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Sex

Dein Freund braucht beim Sex immer ewig? Daran könnte es liegen

Ja, das Problem gibt es wirklich.

von Matthew Terrell
08 Januar 2018, 12:44pm

Foto: Pixabay | gemeinfrei

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Das Szenario: Dein Freund kennt haufenweise Popkulturreferenzen zu Erektionsstörungen und vorzeitigem Samenerguss, aber zu seinem persönlichen Problem gibt es kaum etwas: verzögerter Samenerguss. Er hat gemerkt, dass er beim Sex immer unglaublich lange braucht, um zum Orgasmus zu kommen – wenn er denn überhaupt ejakuliert.

Dein Freund versteht schon, dass Menschen generell gerne Sex mit jemandem haben, der "richtig lange kann". Gleichzeitig wird er den Eindruck aber nicht los, dass die Wenigsten sich darunter vorstellen, mitten im Akt eine kleine Snack- und Erfrischungspause einlegen zu müssen. Außerdem verbringt er den Großteil seiner sexuellen Erlebnisse mittlerweile damit, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob er dieses Mal körperlich überhaupt in der Lage ist, zum Orgasmus zu kommen oder nicht.

Die Fakten: Verzögerte Ejakulation könne eine ganze Reihe körperlicher und geistiger Ursachen haben, sagt Seth Cohen – Urologe und Dozent an der NYU Langone Health. "Studien haben gezeigt, dass sich in den USA das normale Zeitfenster für eine Ejakulation zwischen sieben und zehn Minuten sexueller Aktivität befindet. Bei verzögerter Ejakulation kann das vielleicht 15, 20 oder 30 Minuten dauern – oder man kann gar nicht ejakulieren."

Um an die Wurzel des Problems zu kommen, empfiehlt die Mayo Clinic Patienten, die Beschaffenheit des verzögerten Orgasmus zu spezifizieren. Dein Freund sollte sich darüber klar werden, ob seine Ejakulationsverzögerung schon immer besteht, also seit Eintritt in die Geschlechtsreife, oder erst mit der Zeit aufgetreten ist.

Des Weiteren sollte dein Freund sich darüber Gedanken machen, ob sein Problem ein Generelles ist – also bei jeder sexuellen Aktivität, unabhängig vom Partner auftritt – oder ein Situatives, das nur in bestimmten Situationen entsteht.


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"Ich würde nicht sagen, dass Ejakulationsverzögerung selten ist, aber sie tritt nicht so häufig auf wie vorzeitiger Samenerguss oder Erektionsstörungen", so Cohen. Eine gelegentliche Orgasmusverzögerung ist nichts Ungewöhnliches für Männer, problematisch werde es allerdings, wenn sie regelmäßig auftrete und eine körperliche Ursache infrage komme, erklärt er weiter. Eine Behandlung empfehle sich außerdem, wenn der Zustand beim Betroffenen oder dessen Partnerin psychischen Stress auslöst.

Was im schlimmsten Fall vorliegt: Eine neurologische Störung oder ernstzunehmende Verletzung könnte die Ursache für die verzögerte Ejakulation deines Freundes sein. "Wenn die Nerven, die in den Penis oder die Eichel gehen, von einer Verletzung oder einer Operation beeinträchtigt sind, oder es eine Unterbrechung in dem Nervengeflecht zum Penis gibt, dann kann eine Erektion im besten Fall OK sein. Die Empfindsamkeit selbst aber ist unter Umständen sehr eingeschränkt und genau die braucht man für den Ejakulationsreflex", sagt Cohen.

Eine weitere ernstzunehmende körperliche Ursache kann Testosteronmangel sein. "Abgesehen von der Beeinträchtigung der Ejakulationsfähigkeit können sich niedrige Testosteronwerte bei Männern generell negativ auf eine ganze Reihe von Bereichen auswirken: die hormonelle Entwicklung, Pubertät, das Wachstum der Hoden, die Libido, das Bedürfnis nach Intimität und die Qualität der Erektion", so Cohen.

Woran es wahrscheinlich liegt: Die latent ironische sexuelle Fehlfunktion deines Freundes ist wahrscheinlich psychosomatisch oder sie wird von Medikamenten verursacht. "Viele Antidepressiva – insbesondere Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) – erhöhen die Serotoninkonzentration im Gehirn", erklärt Cohen. "Höhere Serotoninkonzentrationen sind gut, weil sie die Symptome einer Depression abmildern. Gleichzeitig können diese Medikamente aber Libido und Lust vermindern und direkte Auswirkungen auf die Sexualität haben. Dazu gehören oftmals auch verzögerte Ejakulationen."

Tatsächlich werden SSRIs in den USA auch zur Behandlung von vorzeitigem Samenerguss verschrieben. Der Konsum von anderen Substanzen, legal oder illegal, kann ebenfalls die Fähigkeit des Gehirns beeinträchtigen, den Zeitpunkt für einen Orgasmus zu erkennen. "Egal ob Upper oder Downer, Drogen können die Neurochemie des Gehirns durcheinander bringen und definitiv auch die Ejakulation beeinflussen", sagt er.

Die psychische Verfassung einer Person während des Sex kann sich ebenfalls stark auf die Ejakulationsfähigkeit auswirken. Wenn dein Freund in der Vergangenheit eine negative sexuelle Erfahrung gemacht hat, kann das definitiv einen verzögerten Orgasmus verursachen. "Wenn man sehr ängstlich oder angespannt in der Gegenwart der Person ist, mit der man Sex hat, kann eine Ejakulation schwierig sein", sagt Cohen. "Wenn man sich große Sorgen um das eigene Abschneiden im Bett macht und zu viel darüber nachdenkt, kann ein Orgasmus schwer zu erreichen sein – oder man ejakuliert vielleicht zu früh."

Was dein Freund tun sollte: Dein Freund sollte zum Urologen gehen – auch wenn das Problem wahrscheinlich psychischer Natur ist. Auf diese Weise kann er mit einem Facharzt mögliche körperliche Ursachen wie einen Testosteronmangel oder eine Verletzung ausschließen.

"Wenn ein Patient mit diesem Problem zu uns kommt, gehen wir detailliert seine Krankenakte durch und schauen, ob er Antidepressiva nimmt, eine Operation in der Leistengegend hatte oder ob seine Prostata entfernt wurde", sagt Cohen. "Wir erstellen einen Hormonspiegel und wenn sich dieser außerhalb des Normalbereichs bewegt, schauen wir, wie wir die Testosteronkonzentration erhöhen können."

Wenn keine hormonelle Störung, keine physische Verletzung, Medikamente, Antidepressiva oder andere physische Zustände vorliegen, die eine verzögerte Ejakulation verursachen könnten, empfiehlt Cohen seinen Patienten eine Sexualtherapie.

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