Wie die feministische Antwort auf rechte Männerbünde das Patriarchat beerdigt
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Wie die feministische Antwort auf rechte Männerbünde das Patriarchat beerdigt

Die Burschenschaft Hysteria hat am Sonntag einen Trauermarsch für das Patriarchat veranstaltet. Männern war die Teilnahme nur in Begleitung von Frauen und verschleiert erlaubt.
26.9.16

Am gestrigen Sonntag hielt die Burschenschaft Hysteria in der Prater Hauptallee in Wien einen „Totenmarsch in Gedenken an das Patriarchat" ab. Die Burschenschaft Hysteria ist die satirische und vor allem feministische, radikale Antwort auf deutschnationale Männerbünde: Sie eignet sich deren Traditionen an, kehrt sie ins krasse Gegenteil um und zeigt so, dass das Gedankengut von Burschenschaften nicht nur rechts, sondern auch extrem sexistisch ist. Ein wichtiger Punkt, der in der Diskussion um Burschenschaften in Österreich—und auch bei rechtspopulistischen Kräften in Deutschland—oftmals in Vergessenheit gerät.

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So fordert die Burschenschaft Hysteria zum Beispiel die Verlegung der Sphäre des Mannes in den privaten Bereich, forciert die weltweite Angleichung der Zyklen, die Einschränkung des Männerwahlrechts—vor allem auch in Hinsicht auf die Tatsache, dass Männer eher dazu neigen, rechts zu wählen—, und eine Amputation der Hoden bei heterosexuellem Geschlechtsverkehr, bei dem der Mann die Frau nicht zum Höhepunkt bringt. Allein durch diese Forderungen führt die Hysteria Anliegen rechter Männergruppierungen ad absurdum—und bietet eine Anlaufstelle für Frauen, die politisch aktiv werden wollen.

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In der Veranstaltungsbeschreibung zum Totenmarsch hieß es: „Es geht eine Welle der Trauer und Anteilnahme durch das Land, die Österreich in dieser Form und in dieser Intensität bisher nicht gekannt hat. Nach langem, schweren Leiden ist es an der Zeit, die entseelte Hülle des verblichenen Patriarchats feierlich zu Grabe zu tragen. Innig und ehrfürchtig hielten ihm seine geliebten Anhänger und Gefährten bis zu den letzten Atemzügen die Treue." Die Mitglieder der Burschenschaft Hysteria erschienen in Schwarz, ihre Jacken zierte das Hysteria-Logo—die Hyäne. Männer durften außerdem nur in Begleitung von Frauen am Trauerzug teilnehmen, es sei denn, sie waren verschleiert. Einige Männer sind dieser Aufforderung gefolgt, so auch unser Fotograf.

Alle Fotos: Christopher Glanzl

Die Hysteria marschierte etwa eineinhalb Stunden im Gleichschritt zum Trommelrhythmus und unter Begleitung der Polizei die Allee entlang. Immer wieder sangen die ‚Burschen' ihr Burschenschaftslied, erhoben ihre Hand zum Gruß und riefen „Heil Hysteria!". Gegendemonstranten waren bei der Veranstaltung nicht anwesend, die Hysteria zog jedoch die Blicke vieler Passanten und Passantinnen auf sich. Viele haben sich gefragt, was dieser „Aufmarsch der Rechten" denn solle und was diese im Gleichschritt marschierenden, jungen Frauen denn eigentlich genau wollen. Ihnen fehlte der Kontext und es fiel ihnen schwer, die Aktion der Hysteria ohne Hintergrundwissen einzuordnen. Erklärte man ihnen, was hier gerade passierte, schlug ihre Skepsis jedoch meist ziemlich schnell in Begeisterung um. Auf zum goldenen Matriarchat also, um es in den Worten der Aktivist_innen zu sagen.