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Rosa von Praunheim: New York Memories

Mich schockiert es immer wieder, mit welcher Selbstverständlichkeit Rosa von Praunheim dich in seine Vorstellungen vom Alltag schmeißt. Wie ein Neugeborenes, das nicht schwimmen kann und vom kommerziellen Kino verätzt, erhä...
1.7.10

Mich schockiert es immer wieder, mit welcher Selbstverständlichkeit Rosa von Praunheim dich in seine Vorstellungen vom Alltag schmeißt. Wie ein Neugeborenes, das nicht schwimmen kann und vom kommerziellen Kino verätzt, erhältst du exklusiven Zutritt in eine Welt, wie sie lebensnaher nicht sein könnte. Zumindest konnte ich das von seinem Mehrteiler Tote Schwule Lesben (der Titel sagt alles, es geht um Lesbenpornos) behaupten.

Wenn du nun geglaubt hast, es ginge um Lesbenpornos und deswegen weiter geklickt hast: Pech. Stattdessen geht es um seine neuste Produktion "New York Memoires".

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Klar, der Name des Films klingt arg schrullig, nach einer Bonus DVD zum langweiligen Manolo-Blani-Making-of von Sex And The City 2 vielleicht. Aber davon solltest du dich erstmal nicht täuschen lassen. Wieder schleift der Wahlberliner Praunheim sein Kamerateam durch die Pampa Manhattans, als wüsste er genau, wer da hinter der nächsten Ecke lauert. Dem nimmt er dann restlos die Schminke aus dem Gesicht und zeigt echte Menschen und deren Gedanken. Praunheim lässt seine Personen vor der Kamera vor allem das sagen, was sie zu sagen haben—und wohl auch das, was du hören willst. Nichts wirkt konstruiert, alles sehr echt und natürlich.

Und mal nebenbei bemerkt: Praunheim weiß selbstverständlich wer da hinter der Ecke lauert. Es sind die Protagonisten mit denen er vor 20(!) Jahren "Überleben in New York" gedreht hat. Somit wird die SATC 2 Hommage perfekt, seine Mädchen sind nicht mehr die jüngsten, die Partys nicht mehr die krassesten und alle Transsexuellen der 90er Jahre sind entweder geflohen oder an Aids gestorben. Auch Manhattan ist plötzlich scheiße, stellt man fest. Der entscheidende Unterschied zu Carrie fucking Bradshaw: Praunheim tut nicht so, als ob man die alten Zeiten nochmals aufleben lassen könnte (und wenn er es tut, dann nur aus Spaß)—Vergangenes bleibt vergangen. Das ist zwar traurig, wird dir hier aber unmissverständlich klar gemacht und das ist gut so.

Unterschätzen darf man auch nicht Praunheims Kameraeinstellungen und seine emotionsgeladenen Bilder. Um das zu verdeutlichen: erinnert sich noch jemand an Jay-Z's glitschige New York Hymne Empire State of Mind? Etwa zeitgleich kam Gil Scott-Herons LP I'm New Here raus—eine realistischere Abzeichnung dessen, was New York wirklich bedeutet, ein richtiges Gegenstück. Eben nicht nur Money, Fame and those fucking romantic City Lights, nein, auch Unschärfe, Gewalt und Tod. Mir hat Scott-Herons Darstellung damals besser gefallen. Wenn dir das ähnlich geht, sieh dir "New York Memoires" an. Wenn nicht, dann geh lieber in Sex And The City.

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Hier noch ein paar Screenshots:

Nicht im Bild: Mr Big. Aber wenn sich so ein Praunheim nun verdammt noch mal danach fühlt vier Frauen durch New York flanieren zu lassen, (die ja nun zugegebenermaßen schon ein wenig an diese Serie von HBO damals erinnern), dann zieht er das auch verdammt noch mal durch. Peinlich ist das sicher nicht.

This bodacious beast of a bresident Barack and his blackberry. Barack und alles andere worauf "die Amis" abfahren ist ständig präsent. Alle möglichen Klischees werden auf teils beängstigende Art und Weise bestätigt und du fühlst dich in manchen Momenten einfach nur, als ob dir jemand eine Packung Family Guy in die Fresse geballert hat.

New York Memories läuft am 15. Juli in Deutschlands Kinos an.