Menschen

Ein Luxus-Caterer erzählt von den ausgefallenen Wünschen seiner Gäste

"Essbares Gold geht immer."

von Giorgia Cannarella
05 Februar 2020, 10:02am

Illustration von Juta

Die Cateringfirma von Ernestos Familie bedient extrem wohlhabende Kunden, darunter einige der größten Luxusauto-Hersteller der Welt. Deswegen haben wir Ernestos Namen geändert. Hunderte versnobbte Gäste kulinarisch zufriedenzustellen, ist harte Arbeit und fordert penible Vorbereitungen. Dafür können die Caterer aber pro Kopf auch so viel verlangen wie ein Restaurant mit Michelin-Stern.

Luxus-Caterer haben zwei Arten von Kunden: Firmen und Hochzeitsgesellschaften. Die oberste Regel für üppige Firmen-Events lautet: Niemand ist wirklich zum Essen hier. Vielmehr ist das Menü vor allem dazu da, um richtig anzugeben. Manchmal laden Firmen mit Michelin-Stern ausgezeichnete Köche ein. Da so ein Firmenessen allerdings in der Regel nur eine gute Stunde dauert, müssen sich selbst die besten Köche aufs Wesentliche beschränken.

Und was kommt auf die Teller – Kaviar und Champagner satt? "Wir können nichts Schwieriges servieren", sagt Ernesto. Damit meint er nicht nur den Geschmack. Wenn man zum Beispiel Austern oder Schalentiere auftischt, und jemandem schlecht wird, werde das definitiv auf das Essen geschoben, sagt Ernesto. Also beschränkt man sich auf drei Grundzutaten: Rind, Kalbfleisch und Schwein. Manchmal gibt es auch Perlhuhn. Das ist laut Ernesto momentan in Italien sehr beliebt.


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Die Cateringfirma sei auch darauf vorbereitet, die Menüs bestimmten Diätvorgaben anzupassen wie Laktose- und Gluten-Unverträglichkeiten. Manchmal bekommt er aber auch etwas ungewöhnlichere Anfragen. Ein Typ meinte mal zu ihm, er würde keine Tiere essen, "die auf zwei Beinen gehen". Viele Menschen tun so, als seien sie gegen Zwiebeln allergisch, nur weil sie sie nicht mögen. Vermeintlich glutenintolerante Gäste trinken später Bier. Einige Zutaten sind jedoch zu riskant, um sie servieren. "Einmal hat uns ein berühmter Konditor einen Kuchen für 250 Personen gemacht", sagt Ernesto. "Leider waren Erdnüsse drin. Wir mussten alles wegschmeißen."

Viel wilder geht es bei Hochzeiten zu. Ernestos Familie arbeitet auch auf extravaganten Festen der internationalen Elite. Es sind vor allem wohlhabende britische, indische, libanesische und russische Paare, die am Comer See oder in der Toskana heiraten wollen. Die meisten wünschen sich dann auch italienische Weine und italienisches Essen, aber "alle wollen Champagner".

An eine Hochzeit erinnert sich Ernesto besonders. Er hatte "ein unfassbares, Over-the-Top-Büffet aufgefahren – mit Austern, Sushi und Meeresfrüchten". Aber niemand aß. Als er sich besorgt umschaute, fiel ihm auf, dass sich die Feier auf den Rasen verlagert hatte. Um den Dealer des frisch verheirateten Paares war ein Schneesturm ausgebrochen. Bei einer anderen Feier hatten Ernestos Kunden eine lebensgroße Eisstatue einer Frau bestellt. Der Bräutigam führte sie der versammelten Hochzeitsgesellschaft vor und "stellte unfassbare Sachen damit an".

Insgesamt sei das Essen bei Hochzeiten abwechslungsreicher als bei Firmenveranstaltungen. Am Ende gehe es aber immer darum zu zeigen, wie viel Geld man hat. "Essbares Gold geht immer", sagt Ernesto.

Manchmal wird sein Cateringservice auch darum gebeten, Essen nach religiösen Vorschriften zuzubereiten. Mit halal habe man nie ein Problem gehabt, koscheres Kochen für so viele Menschen könne aber kompliziert sein. "Du musst alle Zutaten in speziellen Läden kaufen und einen Rabbi buchen, der den Herd segnet."

Am Ende ist der Kunde aber immer König. Ernestos Familie versucht, auch die extravagantesten Wünsche zu erfüllen – solange die eigene Arbeit nicht darunter leidet. Einmal wünschte sich eine Hochzeitsgesellschaft, einen Schauspieler als Kellner zu verkleiden, der Chaos verursacht, rumkleckert und die Kleidung der Gäste einsaut. Das konnte Ernestos Familie nicht zulassen.

Die unangenehmsten Situationen sind allerdings immer Absagen auf die letzte Minute. "Einmal haben wir die Braut angerufen, weil wir den Bräutigam nicht erreichen konnten. Er hätte eigentlich die Zahl der Gäste bestätigen sollen", erinnert sich Ernesto. Aber auch die Frau konnte ihren zukünftigen Mann nicht erreichen. Kurz darauf sagte sie die Feier ab. Ein anderer Bräutigam sei einmal mit der besten Freundin der Braut getürmt. "Wir versuchen, die Kosten so gut wie möglich zu decken", sagt Ernesto, "aber wenn wir zig Kilo Pazifischen Kabeljau für dich bestellt haben, können wir den nicht einfach zurückschicken."

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