Rechte flippen aus, weil die Stadt Zürich einen Mann namens "Jihad" einbürgern will

Vielleicht sollten sie einfach mal nachschlagen, was der Name eigentlich bedeutet.

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17 November 2017, 4:45am

Pass: Foto von eager | Flickr | CC-BY 2.0; Klingelschild von pixabay

Weil schon der offizielle deutsche Einbürgerungstest so wirr ist, als hätte ihn jemand aus einer Buchstabensuppe gebastelt, haben wir neulich einfach selbst einen verfasst. Doch auch bei unseren Schweizer Nachbarn geben sich die Behörden alle Mühe, die Einwanderungsbestimmungen so absurd wie möglich zu gestalten. Dieses Jahr machte dort bereits der Fall von Funda Yilmaz Schlagzeilen, die in der Schweiz geboren wurde, als Tochter türkischer Eltern: Als die inzwischen 25-Jährige bei der Befragung durch die Einbürgerungskommission sagte, dass sie bei Aldi einkauft, wurde ihr das als Unwille zur Integration ausgelegt – weil sie die lokalen Dorfbäcker und -Metzger nicht kenne. Erst nach großem medialen Hickhack gewährte der Einwohnerrat ihrer Heimatstadt Buchs im Aargau Funda doch noch den Schweizer Pass.


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Jetzt scheinen die Zeiten für einbürgerungswillige Ausländer in der Schweiz noch härter zu werden. Nicht nur Aldi kann dir zum Verhängnis werden, auch dein Name könnte Probleme machen. In einem Kommentar beschwert sich der stellvertretende Chefredakteur der Weltwoche Philipp Gut aktuell, dass "die Stadt Zürich einen staatenlosen Mann einbürgern will, der sich 'Jihad' (heiliger Krieg) nennt." Jihad A. lebe seit zwölf Jahren mit Frau und Kind in der Schweiz, schreibt 20 Minuten. Weil die Behörden aus Datenschutzgründen keine Details über den Mann rausgeben können, wettert Gut in seinem Kommentar gegen eben diese: "Dass die Verantwortlichen einen Jihad unbesehen zum Schweizer machen, bleibt in Zeiten des Terrors und der Einschleusung von Gewalttätern unter dem Deckmantel des Asyls unverständlich – und verantwortungslos."

In der – zugegeben nicht gerade repräsentativen aber doch erstaunlichen – 20 Minuten-Umfrage zeigen über die Hälfte der knapp 5.000 Befragten Verständnis für Guts Sorgen. Auch auf Twitter empören sich erste Anhänger der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei: Camille Lothe von der jungen SVP Zürich twittert "Geht’s noch?" und schiebt die Schuld der Ausländerpolitik der Stadtpräsidentin zu, während zwei SVP-Politiker bereits eine schriftliche Anfrage mit ganzen 17 Fragen – darunter solche wie, ob er den Namen selbst gewählt habe – an die Stadt Zürich gestellt haben.

Was Philipp Gut und die SVP wohl nicht wissen: Jihad ist in muslimischen Ländern ein gebräuchlicher und gewöhnlicher Name wie viele andere. Jihad bedeutet übersetzt soviel wie "sich bemühen" und kann auch für das persönliche Bemühen im Glauben stehen. Nach dem 11. September und des vermehrten Aufkommens des Begriffs Jihad als Bezeichnung für den Heiligen Krieg wurden verständlicherweise immer weniger Kinder so benannt. Trotzdem konnte sich Jihad A. aus Zürich seinen Namen genauso wenig aussuchen wie alle Kevins, die zu Beginn der 90er das Licht der Welt erblickten und sich heute Witze über ihren Vornamen anhören müssen. Schließlich ist auch nicht garantiert, dass der Weltwoche-Autor Phillip Gut immer Gutes tut, nur weil er Gut heißt.

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