepressive Musik hören, oder—und das ist sehr, sehr wichtig: zumindest rudimentärste Maßstäbe der täglichen Köperhygiene zu erfüllen. Glauben wir Wie wir Deutschen ticken scheitern ganze 18 Prozent an der wirklich einfachen Aufgabe, sich jeden Tag einen anderen Schlüpper anzuziehen. Kommt euch schon das Mittagessen hoch? Zu Recht. Ein Grund mehr, seinen Tinder-Account zu deaktivieren, Freunde.

21 Prozent hatten Sex mit jemandem, den sie im nüchternen Zustand nicht attraktiv finden

Gut, so richtig gewichtig scheint diese Information im ersten Moment nicht zu sein. Wenn wir diese Zahl aber etwas sinken und all die Situationen Revue passieren lassen, in denen wir im Vollsuff irgendjemanden abgeschleppt haben, der sich danach nie wieder gemeldet hat, kann das doch die ein oder andere noch offene Frage beantworten, die uns nächtelang hat wach liegen lassen. Nächte, in denen wir uns nur eine Frage gestellt haben: WA-RUM? Gute Nachrichten: Ihr seid vielleicht gar nicht scheiße im Bett, langweilig oder riecht komisch. Ihr seid einfach nur unattraktiv und eurer Eroberung ist das erst aufgefallen, als sie am nächsten Morgen neben euch aufgewacht ist! Darauf noch ein Bier oder ein Glas Discounter-Wein! Wie 91 Prozent der Restdeutschen sollten wir uns nämlich sicher sein, dass unser Alkoholkonsum sich trotz mehrerer Drinks die Woche absolut im Rahmen bewegt.

Tampons sind ekliger als Hundescheiße

Wir haben an anderer Stelle schon mal erklärt, warum es eine ziemliche Unverschämtheit ist, wie affig sich viele Menschen (Männer) gegenüber dem Thema Menstruation gebärden. Nicht jeder ist Fan von den Körperausscheidungen fremder Leute, tatsächlich sollte man aber davon ausgehen, dass man als erwachsener Mensch nicht mehr entsetzt „Ih!" schreien muss, wenn einem ins Gedächtnis gerufen wird, dass große Teile der weiblichen Bevölkerung jeden Monat Gegenstände in ihre Vagina stopfen müssen, um nicht ihre Garderobe (und diverse Sitzmöbel) vollzubluten. Weit gefehlt. Bei der Frage danach, was sie am ekligsten fänden, landeten „benutzte Tampons" mit 40 Prozent der Stimmen weit vor eiternden Wunden (30 Prozent) und Hundehaufen (29 Prozent).

Ebenfalls aufgebracht sein dürften an dieser Stelle auch Gourmets: Edelschimmelkäse landete mit 8 Prozent nur knapp hinter blutigen Pflastern (9 Prozent). Lecker.

Deutsche lügen gerne

Derartige Umfragen, egal in welchem Umfang sie getätigt werden und wie repräsentativ sie im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung sein mögen, haben immer ein ganz elementares Problem: Man weiß nicht, wie wahrheitsgemäß die Teilnehmer die Fragen beantworten. Manche möchten sich bestimmte Dinge nicht eingestehen, andere korrigieren ihre Angaben bewusst nach oben oder unten—und wieder andere lügen einfach, dass sich die Balken biegen. Wir WISSEN natürlich nicht, ob es sich bei folgenden Punkten um bewusste Falschaussagen handelt, andererseits sind diese Werte so abstrus, dass es einfach nicht wahr sein kann.

Während die 44 Prozent der befragten Frauen, die ausgesagt haben, gerne ihren Müll rauszubringen, vielleicht einfach überaus bemitleidenswerte Exemplare mit Putzzwang sein könnten, liegt auf der Hand, dass die 75 Prozent, die niemals eine verbotene Substanz genommen haben wollen, das ein oder andere Näschen/Sportzigarettchen unterschlagen haben. Auch fragwürdig? Dass nur 62 Prozent der Männer und 51 Prozent der Frauen sich ab und an mal in der Nase bohren. Wir sind Menschen, wir sind eklig, warum können wir nicht einfach dazu stehen?

