Munchies

Erst flohen sie vor der syrischen Armee, jetzt machen sie Eis

Die Menschen, die das Kriegsgebiet verlassen, nehmen ihre Küche und ihre Traditionen überallhin mit. Und wenn die Geflüchteten Eis machen, dann klingt das so, als würden sie musizieren.
Foto: Sebastian Castelier

Mit einem lauten Geräusch landet ein riesiger Stößel in einem tiefen Metallbottich. Man denkt eher an einen Schmied, der mit Hammer und Amboss ein Stück glühend heißen Stahl zu einem Schwert formt. Doch auf dem Boden des Bottichs liegt eine weiße, amorphe Masse. Denn das hier ist keine Schmiede, sondern eine Eiscrememanufaktur. Und unter den geschickten Händen der Eismacher klingt das Schlagen auch nicht martialisch, sondern eher wie Musik.

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Unter den neugierigen Blicken der Kinder schlägt ein Angestellter des syrischen Eisladens Bakdash die Eismasse und macht dabei "Musik". So wird die Masse weich und kann den Kunden serviert werden | Alle Fotos von Sebastian Castelier

Der Mann mit dem Stößel in der Hand trägt ein weißes Polo-Hemd und eine weiße Haube auf dem Kopf und verpasst diesem weißen Etwas heftige gezielte Schläge. Schläge, die wie rhythmische Musik klingen und durch die sich ein aromatischer Duft im ganzen Laden verbreitet, der Duft nach Orchidee. Es erinnert an die Altstadt von Damaskus. Doch das bleibt eben nur eine Erinnerung, denn dieser Eisladen, das Bakdash, steht nicht in Syrien, sondern im benachbarten Jordanien.

Bei MUNCHIES erzählen Eismacher und Kunden des Bakdash, die vor dem Krieg geflohen sind, was dieses Eis für sie so besonders macht.