Ich sprach gerade mit einem Journalisten während einer Pressekonferenz, als ein Fotograf vorbeilief und sagte: “Wir sollten uns richtig betrinken bevor das da drin losgeht.” Er bestätigte meinen Verdacht, dass man Veranstaltungen, die vom Revolutionsrat angesetzt waren, besser ausfallen lassen sollte.Ein Lieferwagen voller Vorräte fuhr in Richtung Front an uns vorbei. Vielleicht bedeutete das ein neues Führungskommando an der Frontlinie – vielleicht irgendwas in Richtung Ordnung und Disziplin. Auch wenn die Lieferung von Versorgungsgütern ein positives Zeichen war – ich hatte kein gutes Gefühl bei dem Gedanken, an die Front zu fahren. Aber andere Fototgrafen waren höchstwahrscheinlich auch dorthin unterwegs – die Rebellen würden sie mit “V”- Zeichen begrüßen und “Allah Akbar” rufen – und einige von ihnen würden sterben – ein paar Journalisten eventuell auch. Die ältere Journalistin entschied sich hinzufahren. Es war eine lange, gefährliche Tour für ein paar Fotos.
Die Alliierten hatten die Gaddafi-Loyalisten letzte Nacht in Misrata, in der Nähe von Brega angegriffen. Einige Soldaten kamen dabei um. Es ist noch unklar, ob es Gaddafi-Loyalisten oder verwirrte Rebellen waren, die auf die Alliierten geschossen hatten. Ich könnte es wissen wenn ich mehr fernsehen würde oder ab und zu mal zu einer Pressekonferenz gegangen wäre.
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In den vergangenen Tagen habe ich eine Menge Interviews geführt und bin ziellos durch Bengasi gefahren. Scheinbar passieren viele gute Sachen wenn man so vorgeht. Meine Regel ist, raus aus dem Hotel zu kommen – ich fand, solange ich es raus aus dem Hotel schaffte, würde ich schon was herausfinden.
Ich unterhielt mich mit Kids auf Quads, die einen Dinar dafür wollten, dass sie einen die Küstenstraße entlang fuhren. Sie sagten, ihre Crew bestünde aus 100 Leuten und sie würde nicht mehr zusammen fahren bis Gaddafi aus dem Weg geschafft war. “Das Wichtigste ist, vorwärts zu kommen – ich muss tun, was ich tun muss”, sagte der 16-jährige Abdul Hamid.
Autos quietschten an mir vorbei – ihre Fahrer machten Gebrauch von jedem bisschen Pferdestärke, das ihre Motoren hergaben. Das ist hier normal. Wir fuhren an einem Jungen vorbei, der ein Feuerzeug an eine Haarspraydose hielt. Er sah aus, als würde er ziellos durch die Stadt laufen. Wir kamen an einem hinkenden Mann vorbei, der so was ähnliches wie einen Druckverband um seinen blutigen Oberschenkel gebunden hatte. Es ergab keinen Sinn. Da war kein Autowrack- oder irgendein Anzeichen für Gewalt in der Nähe zu sehen. Nur dieser eine Mann mit unfassbar leidendem Gesichtsausdruck humpelte über das zugemüllte Feld und sammelte die Plastikflaschen aus dem Gras, während die Sonne auf ihn herunterbrannte. Er kam an den Straßenrand und war plötzlich verschwunden. Ich fragte mich, ob ich ihn mir eventuell nur eingebildet haben könnte.
Dann fuhren wir noch an einer anderen skurrilen Szene an einem provisorisch errichteten Checkpoint direkt an der Auffahrt zum Highway vorbei. Vier Kids mit einer Schrotflinte und einer Pistole. Warum auch nicht?
Zuvor auf Viceland erschienen:
EIN AUSFLUG NACH LIBYEN: PICKNICK IN BENGASI
EIN AUSFLUG NACH LIBYEN: RASANTE ZEITEN IN BENGASI
EIN AUSFLUG NACH LIBYEN: DER VOLLSTÄNDIGE RÜCKZUG
EIN AUSFLUG NACH LIBYEN: BLUT UND MONOTONIE IN AJDABIYA
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