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Vice Blog

Berufsberatung

24.8.10

Als Kind wolltest du Astronaut, Feuerwehrmann oder Darth Vader werden? Dann wurdest du solange mit Erziehung belästigt, bis du dich dieser klebrig-mittelmäßigen Meinungsdiktatur unterworfen hast und etwas albernes mit Kunst oder Geisteswissenschaften studiert hast. Nun musst du feststellen, dass die Annahme, dass du damit als Erwachsener Geld verdienen würdest und eventuell Spaß haben könntest, vollkommen falsch war. Jetzt sieht dein Arbeitstag so aus, dass du mit deinem eingefrorenen Gesichtsausdruck Facebook und Youtube penetrierst, um deinen Arbeitskollegen einen Funken geistiger Aktivität vorzutäuschen. Währenddessen mutiert deine Gehirnmasse zu einem zähen Brei. Zusätzlich verfettest du und die Anzahl deiner Freunde im wirklichen Leben liegt bei Null (Eltern und Geschwister zählen nicht).

Aber vielleicht täusche ich mich und du hast gar kein Arbeitsleben, denn du bist immer noch auf der Suche nach einer perfekten Beschäftigung, während du deine Lebenszeit mit stumpfsinnigen Messe,- und Promotionjobs verplemperst. Oder  du wartest, ausgerüstet mit deinem Mac-Book, in den Cafes deiner Heimatstadt auf eine kreative Erleuchtung.

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Wie auch immer, jetzt ist es höchste Zeit sich dieser alternativen Jobsuche zu widmen, die ich voller Fleiß während meiner Arbeitszeit für dich zusammengestellt habe.

Holzdetektiv(in): Eignet sich super für Naturschützer ohne Moral und all die, die durch ihr Chemie-, Biochemie oder Germanistikstudium durchgefallen sind. Oder sich im 27. Semester befinden und eigentlich gar nicht mehr genau wissen, für welches Fach sie sich eingeschrieben haben. Ausgerüstet mit einem Mikroskop könnt ihr als Holzdetektiv(in) überprüfen, ob der Mahagonitisch, den ihr euch übrigens niemals werdet leisten können, wirklich aus Mahagoni oder einem billigen Holzimitat besteht. Dabei dürft ihr sogar einen weißen Kittel tragen, was sich bei Erstsemester-Medizinpartys für euer Sexualleben als vorteilhaft erweisen könnte. Vorausgesetzt ihr könnt eure wahre Identität verbergen.

Knopfmacher(in): Mode,- Design, -Kunst,- und Grafikstudent(inn)en aufgepasst: Nach dem ihr unzählige Praktika in dunklen Kellerräumen von Vivien Westwood und John Galliano absolviert habt, bei denen ihr den Raum nach 15 Arbeitsstunden nur rückwärts verlassen durftet, habe ich den ultimativen Job für euch: Knopfmacher(in). Hört sich wenig vielversprechend an, ist aber der absolute Jackpot, wenn ihr auf Knöpfe steht (offensichtlich). Ihr könnt so viele Knöpfe entwerfen wie ihr wollt. Auch bei den Formen gibt es eine unendliche Vielfalt: Rund, Quadratisch, Sternchenförmig, Blumenförmig, Penisförmig… Ihr habt zwar umsonst studiert, dafür euren Horizont erweitert, um nun als Geschmacksdiktator(in) über das unendliche Universum der Knöpfe zu herrschen.

Finno–Ugrist(in): Hört sich nach einer aristokratischen Geschlechtskrankheit oder einer neuen Teesorte an, ist aber in Wirklichkeit eine Wissenschaft, die sich mit der Sprache und Kultur der finnisch-ugrischen Völker beschäftigt. Hierzu zählen Länder wie Finnland, Estland und Ungarn. Habt ihr das gehört, arbeitslose Finnen, Estländer und Ungarn? Es gibt Arbeit für euch. Und wenn ihr fleißig seid, dann könnt ihr sogar an einer richtigen Universität in der Forschung und Lehre arbeiten, jede Menge Kohle verdienen und in euren Ländern neue Städte bauen. Wirklich, seht euch nur all diese Fachgebiete an, in denen ihr Karriere machen könnt.

Epithetiker(in): Liebe Zahnmedizinstudent(inn)en, wenn eure sadistische Ader nicht sonderlich ausgeprägt ist, oder ihr keinen Bock auf das ganze Blut und den Rotz habt, das beim Zähneziehen euren schönen weißen Kittel in ein Metzgeroutfit verwandelt, habe ich eine hübsche Alternative für euch.  Epitthetiker. Ihr könnt in kuscheligen Labors eurer Kreativität freien Lauf lassen. Und für Menschen neue Wangen, Nasen, Augen, Ohren oder Finger originalgetreu anfertigen. Wenn ihr Glück habt, dann wird es sogar eine neue Gesichtshälfte, die jemand bei einem Unfall verloren hat. Was ist also ein Zahn im Vergleich zu einem halben Gesicht?

Überprüft bitte vorher euere künstlerische Gabe, oder bleibt bei eueren Leisten. Ich meine Kauleisten.

Spaziergangwissenschaftler: Aber lasst doch den ganzen Scheiß und geht noch mal studieren. Spaziergangswissenschaften zum Beispiel. Im Fachjargon auch als Promenadologie bekannt. Dabei lernt ihr die urbane Welt mit neuen Augen zu sehen, was ihr in der Zeit der Eisenbahn, Billigfliegens und Google-Maps hoffnungslos verlernt habt. Danach könnt ihr Spaziergang als ultimative Waffe „zur Erforschung unserer täglichen Umwelt“ benutzen, was beim ausschweifenden Alkohol-, und Drogenkonsum hilfreich sein kann. Lässt sich übrigens auch auf interaktive Jobsuche in modernen Subkulturwelten anwenden.