Illegale Schwarzmärkte für Nuklearwaffen und sonstige Massenvernichtungswaffen habe ich schon oft im Fernsehen und in einschlägigen Kinofilmen kennengelernt. Wir haben uns sagen lassen, dass sich mit einer Kleinkaliber-Feuerwaffe weitaus mehr Menschen jährlich den Tod holen als durch irgendeine andere Art von Waffe und das auf einem legalen Weg. Und auf der Waffenmesse in Nürnberg darf man sich über die Neuerungen informieren.
In Bagdad kommt man einfach leichter an Waffen ran als an Alkohol und in Nord-Korea muss man sich nur mit dem Herrn Kim Jong-il gutstellen. Aber wo Gott verdammt bekommen die Bullen und sonstige Spezialeinheiten dieser waffenverrückten Welt ihre kranken Taser-Pistolen und dieses Pepper-Gel her, bei dem dir ein sadistisch veranlagter Mensch aus 7,5 Meteren Entfernung problemlos das halbe Gesicht wegätzen kann und du mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit nie wieder das Sonnenlicht erblicken wirst, und wer lässt sich so etwas überhaupt einfallen?
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Jedenfalls haben wir uns gedacht, wenn wir schon keine echten War Lords wie General Butt-Naked sind, können wir uns ja Mal bei der Waffenmesse in Nürnberg umsehen. Und ja die Typen, die dahin gehen, sind genauso wie ihr sie euch vorstellt.
Ich weiß nicht wieso aber als ich das eigentliche Messegelände betrat, musste ich daran denken, dass Gestern ja der Jahrestag vom Amoklauf in Winnenden war. Ehrlich gesagt fand ich das etwas absurd, dass sich direkt einen Tag nach der Trauerfeier die Gemeinschaft zu einem berauschenden Fest zusammenfindet um ihre Waffengeilheit zu zelebrieren. Überhaupt war das gesamte Messegelände wie ein riesengroßer Süßigkeitenstand auf einem Volksfest, wo man sich eine Papiertüte mit allem möglichen Süßkram voll machen kann und dann einfach nach Gewicht bezahlt, natürlich etwas gehobener und auf einem internationalem Niveau.
Also jetzt mal im Ernst, es waren wirklich alle Nationen vertreten, die man in irgendeiner Weise mit Krieg und Knarren so in Verbindung bringen kann. Da ich selbst Jude bin, hat mich der israelische Uzi-Stand besonders interessiert. Ich habe zwar später ein paar Israelis ausmachen können, diese sahen mir aber nicht suspekt genug aus um sie auszufragen, außerdem machten die alle einen sehr beschäftigten Eindruck. Und überhaupt war das Publikum aus ziemlich unterschiedlichen Bereichen zusammengekommen. Da haben wir die bayerischen Gebirgsjäger mit ihren strammen Waden, die sich eine neue Buchse für die Entenjagd aussuchen waren, samt falscher Ente, war ja auch alles zu haben auf den Ständen. Dann gab es da noch die glattrasierten Ungeheuer von Mann oder besser Maschinen, die sich für ihre private Sicherheitsfirma wie Blackwater, neues Inventar anschaffen wollten. Natürlich durfte die Schweizer Garde nicht fehlen, die kann man einfach nicht ernst nehmen, wenn man die so sieht. Und wer durfte bei so einer Veranstaltung nicht fehlen, natürlich die Polizei. Die waren einfach überall, hatte ich das Gefühl. Eigentlich bin ich es ja gewohnt ständig in Bayern kontrolliert zu werden und besonders an diesem Morgen waren meine Augen sehr lichtempfindlich, doch hier ist mein dämliches Grinsen kaum aufgefallen. Denn hier sind sie alle in ihrem Element und genießen den kalten Stahl in ihren Händen. Von Tod, Mord und sonstigen gewaltverherrlichenden Gedanken keine Spur, niemand macht den Eindruck auch nur ansatzweise einen Gedanken an das eigentliche Ziel dieser Produkte zu verschwenden. Und ja, auf eine bizarre Art und Weise ist es schon ein wirklich geiles Gefühl eine Pumpgun zu laden und zu hören wie der Mechanismus einrastet und alles klickt und klackt und dieses massive Ding in deinen unschuldigen Händen liegt und nur darauf wartet benutzt zu werden. Da verliert man sich schon schnell in seiner Phantasie, ganz ehrlich. Wer sich also kein Sportwagen leisten kann, um seine Männlichkeit zu demonstrieren, kann sich kurzerhand eine Smith & Wesson mit Schalldämpfer Kaliber 9mm zulegen. Dann werden ihm auch alle zu Füßen liegen, ob dann noch alles dran ist, ist die andere Frage.
Als ich also da so mit meiner neuen Penisverlängerung da stand und mich bemühte endlich diesen blöden Sicherungsschalter herunter zu drücken, damit ich mal in den Genuss komme, so einen Abzug zu betätigen.
Irgendwann kamen dann auch die tschechischen Waffenproduzenten an die Reihe. Das waren auch die einzigen mit den scharfen Mädels, die dabei waren ihr Waffengewinnspiel unter die Leute zu bringen. Komisch war, dass die alle kaum ein Wort Englisch konnten. Hebt sich also wieder auf.
Und nur so nebenbei, wenn ihr euch schon mal gefragt habt wo ein Teil der EU-Gelder hinfließt – ja genau, in die Förderung, die Förderung von Waffen! Die Europäische Union hat nämlich einen Fond für regionale Entwicklung eingerichtet unter dem Namen: Investition in die Zukunft. Damit werden also nicht nur die deutschen Milchbauern unterstützt sondern auch die Waffenproduzenten aus der Tschechoslowakei und das in einem sehr großen unbekanntem Umfang, wie es scheint. Von diesen Fördergeldern werden dann leichtbekleidete Mädels engagiert, die die produzierten Waffen unter die Leute bringen sollen.
Kurze Zeit später war ich dann viel zu fertig um mir den Rest auch noch reinzuziehen, außerdem haben die Leute mich mittlerweile angefangen zu nerven. Mein Fazit: Der einzige Unterschied zwischen einer legalen und illegalen Waffenmesse sind die kleinen extra Geschenke, die man so abgreifen kann. Ansonsten kann ich nur sagen, dass bei näherem Betrachten keiner der Beteiligten weiß, was er da eigentlich macht. Ich zitiere die Leiterin eines finnischen Munitionsstandes: „Ich weiß nicht an wen geliefert wird und ob die jeweiligen Regierungen darüber in Kenntnis gesetzt worden sind, ich mache nur das Marketing hier. Wenn Sie mehr wissen wollen, lesen Sie diese Broschüren!“
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