Drogen

Geschichten von den seltsamsten Begegnungen mit Drogendealern

Drogen zu kaufen zählte noch nie zu den angenehmsten Erfahrungen im Leben. Manchmal bekommt der illegale Einkaufsbummel aber einen geradezu komödiantischen Dreh.
12.7.16
Foto: Eldad Carin

Seltsame Begegnungen mit Drogendealern gehören zum Drogennehmen wie Unterleibsschmerzen zur Menstruation. Im Gegensatz zu schmerzhaften Monatsblutungen ist der Kauf illegaler Substanzen allerdings eine freigewählte Entscheidung, die man für sein Leben trifft. Sieh es einfach als eine Spaßsteuer; eine notwendige, wenn auch unangenehme Erinnerung daran, dass du etwas Illegales tust, um es später dank des Highs wieder vergessen zu können. Drogen zu kaufen macht niemandem Spaß, aber manchmal kann sich selbst die profanste Kaufabwicklung in eine schwarze Komödie verwandeln. Vor diesem Hintergrund haben wir mit verschiedenen Leuten gesprochen, bei denen der illegale Drogenkauf ganz schrecklich schief gelaufen ist. Einer von vielen Gründen, sich das mit dem Drogenkonsum noch mal ganz genau zu überlegen.

Anzeige

Zara

Meine Freunde und ich wollten vor einem Festival noch Drogen kaufen. Also hab ich meinen alten Dealer zu mir nach Hause bestellt. Am Tag zuvor habe ich zufällig ein paar Drogentest-Kits bekommen, mit denen wir bei mir zu Hause rumgespielt haben. Wir probierten die Tests zum Spaß an dem beschissenen Kokain aus, das ich einen Monat zuvor bei irgendeinem anderem Dealer gekauft habe. Ich habe eine ganze Zeit lang nur furchtbares Zeug von irgendwelchen billigen Dealern bekommen, was auch der Grund war, warum wir wieder meinen alten Dealer angerufen haben.

Mehr lesen: „Don't drink, don't smoke, don't fuck": im Gespräch mit Straight Edgerinnen

Als er reinkam, habe ich sofort bemerkt, wie sein Blick auf die Drogentest-Kits fiel, die ich dummerweise gut sichtbar mitten auf dem Tisch habe liegen lassen. „Du traust mir wohl nicht, was?", fragte er. Der Typ war fast zwei Meter groß und gebaut wie ein verdammtes Backsteinhaus und alles, was ich zur Verteidigung hatte, war mein schmächtiger Freund Joe, der sich auf dem Sofa in Deckung gebracht hatte. Glücklicherweise war er aber nicht wirklich wütend. Stattdessen wollte er die Kits direkt selbst ausprobieren.

Es folgten 45 entsetzliche Minuten, in denen wir schweigend neben meinem Dealer am Tisch saßen und ihm dabei zusahen, wie er jede einzelne seiner Drogen—von Kokain, MDMA und Pillen bis hin zu 2CB und 2Cl—aus seiner Tasche zog und eine nach der anderen testete. Aber es ist nichts passiert und damit meine ich, es ist wirklich nichts passiert: Die Tests haben nicht mal ihre Farbe verändert, was darauf hingedeutet hätte, dass sie abgelaufen sind. Ich rang mir schließlich ein gezwungenes „Hahaha … Ich schätze, die Kits sind schlecht?" heraus.

Anzeige

Er gab mir trotzdem Rabatt. Deswegen war es am Ende eigentlich nicht ganz so schlimm.

Foto: tanjila ahmed | Flickr | CC BY 2.0

Bradley

Einmal bin ich zu dieser Kneipe in der Nähe meines Parks gegangen, um ein Päckchen Gras zu kaufen. Ein Auto, das dort stand, blinkte kurz und ich stieg ein. Ich gab dem Typen 25 Euro und er mir ein Päckchen Kokain, woraufhin wir anfingen zu diskutieren, ob ich ihm zu wenig Geld oder er mir das falsche Zeug gegeben hätte.