Danach suchen Deutsche auf Amateurpornoseiten.

Apropos eklig: 16 Prozent (geschlechtsunspezifisch) gaben an, es „eklig" zu finden, wenn sich eine junge Frau auf der Straße nackt ausziehen würde. Was zum einen die Frage aufwirft, wie zur Hölle es dieser Punkt in eine repräsentative Umfrage zum Mindstate der Deutschen geschafft hat, und zum anderen nahelegt, dass es sich dabei um Männer gehandelt hat, die den Fragebogen unter gestrengem Blick ihrer alternden Gattinnen ausführen mussten. Unser absoluter Favorit unter den Teilnehmern sind allerdings die 4 Prozent, die angeben, Sex am häufigsten in der „Schubkarrenstellung" zu haben. Klar.

(Fast) niemand mag den FC Bayern

Die Deutschen lieben Fußball. Viele wahrscheinlich sogar mehr als ihren langjährigen Ehepartner oder ihr Erstgeborenes. Deswegen ist es zwar nicht weniger traurig, aber zumindest auch nicht überraschend, dass 55 Prozent der Befragten das Tor, das zum Sieg der deutschen Nationalmannschaft im WM-Finale führte, als einen „der schönsten Momente des Jahres 2014" bezeichneten. Wirklich interessant war im Themenfeld Fußball allerdings ein ganz anderes Thema, die Sympathie-Bewertung der einzelnen Bundesligavereine nämlich.

Das ziemlich eindeutige Ergebnis hierbei: der FC Bayern, die ewige und einsame Nummer Eins der ersten Liga, ist verhasst wie kein anderer Verein. 32 Prozent der Befragten bezeichneten den Stern des Südens als „unsympathisch"—das sind mehr Prozentpunkte als alle anderen Bundesligavereine (abzüglich Borussia Dortmunds) zusammen. Immerhin: Ein weiteres Feld, in dem die Konkurrenz dem FCB einfach nicht die Trinkflasche reichen kann.

Die BRD ist also kein souveräner Staat und wir haben keinen Friedensvertrag?

Alte, geschiedene Menschen sind am glücklichsten

Damit hatte wohl niemand gerechnet. Während die meisten von uns nach ewiger Jugend und perfekter Beziehung streben, lag das wirkliche Glück die ganze Zeit ganz woanders! Wirklich zufrieden und mit sich selbst im Reinen scheinen nämlich gerade die Leute zu sein, die aus welchen Gründen auch immer gerade eine Beziehung hinter sich gelassen haben und sich bereits in einem Alter befinden, in dem man den Glauben an Faltencreme und vitalisierende Smoothies zum Frühstück aufgegeben hat. Auf die Frage hin, ob sie sich am Morgen auf den Tag freuen würden, antworteten ganze 55 Prozent der Befragten, die getrennt lebend, verwitwet oder geschieden waren, mit „Ja". Bei den Menschen in Beziehungen blickte nur die Hälfte positiv nach vorne, bei den Singles waren es sogar nur 40 Prozent.

Das brutal ehrliche Reddit-AMA einer 92-jährigen NS-Zeitzeugin.

Das mag auch damit zusammenhängen, dass an anderer Stelle herausgefunden wurde, dass sich gerade junge Menschen überaus einsam fühlen. 38 Prozent der 18- bis 24-Jährigen und 35 Prozent der 25- bis 34-Jährigen gaben zu, häufiger als gewollt allein zu sein. Bei den Über-55-Jährigen waren es hingegen nur noch 13 Prozent. Was lernen wir daraus? Erst wenn die ganz große Liebe abgeflaut und die Haut nicht mehr ganz so straff ist, fängt das Leben erst richtig an.

Auch interessant: Der Studie zufolge wünschen sich mehr Männer (75) als Frauen (63) eine feste Partnerschaft. Wir können also endgültig damit aufhören, auf dem Klischee der überanhänglichen Alten rumzureiten, die bei jeder Art von sexueller Interaktion die Hochzeitsglocken läuten hört, HOLLYWOOD. (Genauere Informationen zur Anzahl an glücklichen, verrückten Katzenladys in Deutschland gab es übrigens nicht. Schade.)