Diese Ecstasy-Pillen sind momentan besonders gefährlich

Graue "Audis", rosafarbene "Heineken", blaue Pilze, vor diesen und weiteren Pillen warnen aktuell europäische Forschungsinstitute besonders. Zwei sind extrem hoch dosiert, eine enthielt gar kein MDMA.

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16 November 2018, 11:08am

Pillenfotos: Checkit! | DIB+ | DIZ | Drogenarbeit Z6 | The Loop | Trimbos || Hintergründe, sofern nicht anders angegeben unter CC0

Es ist gar nicht so schwer, das Risiko beim Ecstasy-Konsum ein wenig zu senken: Alle drei Monate nur eine Viertel Pille nehmen, keinen Alkohol dazu trinken, dafür aber genug Wasser, wenn auch nicht zu viel, und davor und danach ausreichend schlafen. Doch viele tanzen stattdessen 48 Stunden auf mehreren Pillen durch, saufen exzessiv und ziehen zusätzlich noch andere Drogen. Der Mischkonsum von MDMA und Amphetamin ist einer der häufigsten in der Partyszene, sagt Philipp Weber vom Safer-Use-Programm Take Stuttgart. Speed unterdrückt Müdigkeit, Durst und Hunger und kostet weniger als die meisten anderen Drogen.

Aber Amphetamin dämpft die typische MDMA-Wirkung deutlich. Eine Überdosierung sei laut Weber beim Mischkonsum also noch wahrscheinlicher. "Da die stimulierenden Effekte beider Substanzen sich jedoch weiterhin voll entfalten, kann das zu einer Überlastung des Herz-Kreislauf-Systems führen." Grundsätzlich rät er Konsumierenden, nie mehr als eine Substanz zu nehmen.

Doch auch beim reinen Konsum von Ecstasy ist das Risiko hoch, zu viel zu nehmen. Denn man weiß nie, was drin ist in den Dingern. Darum fassen wir wöchentlich die Ergebnisse der Drug-Checking-Institute unserer Nachbarländer zusammen. Getestet wurden die Pillen von The Loop in Großbritannien, Eurotox in Belgien, dem niederländischen Trimbos Institut, "Checkit!" von der Suchthilfe Wien, Drogenarbeit Z6 in Innsbruck, Energy Control auf Mallorca, dem Drogeninformationszentrum der Stadt Zürich (DIZ) und der Drogeninfo Bern Plus (DIB+).

Die folgenden Pillenwarnungen wurden in den letzten sieben Tagen veröffentlicht. Alle Warnungen seit Mai dieses Jahres – einschließlich der neuen – haben wir in diesem Artikel zusammengefasst. Jede Pille ist entweder hoch oder extrem hoch dosiert, oder sie enthält gar kein oder nicht nur MDMA. Wenn eine Pille nicht gelistet ist, heißt das nicht, dass sie rein und niedrig dosiert ist. Der Artikel enthält zudem eine Reihe sogenannter Safer-Use-Regeln, um unnötige Risiken und mögliche Schäden durch Ecstasy-Konsum zu reduzieren. Wir erklären dort auch, warum wir überhaupt Pillenwarnungen veröffentlichen.

Die Seite pillen.sauberdrauf.com der bayerischen Drogenberatungsstelle mindzone und das Drug-Checking-Tool von saferparty.ch listen viele weitere und ältere Pillentests. Saferparty veröffentlichen im Laufe des Wochenendes regelmäßig zusätzlich neue Warnungen und Meldungen.

Die Pillenwarnungen der dritten November-Woche 2018

Rosafarbene "Heineken"

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Pillenfotos: Checkit! | DIB+ | DIZ | Drogenarbeit Z6 | The Loop | Trimbos || Hintergründe, sofern nicht anders angegeben unter CC0

Fast wöchentlich werden "Heineken"-Pillen zur Analyse gegeben. Eine solche Pille in Rosa enthielt im November in Innsbruck eine hohe Dosis von 184 Milligramm MDMA. In unserem Hauptartikel haben wir bereits problematische Pillen mit "Heineken"-Logo in vielen Farben gesammelt. Im Mai wurde eine rosafarbene "Heineken" von "Checkit!" auf eine extrem hohe Dosis von 238 Milligramm MDMA getestet.

Beigefarbener Affe "no hear"

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Auch wenn diese Pille süß aussieht, ist damit nicht zu spaßen. Ein beigefarbener Affe mit Herz-Augen aus der Reihe "no see, no hear, no speak" kam in Wien im November auf eine hohe Dosis von 146 Milligramm MDMA.

