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Donald Trump bekommt zweimal täglich einen Ordner voller positiver Meldungen über sich selbst

Intern wird das Ganze auch als "Propaganda-Dokument" bezeichnet.

von Alex Thompson
09 August 2017, 3:06pm

"Ist doch alles gut!" | Foto: imago | ZUMA Press

Seitdem Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist, wird im Weißen Haus zweimal am Tag ein spezieller Ordner zusammengestellt – zuerst gegen 9:30 Uhr und dann nochmals gegen 16:30 Uhr. Reince Priebus und Sean Spicer, der ehemalige Stabschef und der ehemalige Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, rissen sich beide um das Privileg, diesen 20 bis 25 Seiten umfassenden Ordner persönlich bei Donald Trump vorbeizubringen. Das sagen interne Quellen aus dem Weißen Haus.

Die vertraulichen Dokumente enthalten aber keine streng geheimen Informationen oder Neuigkeiten zu Gesetzesinitiativen. Im Ordner liegen Screenshots von positiven Einblendungen in Nachrichtensendungen, bewundernde Tweets, schmeichelnde Interview-Mitschriften, lobende News-Meldungen und manchmal sogar nur eine Sammlung mächtig wirkender TV-Bilder von Trump. So berichten es drei derzeitige und ehemalige Mitarbeiter des Weißen Hauses.

Ein Angestellter merkt an, dass es in den Monaten seit Trumps Amtseinführung nur ein einziges Feedback zu dem Ordner gegeben habe: "Er muss noch viel positiver sein." Aus diesem Grund bezeichne man das Ganze intern auch als das "Propaganda-Dokument".


Auch bei VICE: Sean Spicer glaubt wirklich, dass sich Donald Trump "klar und deutlich geäußert hat"


Die Zusammenstellung des Ordners beginnt im sogenannten "War Room" des Republican National Committee, in dem seit dem Wahlsieg der Republikaner zehn statt nur vier Leute arbeiten. Eine solche Zentrale hat oft die Aufgabe, die lokale und nationale Medienberichterstattung über die zugehörige Partei und deren Politiker zu verfolgen – egal ob nun in Zeitungen, im Fernsehen oder auf den Social-Media-Plattformen.

"Vielleicht ist es gut, wenn der Präsident zu Beginn seines Arbeitstages gute Laune hat"

Jeden Tag beginnen drei Angestellte um sechs Uhr früh damit, die Morgennachrichten von CNN, MSNBC und Fox News zu schauen, während sie gleichzeitig das Internet und die Tageszeitungen durchforsten. Alle 30 Minuten schicken sie dann Screenshots, Tweets, Nachrichtenartikel und Interview-Transkripte an das Kommunikationsbüro des Weißen Hauses.

Die Mitarbeiter dort sortieren die Informationen, senden Ausschnitte an andere Amtsträger und leiten wohlwollende Überschriften an eine Liste von Journalisten weiter. Die positivsten Meldungen werden außerdem für den Präsidenten in besagtem Ordner gesammelt. Und wenn es mal nicht genügend Material gibt, dann bitten die Mitarbeiter des Weißen Hauses den War Room einfach um schmeichelhafte Fotos von Donald Trump.

"Vielleicht ist es gut, wenn der Präsident zu Beginn seines Arbeitstages gute Laune hat", sagte ein ehemaliges Mitglied des Republican National Committee mal.

Gegenüber VICE News äußerte sich Sean Spicer folgendermaßen: "Zu den Dingen, die wir dem Präsidenten vorlegen, sage ich an dieser Stelle nichts. Der Sinn des Ordners wird jedoch auf mehreren Ebenen falsch dargestellt", schrieb er in einer Mail. Auf die Frage, was genau falsch dargestellt werde, antwortete er nicht.

"Wenn wir Obama eine solche Übersicht zusammengestellt hätten, wäre er aus dem Lachen nicht mehr herausgekommen."

Natürlich ist es ganz normal, dass eine Regierung die mediale Berichterstattung im Auge behält. Unter der Obama-Regierung hat es ebenfalls drei Mitarbeiter gegeben, die Twitter, Online-Publikationen, Printmedien und Fernsehen immer im Blick hatten und dann für das Weiße Haus relevante Ausschnitte zusammenstellten.

Aber ein Ordner mit ausschließlich positiven Nachrichten, an dem das Republican National Committee mitwirkt, kommt ehemaligen Mitarbeitern des Weißen Hauses komisch vor. "Wenn wir Obama eine solche Übersicht zusammengestellt hätten, wäre er aus dem Lachen nicht mehr herausgekommen", sagt David Axelrod, der während der ersten beiden Amtsjahre des Ex-US-Präsidenten als dessen Berater fungierte.

"Das Republican National Committee wird natürlich alles dafür tun, um das Weiße Haus, die Regierung und die republikanischen Kongressmitglieder zu verteidigen. Die Arbeit des War Rooms kann die Vorgehensweise unseres Teams dabei mitbestimmen", erklärt Lindsay Jancek, die Pressesprecherin des Republican National Committee. Und dabei soll anscheinend auch der Ordner helfen.

"Weder Priebus noch Spicer befanden sich damals in einer guten Position. Sie wollten zeigen, dass sie für eine positive Berichterstattung sorgen können"

Einem derzeitigen Mitarbeiter des Weißen Hauses zufolge stammt die Idee für den täglichen Ego-Boost des Präsidenten von Priebus und Spicer selbst. Die beiden hätten sich immer darum gerissen, wer den Ordner überreichen darf. "Weder Priebus noch Spicer befanden sich damals in einer guten Position. Sie wollten zeigen, dass sie für eine positive Berichterstattung sorgen können", erklärt der Mitarbeiter die Entstehung dieser merkwürdigen Sammlung. "Das Ganze war für sie eine Art Selbstschutz."

Inzwischen sind Priebus und Spicer jedoch seit knapp zwei Wochen nicht mehr im Amt. Laut Angestellten des Weißen Hauses wird der Ordner deswegen nun nur noch unregelmäßig und quasi nur noch nach öffentlichen Auftritten Trumps zusammengestellt. Ob sich das wieder ändert, wird sich erst klären, wenn das Weiße Haus einen neuen Kommunikationsdirektor einstellt.

Dass Donald Trump gerne Gutes über sich hört, ist nichts Neues. So dankt er regelmäßig TV-Moderatoren wie Sean Hannity und Lou Dobbs oder den Hosts von Fox & Friends, wenn sie sich positiv über den US-Präsidenten äußern.

Und bei einem im Fernsehen übertragenen Treffen im Juni hörte Trump ganz selbstgefällig zu, als der Vizepräsident, der Stabschef des Weißen Hauses und fast alle anderen 15 Minister ihn in den höchsten Tönen lobten. Priebus nutzte den Anlass, um Trump zum Beispiel Folgendes zu sagen: "In Namen aller Anwesenden möchte ich Ihnen, Mr. President, dafür danken, dass Sie uns die Möglichkeit geben, für Ihre Absichten und für das amerikanische Volk einzutreten." Genutzt hat es ihm nichts.

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