Er meinte „Heißt du wirklich Bradley?" und ich sagte „Bist du Ash?" Als ich bemerkte, dass ich im falschen Wagen saß, kam ein Typ aus dem Pub auf uns zugelaufen und klopfte an mein Fenster. Der Dealer und ich tauschten einen kurzen Blick aus. Er nickte und ich ließ das Fenster runter, nahm das Geld von dem Typen und gab ihm das Tütchen.

Danach bin ich quer über den Parkplatz gelaufen, um den Dealer zu suchen, mit dem ich eigentlich verabredet war und der scheinbar wütend weggefahren war, weil ich die Frechheit besessen hatte, acht Sekunden zu spät zu kommen.

Luna

Einmal hat mir mein Grasticker die gesamte Handlung von drei verschiedenen NSA-Dokumentationen erzählt, bevor er mir endlich das Gras gegeben hat.

Sarah

Ich war mit meinen Freundinnen beim Hideout-Festival in Kroatien. Wir haben fast das ganze Festival über nach einer Möglichkeit gesucht, Drogen zu kaufen und beschlossen, dass es wohl das Beste wäre, die abgefucktesten Leute im Club ausfindig zu machen und sie zu fragen, wo sie ihre Drogen herhatten. Schließlich hat uns so ein fertiger Typ eine Nummer gegeben. Also haben wir dort angerufen und der Dealer meinte: „Wir treffen uns unten am Hafen, wo die ganzen Partyboote anlegen."

Anzeige

Meine Freunde gingen los, um das Geld zu holen, aber ich hatte Angst, den Typ zu verpassen, weil wir uns auf dem Weg dorthin schon verlaufen hatten. Er hatte extra betont, dass wir „pünktlich am Hafen" sein sollten, deswegen ging ich schon vor und wartete bei den Booten. Es war 1 Uhr Nachts. Irgendwann fing dieser Typ vom Deck eines dieser großen zweistöckigen Boote an, mir zu winken. Ich fragte „Bist du Shawn [der Dealer]?" und er meinte nur „Ja!" und gab mir ein Zeichen, dass ich an Bord kommen sollte.

Eigentlich war mir klar, dass ich nicht auf das Boot von irgendeinem x-beliebigen Typen steigen sollte, aber meine Freunde waren nur 50 Meter entfernt, also dachte ich mir, dass sie mich auf alle Fälle schreien hören würden. Ich kletterte in den zweiten Stock des Bootes und folgte ihm über das Oberdeck. Einmal drehte er sich zu mir um, als wolle er mich warnen oder sowas, aber es war ziemlich dunkel und ich lief einfach unbekümmert weiter.

Mehr lesen: Wieso immer mehr Frauen Sex auf Drogen haben

Ein großer Fehler. So übersah ich nämlich, dass dort eigentlich zwei von diesen Doppeldecker-Schiffen nebeneinander standen—und ich ging buchstäblich über Bord. Ich fiel in die Lücke zwischen den beiden Booten (mindestens vier oder fünf Meter tief) und dachte mir nur: „Scheiße! Ich bin im Meer!"

Der Typ schaffte es nicht, mich wieder herauszuziehen, weil es so hoch war. Also verschwand er und ließ mich dort eine Weile allein, während ich im Dunkeln zwischen zwei riesigen Booten hin und her paddelte. Irgendwann kamen er und sein Freund zurück und zogen mich raus. Sie gaben mir ein Formel-1-Handtuch und die passende Kappe dazu. Als ich zurück zu meinen Freunden kam, fragten die nur: „Was ist denn mit dir passiert?" Wie sich herausstellte, waren die beiden nur die Crewmitglieder und keine Dealer. Wir haben dann noch fast den ganzen Abend lang mit ihnen getrunken.

Dan

Dieser Typ kam zu uns, weil wir Gras kaufen wollten und er fragte uns, ob er kurz unseren Tisch benutzen dürfte. Dann zog er einen riesigen Beutel Heroin und eine Waage aus der Tasche und fing an, es auf unserem Tisch abzuwiegen. Wir haben eindeutig zu viel Top Boy gesehen, weil wir einfach nur noch wie versteinert dastanden und dachten, dass jeden Moment die Bullen oder irgendwelche jamaikanischen Gangsterbosse bewaffnet durch die Tür stürmen und uns alle umlegen würden.