Beigefarbene "Philipp Plein"

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"Philipp Plein"-Pillen gehören zu den Pillen, die sehr oft zur Analyse gegeben werden. Eine beigefarbene "Philipp Plein", mit "PP" auf der einen und Totenkopf auf der anderen Seite, erreichte in Wien im November eine extrem hohe Dosis von 236 Milligramm MDMA. Ende Mai wurde eine solche Pille mit 282 Milligramm MDMA in Zürich zur Analyse gegeben.

Hellgrüne "Maybach"

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"Bugatti", "Rolls Royce" und "Maybach", Pillenproduzierende stehen auf Luxuskarren. Gleich zwei hellgrüne "Maybach" wurden in Bern Anfang November zur Analyse gebracht. Beide enthielten hohe Dosen von 127 und 158 Milligramm MDMA.

Grüne "Heineken"

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Eine grüne Pille mit "Heineken"-Logo tauchte im November in Österreich auf und wurde von den Forscher und Forscherinnen von "Checkit!" auf eine hohe Dosis von 125 Milligramm MDMA getestet. Grüne "Heineken" werden regelmäßig abgegeben und können extrem hohe Dosen bis zu 218 Milligramm MDMA enthalten.

Grüne "Superman"

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Superkräfte hat eine solche Pille nicht, aber einen gefährlich hohen MDMA-Wert von 166 Milligramm, wie das Wiener Drug-Checking-Institut herausfand. "Superman"-Pillen gibt es auch in rund. In einer roten Pille mit "Superman"-Logo steckten im Juni 199 Milligramm MDMA.

Grüne "xtc"

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Wenn "xtc" drauf steht, muss nicht xtc drin sein, aber in diesem Fall schon. Gleich drei grüne viereckige Pille mit "xtc"-Aufschrift wurden in Wien zum Test gegeben. Sie enthielten 169, 179 und 192 Milligramm MDMA, das sind hohe Dosen.

Blauer Pilz

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Eine blaue Pille in Form eines Pilzes, wie wir ihn von Super Mario kennen, wurde als unbekannt zur Analyse gebracht. "Checkit!" fand kein MDMA, dafür die psychedelische Substanz 5-MeO-MiPT. Der Stoff ist noch kaum erforscht und sein Konsum deshalb mit unberechenbaren Risiken verbunden.

Lilafarbener Affe "no hear"

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Eine Pille mit diesem Aussehen, wie wir sie als Emojis kennen, erreichte in Zürich Anfang November 178 Milligramm MDMA. Grün-gelbe "no hear, no see, no speak" enthielten in Belgien Mitte Juli mindestens 200 Milligramm MDMA – das sind extrem hohe Dosen.

Lilafarbener Dominostein

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Dominosteine in Lila mit verschiedenen Dosen sind keine Seltenheit in der Party-Szene. "Checkit!" analysierte eine solche hochdosierte Pille im November mit 148 Milligramm MDMA. Andere lilafarbene und rosafarbene Dominosteine kamen auf extrem hohe Dosen bis zu 324 Milligramm MDMA, wie ein Exemplar in Innsbruck im September.

Lilafarbene "FC Barcelona"

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Egal ob Fußballfan oder nicht, bei einer solchen Pille ist Vorsicht geboten. Eine lilafarbene Pille mit dem Logo des spanischen Fußballclubs "FC Barcelona" erreichte im Wiener Drug-Checking-Labor Anfang November 181 Milligramm MDMA, eine hohe Dosis. Bereits Anfang Juli testete das DIZ eine solche Pille auf 135 Milligramm MDMA.

Graue "Audi"

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Eine solche graue Pille mit den Audi-Ringen auf der einen und Audi-RS auf der anderen Seite wurde im November in der österreichischen Hauptstadt abgegeben. Sie enthielt eine extrem hohe Dosis von 230 Milligramm MDMA. Audi-Pillen zirkulieren bereits in Rosa und Lila mit extrem hohen MDMA-Dosen bis zu 319 Milligramm.

Wenn du schon einmal ambulant behandelt werden musstest, nachdem du Drogen genommen hast, (oder Freunde von dir) und du mit VICE über deine Erfahrung sprechen möchtest, erreichst du unseren Redakteur Thomas Vorreyer per E-Mail oder Twitter-DM.

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