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Munchies

"Sexy Bilder" von Frauen machen Männer hungrig auf Fleisch

Dieses Ergebnis einer aktuellen Studie hat aber nicht nur Folgen für die Werbeindustrie, sondern möglicherweise auch für die Umwelt.

von Bettina Makalintal
05 Februar 2019, 5:00am

Symbolfoto: Free-Photos | Pixabay | Public Domain

Ist Fleisch sexy? Keine Angst, in diesem Artikel geht es nicht um irgendwelche versauten Dinge, sondern um neue wissenschaftliche Forschungen aus Australien. Im Zuge einer Studie mit dem Fokus auf "sexuelle Motivation" sind ein Marketingforscher und eine Marketingforscherin zu dem Schluss gekommen, dass man die einleitende Frage bejahen kann. Wenn heterosexuelle Männer an Sex denken, haben sie auch ein größeres Verlangen nach Fleisch. Sie denken nämlich, dass sie dadurch begehrenswerter auf Frauen wirken.

Über 1.600 Männer und Frauen aus Australien, den USA und Großbritannien haben an der dreiteiligen Studie teilgenommen: Sie mussten sich im Namen der Wissenschaft zuerst "sexy Bilder" anschauen oder "romantische Situationen" vorstellen und dann zwischen Fleisch und fleischlosen Lebensmitteln entscheiden. Um die Variablen so gering wie möglich zu halten, konnten nur heterosexuelle und fleischessende Menschen Teil der Studie sein.

Hinter dem Ganzen stecken Eugene Y. Chan und Natalina Zlatevska, die an der Monash University in Melbourne beziehungsweise an der University of Technology Sydney Marketing unterrichten. Die beiden haben ihre Forschungsergebnisse in einem Artikel für die Fachzeitschrift Food Quality and Preference festgehalten.


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"Sexy Bilder" bedeutete in diesem Fall übrigens nicht direkt nackte Haut, sondern eher Fotos, die auch als Victoria's-Secret- oder alte Abercrombie-&-Fitch-Werbungen durchgehen könnten. Im ersten Teil der Studie schauten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen zuerst entweder diese sexy Bilder oder Landschaftsaufnahmen an und mussten sich dann entweder für normales oder veganes Beef Jerky entscheiden. Dabei kam heraus: Die Männer, die sexy Bilder gesehen hatten, griffen öfter zum richtigen Trockenfleisch als Männer, die nur Landschaften betrachtet hatten. Die Frauen hingegen entschieden sich nicht so häufig für Beef Jerky, selbst wenn sie sich die sexy Bilder angesehen hatten.

Beim zweiten und beim dritten Teil der Studie kam es zu ähnlichen Ergebnissen: Männer, die Teil eines "sexuellen Szenarios" gewesen waren, entschieden sich häufiger für Fleisch als Männer, die sich "harmlose" Bilder angeschaut oder vorgestellt hatten. Frauen wählten hingegen immer ungefähr gleich, ganz egal mit welchen Bildern sie sich beschäftigt hatten.

Unterm Strich kamen die Forscher in der Studie zu dem Ergebnis, dass Männer mehr Lust auf Fleisch haben, wenn sie an Sex denken. Grund dafür sollen evolutionäre Tendenzen sein: Da Männer mithilfe von Statussymbolen für potenzielle Geschlechtspartnerinnen begehrenswerter wirken wollen, bevorzugen sie Fleisch, wenn sie an die Fortpflanzung denken – Fleisch wird ja schon lange mit Stärke, Ansehen und Männlichkeit verbunden.

In Werbeanzeigen für Fleisch stehen oft Männlichkeit und Sexappeal im Vordergrund.

"Die Verbindung zwischen Fleisch und Ansehen ist in den evolutionären Konsumtrieben verwurzelt", sagte Zlatevska in einem Statement gegenüber der Website MedicalXpress. "Höhlenmenschen haben Fleisch gegessen, damit sie stark und gesund genug sind, um in ihren rauen Lebensbedingungen zu überleben. Zudem konsumierte der Adel früher Fleisch, weil das ein Zeichen des Reichtums war."

Dass sich Frauen nach den sexy Bildern weniger häufig für Fleisch entschieden, erklären sich die Forscher damit, dass Frauen weniger auf Ansehen und mehr auf Dinge wie Schönheit oder Gesundheit setzen, um bei Männern zu landen.

Da sowohl Chan als auch Zlatevska im Marketing-Bereich unterwegs sind, wissen die beiden direkt, was ihre Forschungsergebnisse für kulinarische Werbung bedeutet. In Werbeanzeigen für Fleisch stehen oft Männlichkeit und Sexappeal im Vordergrund. Dieser Umstand stärkt die Verbindung zwischen Fleisch, sozialem Ansehen und Begehrtheit. Deutlich wird das alles zum Beispiel in Kampagnen wie die vom Lebensmittelhersteller Kraft, in der anzügliche Wortspiele und sexuelle Andeutungen genutzt werden, um tiefgekühlte Fertiggerichte zu vermarkten.

"Unsere Forschungen deuten auf eine unbeabsichtigte Folge der sexy Werbungen von heute hin", schrieb Chan in einer Mail an MUNCHIES. "Sie regen auch den sexuellen Appetit der Leute an, was Männer häufiger zu Fleisch greifen lässt. Und das ist langfristig nicht nur schlecht für unsere Gesundheit, sondern auch für die Umwelt und die Nachhaltigkeit." Im Umkehrschluss bedeutet das: Werbeanzeigen, die Nachhaltigkeit oder niedrigeren Fleischkonsum mit Sexappeal vermarkten, haben möglicherweise den genau gegenteiligen Effekt. Die ganzen schlauen Marketing-Köpfe sollten sich demnach besser mal etwas Neues einfallen lassen.

Dieser Artikel ist zuerst bei MUNCHIES US erschienen.

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