Das Hyperreality Festival macht Wien zum besten Ort aller Welten
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Das Hyperreality Festival macht Wien zum besten Ort aller Welten

Am 24. Mai beginnt das Hyperreality Festival – warum ihr alle hingehen solltet.
23.5.17

Ein Wort, das du ab Beginn des gesellschaftlichen Wissens-Diktats (Kindergarten) fast täglich hörst, ist "Lernen". Wir sollen lernen, andere Kinder nicht zu hassen, nur weil sie uns Dinge wegnehmen, sollen lernen, dass der Daddy des mageren und mit Blut beschmierten Typs, der auf das Kreuz genagelt ist, uns alle erlösen wird. Wir sollen Sozialstrukturen lernen, die nicht an die Zeit angepasst sind. Wir sollen lernen, dass du als Frau nicht ins Pissoir pissen sollst. Wir sollen lernen, dass irgendwann der Prinz am Einhorn angeritten kommt und du den gefälligst heiraten sollst – vorausgesetzt du bist ein Mädchen. Weil das die Natur so wollte. Die Allgemeinheit will, dass du das lernst.

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Fick die Allgemeinheit. Schrei der Allgemeinheit ins Gesicht, dass du ihre Werte-Diktatur mit brennendem Dildo in der Hand verlernst und anfängst, zu reparieren, was viel zu lange falsch gelaufen ist. Was zur Hölle falsch gelaufen ist? Einem zu großen Teil der Menschen mangelt es an Empathie und einem Verständnis für Dinge, die nicht in ihre Lebenswelt passen. Rassismus, Sexismus und Chauvinismus sind die Folge und im Gegensatz zum Daddy des blutenden Kreuz-Jungen allgegenwärtig.


Das schönste Festival-Merch jemals, ever, findet ihr auch beim Hyperreality Festival:


Ein Ort, an dem du diese archaischen und überholten Gesellschaftsstrukturen vergessen und verlernen sollst, ist das Hyperreality Festival, das im Rahmen der Wiener Festwochen stattfinden wird. Ab morgen, dem 24. Mai wird das Festival im Schloss Neugebäude in Wien stattfinden. Was euch dort erwartet, sind eine urteilsfreie Sphäre, ein "paradigmenfreier Möglichkeitsraum", wie es das Festival selbst beschreibt.

Genau darum brauchen wir das Festival auch so sehr: In diesem utopischen Raum soll das versucht werden, woran die Realität immer wieder scheitert: Wir sind alle gleich. Hautfarbe, Geschlecht oder sexuelle Orientierung sind keine Unterscheidungsmerkmale. Dass wir hier von einem "utopischen Raum" sprechen müssen, weil die Menschheit das nicht auf die Reihe bekommt, zeigt, dass Konfrontation verdammt dringend notwendig ist.


Welche Showcases euch in den nächsten Tagen erwarten, könnt ihr hier nachlesen:

Wenn wir uns die Verkaufszahlen von Alben und die Gewinner gewisser sogenannter Musikpreise in Österreich ansehen oder – noch schlimmer – den politischen Trend, dann kann man folgenden Schluss ziehen: Der Mainstream ist ein menschenfeindliches Gebiet.

Deshalb ist die Kuratorin Marlene Engel, die ihr alle schon von den Bliss-Partys kennt, den Künstlern an einem Ort begegnet, der keine Nationen hat und keine Staatsgrenzen kennt: dem Internet. Dort haben sich subkulturelle Communitys gebildet, die der Clubkultur des 21. Jahrhunderts neue Strukturen geben will, sie mit fettem Strobo-Licht neu beleuchten will. Genre-Misfits (Misfits sage ich hier mit dem allergrößten Respekt) werden hier mit dem ursprünglichen Gedanken des Clubs eines Safe Place fusioniert und in Form von Showcases werden sie das Festival mitgestalten.

Für das Line-Up und überhaupt alles an diesem Festival gebührt Marlene Engel und allen, die daran mitgearbeitet haben, unser ewiger verdammter Respekt. Im Schloss Neugebäude könnt ihr in den nächsten Tagen unter anderem Carla dal Forno, Holly Herndon oder Tropic of Cancer, Forest Swords, Paula Temple, Alpha Tracks,Gnučči, Princess Nokia und KLITCLIQUE x FAUNA sehen. Das vollständige Line-Up des Festivals for Club Culture findet ihr hier. Ihr solltet alle hingehen, vorgegebene Strukturen verlernen, tanzend protestieren, bis euch diese großartige Zukunftsvision illuminiert hat und eure Geschlechter liquidieren.

Wir waren schon vorab beim Schloss Neugebäude und haben uns mit Marlene Engel, Klitclique, Fauna und Puneh Ansari unterhalten und battle-ax spielen gehört. Die komplette Doku zum Festival könnt ihr bald auf Noisey sehen.

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