Montag war ein relativ lahmer Tag in Bengasi, also beschlossen ein paar Freunde und ich, an einer kleinen Zielübung teilzunehmen. Komischerweise ist es in Libyen schwieriger Kugeln zu finden, als Waffen zu bekommen. All das feierliche in-die-Wolken-Geballer hat die Preise für AK-47 Munition ganz ordentlich in die Höhe getrieben. Wenn du welche findest, kosten sie 2,5 Dinar pro Stück. FM-Kugeln (ein französisches Maschinengewehr bzw. Scharfschützengewehr) kosten nur einen Dinar pro Kugel und sind leichter zu bekommen – warum auch immer. Wir trafen uns vor der Wohnung eines Freundes, wo ein Mann in einer weißen Limousine auf uns wartete, um uns eine Waffe zu verkaufen. Er kam aus dem Auto und zeigte uns seine Ware. Auf dem Gewehrlauf saß ein rundes Magazin. Er beschloss, uns eine kleine Vorführung zu geben, indem er großzügig in den benachbarten Block schoss. Alle duckten sich und kicherten. Fidel schiss ihn dafür zusammen und der Typ begann noch mal eine Ladung abzufeuern.
Nachdem wir eine Waffe gekauft – und geladen hatten, fuhren wir zu einer Farm draußen vor der Stadt. Verwilderte Felder und mehrere Reihen zugewachsener Treibhäuser säumten beide Seiten der langen Zufahrt. Offensichtlich haben Libyens Bauern das Land bereits verlassen – alles ist verwahrlost. Ich dachte kurz, ich hätte einen Rasenmäher gehört – aber es waren ein paar Rebellen mit Maschinengewehren, die in einem Geländewagen mit der neuen Flagge, die sie hinter sich her flattern ließen, durch die Gegend heizten und in die Luft ballerten.
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Ich habe während meiner Zeit in Afghanistan nie eine Waffe abgefeuert. Ich kam mir vor wie ein unprofessioneller Jugendlicher – aber es macht Spaß. Waffen sind laut. Ich habe immer Ohrenstöpsel benutzt, wenn ich in in Afghanistan in einen Helikopter gestiegen bin. Ich rollte sie auseinander und stopfte sie in meine Ohren. Jetzt will ich diese Werkzeuge des Todes aber riechen und fühlen. Ich will auf Wasserflaschen schießen und ihnen dabei zusehen, wie sie platzen. Ich würde auch gern ein paar Autos eine Ladung verpassen und zusehen, wie das Glas zerspringt.
Wir reichten die Waffen hin und her – aber ich schaffte es nicht mal, irgendetwas zu treffen. Mein Freund traf sein Ziel fast immer. Ein kleines schwarzes Kind und ein älteres Kind in einer Sportjacke tauchten aus dem Nichts auf und lachten über meine Schießkünste. Dann traf ich eine Flasche und alle applaudierten. Die nächsten verfehlte ich aber wieder und meine Kugeln flogen über eine Mauer in einen benachbarten Hof.
Wie steht ein Pazifist zu Freizeit-Schießübungen? Wie steht ein Pazifist zu Gaddafi? Liebt er ihn zu Tode? Wen interessiert’s. Ich erlebe gerade wie spaßig es ist, eine Ladung Kugeln in die Luft zu jagen. Es lässt mich verstehen, warum die Rebellen so gerne wahllos in den Himmel feuern. Wir verbrauchten also all unsere Kugeln, fuhren zurück zum Hotel und versanken auf der Couch.
Zuvor auf Viceland erschienen:
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