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Video Games Killed the Radio Star

„Call of Duty: Black Ops III“ ist der ideale Shooter für Möchtegern-Rambos

„Call of Duty" ist immer noch das Crack der Videospielebranche. Eigentlich will man nicht, und trotzdem kommt man nicht davon los.

von John Robertson
07 November 2015, 2:10pm

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Es gibt eine Menge Dinge, zu denen ich eine Hassliebe habe: Star Wars, die „Craft Beer-Szene" und öffentliche Pissoirs. Aber Call of Duty schießt den Vogel ab. Konkurrenzlos. Egal wie sehr mich diese Games frustrieren, egal wie sehr mir beim Spielen danach ist, den Controller in den Fernseher zu schmeißen, ich kehre jedes Mal für die jährliche Neuauflage zurück. Und da machen sich Leute Gedanken, dass Käse so süchtig wie Crack macht? Wissenschaftler untersuchen die falschen Süchte.

Es sind die Multiplayer-Modi von COD, die schlaflose Nächte bereiten, und diese Stimme im Hinterkopf, die „nur noch ein Spiel" flüstert und dafür sorgt, dass du dich wie ein Hardcore-Killer-Junkie fühlst, komplett mit digitaler Knarre und krummen Fingern, weil man ständig die Analog-Sticks krallt.

Egal wie oft ich auf unerklärliche Weise von hinten erschossen wurde—von einem Kindergartenkind, das gelernt hat, wie man die Karte zwei Sekunden schneller als alle anderen überquert—, ich will mehr. Diesen Klugscheißer-Kindern muss ja schließlich eine Lektion erteilt werden. Was bringen Eltern ihren Kindern denn heutzutage schon bei, wenn nicht die Notwendigkeit, dass man älteren Menschen im Internet eine Chance geben muss, ihnen ins Gesicht zu schießen?

Die diesjährige Version von CoD, Black Ops III, bietet den üblichen Suchtfaktor, der diesmal aber auf anderen Wegen serviert wird. Die Schaufensterdekoration ist hier im futuristischen Stil gehalten, da das Game im Jahr 2065 spielt. Selbstständige Roboter, Jetpacks, optische Tarnung und eine intelligente Evolution der Predator-Drohne treten regelmäßig auf. Eine größere Auswirkung als die neuen Kriegsspielzeuge hat allerdings die Fähigkeit, vertikal Wände entlang zu rennen.

Man kann die Auswirkungen auf den Multiplayer-Modus nicht genug betonen. Anstatt die ewig langweilige Türöffnung auszuloten, kannst du jetzt deine Eier zwischen die Beine klemmen und entlang der Wand auf ein Fenster zu rennen, das in vorherigen CoDs nicht erreichbar gewesen wäre. Der Plan dabei ist es, die Gegner zu überraschen, während diese die üblichen Angriffspunkte absichern. Aber sobald deine Gegner einmal durch einen unerwarteten Durchstoß überrascht wurden, fallen sie nicht erneut auf den gleichen Trick herein—weder bei dir noch bei Anderen.

Auf diese Weise verliert das An-der-Wand-Rennen schnell seine Match-gewinnenden Vorteile und wird stattdessen Teil des Gesamtmosaiks, aus dem alle Multiplayer-Kämpfe bestehen. Die größten Auswirkungen sind die erhöhte Geschwindigkeit und die Unvorhersehbarkeit von allem, was um dich herum geschieht. Während Spieler an der Wand kleben, Granaten schmeißen, sich mit Jetpacks auf unvorstellbar hohe Vorsprünge katapultieren, Drohnen starten und die Gefallenen teabaggen, hat man kaum Zeit, um Luft zu holen.

Du möchtest dich einfach zurücklehnen, eine Diazepam einschmeißen und mit der Sniper Rifle Gegner von einem gemütlichen Busch aus eliminieren? Vergiss es! Black Ops III ist für die Möchtegern-Rambos von morgen gedacht, nicht für diejenigen, die der nächste Léon Montana sein wollen.

Das hektische, unberechenbare Geschehen wird durch die Einführung von „Spezialisten" verschärft. Diese stellen im Wesentlichen eine weitere Load-out-Option dar, und dein Spezialist bestimmt, wie du aussiehst und und welche speziellen Moves oder Fähigkeiten du zum Blutbad mitbringst. Manche Spezialisten tun sich durch das Aufzeigen feindlicher Stellungen hervor, andere stärken deine Feuerkraft und wieder andere stellen ahnungslosen Opfern Fallen.

Wofür du dich entscheidest, hängt logischerweise von deinem bevorzugten Spielstil ab. Wer gern auf engem Raum kämpft, profitiert von Spezialisten, die Feinde in der nahen Umgebung durch Wände sehen können, während diejenigen, die gern von hinten meucheln, eine verbesserte Reichweite im Nahkampf schätzen werden. Die Spezialfähigkeiten müssen allerdings eine Weile aufgeladen werden, und wenn du sie eingesetzt hast, musst du warten, bis sie wieder verfügbar sind. Verlass dich also nicht darauf, dass sie dich jedes Mal aus brenzligen Situationen befreien werden.

Das Hinzufügen der Fähigkeiten ist begrüßenswert und sie tragen gut zur Unberechenbarkeit von Online-Matches bei. Aber wir reden über die Unberechenbarkeit, die genauso viel Verwirrung stiftet, wie sie für Genuss sorgt. Wie so vieles bei CoD, ist das erfolgreiche Ausführen von Fähigkeiten unglaublich befriedigend, wenn man sie selbst verwendet, aber wenn man am anderen Ende ist, gibt es nichts Frustrierenderes.

Die verfügbaren Spielmodi sind ziemlich vorhersehbar und alle Favoriten kehren für ein weiteres Jahr zurück. Dominieren, Hardpoint, Capture the Flag, Kill Confirmed und das klassische Team Deathmatch sind vorhanden und gut, und die Struktur ist die gleiche mit geringfügigen Änderungen, wie die Jetpacks und das Wändelaufen.

Neu im Spiel ist der Modus Safeguard, bei dem ein Team einen Roboter über die Karte eskortiert, während das andere Team versucht, ihn zu deaktivieren und zu verlangsamen, bis das Zeitlimit abgelaufen ist. Sobald die Runde abgeschlossen ist, wechseln die Teams ihre Seiten. Leider kommt dieser Modus nie richtig in die Gänge und stellt mit Sicherheit den am wenigsten attraktiven Modus dar. Auch bei diesem Modus findet das Gemetzel seine Höhepunkte, aber die Tatsache, dass der bereits intensive Kampf auf ein noch kleineres Gebiet begrenzt wird, kann überwältigend sein.

Wenn du vom Multiplayer-Modus genug hast, kannst du direkt in die Kampagne, Freerun oder Treyarchs beliebten Zombie-Modus einsteigen. Freerun besteht im Wesentlichen aus vier Parkour-Kursen mit zunehmender Komplexität, welche dir die Feinheiten von Wall Runs, Jetpacks und Schwimmen beibringen sollen. Richtig gelesen, du kannst jetzt schwimmen und unter Wasser schießen—aber nicht alle Maps bieten diese Option.

Die Kampagne erzählt eine recht dröge Story, die Geschichte über Zukunftskriege, Bio-Augmentation, Menschenrechte und empfindungsfähige KI wurde bereits zur Genüge ausgelutscht und von Ghost in the Shell, Neuromancer und sogar Source Code besser gemacht.

Glücklicherweise steht es dir frei, auf die Geschichte ganz zu verzichten, und du kannst jede Mission der Kampagne in beliebiger Reihenfolge spielen. Dieser Ansatz bietet die fantastische Option, den Story-Modus im Vier-Spieler-Co-op zu absolvieren, und das ist zweifelsohne der beste Weg. Insbesondere auf höheren Schwierigkeitsgraden (einschließlich des neuen, sadistisch schweren Realistic-Modus, bei dem ein Treffer tödlich ist) liefert es große Genugtuung, wenn man sich und seine Teamkollegen intelligent aufstellt, um die feindliche Truppe auszulöschen, ohne sich selbst einen Kratzer zuzuziehen.

Es ist schade, dass die Story nicht viel taugt, aber die Entscheidung, das Absolvieren von Missionen in beliebiger Reihenfolge anzubieten, zeigt, dass Treyarch weiß, was seine Spieler wollen. Wenn man auf Co-op verzichten müsste, weil Freunde noch nicht die entsprechende Mission freigeschaltet haben, wäre das ein Grund zur Beschwerde.

Zombies ist wie gewohnt ein kontroverser Modus: Entweder liebst du es, eine Schar von Untoten nach der anderen zu killen, oder du verzichtest gleich ganz auf den Modus. Für mich trifft eher Letzteres zu, aber man kann nicht abstreiten, wie viel dieses Mal geboten wird. Die wahre Herausforderung besteht darin, die auf der Karte verstreuten Geheimnisse aufzudecken, während du um dein Überleben kämpfst und dich auf die nächste Welle des Horrors vorbereitest, die dein Gesicht essen will. Es erfordert richtige Teamarbeit, und nur die engagiertesten Spieler werden die Geheimnisse des Zombie-Modus aufdecken, ohne den Schwanz einzuziehen und Lösungen im Internet nachzuschlagen.

Es gibt einiges, mit dem man hier viel Zeit verbringen kann, und CoD scheint sich mehr denn ja an eine ganz bestimmte Art von Spieler zu richten. Wenn ein hektisches Tempo und viel Sci-Fi-Tech deinen Geschmack treffen, musst du nicht zweimal darüber nachdenken: Black Ops III ist der Shooter, den du brauchst. Wenn du dich nach den Tagen von Modern Warfare sehnst, wo die Karten und Waffen eine überlegtere Vorgehensweise ermöglichten, wirst du mit dem, was Treyarch hier geleistet hat, nicht zufrieden sein.

Black Ops III ist ein Spiel, das genau weiß, was es sein will, und in vielerlei Hinsicht erfüllt es diese Ambitionen auch. Es liegt nur an dir zu entscheiden, ob das im Einklang mit deinen Anforderungen an ein CoD-Spiel steht.

Diese Review wurde durch die Unterstützung von NVIDIA SHIELD möglich. Die NVIDIA SHIELD Library findest du hier.