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Böser Bulle, böser Bulle

Der mutmaßliche Vergewaltiger gegen die „Komaprügler“

Wer ist der bösere Polizist? Der Beamte, der einen Anzeigensteller auf der Wache vergewaltigt haben soll, oder die Polizisten, die einen Antifaschisten ins Koma gequetscht haben.
13.5.14

Polizisten sind auch nur Menschen. Manchmal sind sie sogar ziemlich schlechte Menschen. Das wird zum Problem, wenn man bedenkt, wie viel mehr Macht so ein Polizist im Verhältnis zu einem Normalbürger hat. Wenn er seiner schlechten Laune mal freien Lauf lässt, kann das für Umstehende gefährlich werden. Hier stellen wir euch ein paar eurer Freunde und Helfer vor, die gerade bei ziemlich schlechtem Benehmen erwischt wurden:

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1. Der Vergewaltiger

Foto: Plani / Wikimedia Commons

Es gibt Momente, in denen einem bewusst wird, dass sich niemand krassere Geschichten ausdenken kann als das Leben. Falls sich die Vorwürfe gegen diesen Düsseldorfer Polizisten als wahr herausstellen, können Tarantino und Lars von Trier jedenfalls in Rente gehen: Der Beamte soll einen Bürger auf der Wache vergewaltigt haben—als der den Diebstahl seines Fahrrads anzeigen wollte.

Nach Aussage des Opfers nahm der Beamte zuerst seine Personalien auf und fragte ihn dann, ob er selbst schonmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sei. Dabei soll er den Eindruck erweckt haben, es läge ein Haftbefehl gegen den Anzeigensteller vor. Dann habe er ihn zur Durchsuchung in einen Nebenraum gebeten und ihn gezwungen, sich nackt auszuziehen. Dabei habe er irgendwelche Tabakkrümel in seiner Hosentasche gefunden und ihm vorgeworfen, das sei kein Tabak. Schließlich habe er ihm erklärt, er sei nun verhaftet, bei einem Fluchtversuch müsse der Beamte von seiner Dienstwaffe Gebrauch machen. Schließlich kam dann noch die Drohung, „was mit einem hübschen jungen Mann wie ihm im Gefängnis passieren würde“—er müsse sich jetzt etwas einfallen lassen, um den Wachtmeister umzustimmen. Worauf der völlig verzweifelte Mann ihm einen geblasen haben soll.

Diese völlig unglaublich klingende Geschichte wurde vor mehr als einem Jahr bekannt, als der unglückliche Fahrradbesitzer noch am selben Abend bei einer anderen Wache Anzeige gegen den Polizisten stellte. Noch steht Aussage gegen Aussage, der Beamte beteuert, „seit 35 Jahren glücklich verheiratet“ und noch nie fremdgegangen zu sein. Allerdings wurden an der Unterhose des Opfers DNA-Spuren des Beamten gefunden, im Genitalbereich des Polizisten Spuren fremder DNA, die vom Opfer stammen könnten. Wie das bei einer einfachen Anzeige wegen Fahrraddiebstahls passieren kann, muss der Beamte heute vor Gericht erklären.

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2. Die Komaprügler von Demmin

Polizeigewalt in Demmin am 8. Mai 2014 from Kombinat Fortschritt on Vimeo.

Bei der Räumung der Route einer NPD-Demo in Demmin haben drei Polizisten einen französischen Antifaschisten so brutal festgesetzt, dass er ins Krankenhaus gebracht und dort ins künstliche Koma versetzt werden musste.

Während Berlin den 9. Mai mit Wodka und Sowjet-Uniformen begeht, veranstaltet die NPD jedes Jahr im vorpommerschen Demmin einen „Ehrendienst“, um an die „Gewaltorgie der sowjetischen Besatzungstruppen“ zu erinnern—was bei den Kameraden natürlich immer auf die Botschaft hinausläuft, dass die Nazis ja wohl auch nicht viel schlimmer waren als die anderen zu der Zeit. Auch dieses Jahr liefen an die 170 NPDler durch die Stadt, wogegen sich mehrere Mahnwachen und friedliche Blockaden auf der Route gebildet hatten.

Laut taz und indymedia leitete die Polizei die rechte Demo teils über die Bürgersteige an den Blockaden vorbei, teils räumte sie die Blockaden „mit massiver Gewalt“ weg. „Vor den Marschierenden sind Polizeieinsatzkräfte gelaufen“, zitiert die taz einen Augenzeugen, „die mit einer für unsere Region seltenen Härte gegen Demonstranten vorgingen.“

Dabei kam ihnen auch ein junger Franzose in die Quere, dem einer der Polizisten zuerst seine Finger in Mund und Nase gesteckt haben soll (man sieht das oft bei Demos: Die zugreifenden Polizisten überstrecken ihren Opfern die Köpfe so weit nach hinten, dass an Widerstand nicht mehr zu denken ist—für den Griff gibt es bestimmt irgendeinen charmanten Fachausdruck). Der Franzose hat daraufhin wohl zugebissen, was ihm erst recht die Wut der Beamten eingebracht hat: mehrere Polizisten sollen ihn an eine Wand und dann auf den Boden gedrückt haben. Anschließend sollen sie ihn auch noch mit Tritten und Schlägen auf Kopf und Rücken bearbeitet und schließlich bewusstlos gedrückt haben. „Augenzeugen berichteten von Brechanfällen der Person, bis zur Bewusstlosigkeit“, schreibt indymedia. „Ausgelöst (vermutlich) durch die Lage auf dem Bauch liegend, mit zwei Beamten auf dem Rücken.“

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Laut Augenzeugenberichten hinderten die Beamten einen anwesenden Arzt selbst dann an der Hilfeleistung, als der Franzose bereits das Bewusstsein verloren hatte. In der Pressemitteilung der Polizei heißt es zu dem Vorfall nur, eine „Person der linken Klientel“ habe „erheblichen und massiven Widerstand geleistet“, „wobei er drei Polizeivollzugsbeamte verletzte“. Und später dann: „Als dieser scheinbar selbst kollabierte, verbrachten hinzugezogene Rettungskräfte den 23-Jährigen in die Greifswalder Uni-Klinik.“ Tjaha! Das kennt man ja von der „linken Klientel“ nicht anders, dass sie zuerst im Alleingang drei Polizisten in Vollmontur plattmacht und kurz darauf wie von selbst kollabiert! Aber wie auch immer es sich zugetragen hat: Der französische Antifaschist (der übrigens eine Klage gegen die Beamten anstrebt) hat jetzt hoffentlich gelernt, dass man sich der deutschen Polizei nicht einfach so in den Weg stellt—vor allem nicht, wenn sie einen NPD-Aufmarsch zu begleiten hat. C'est la vie en Allemagne!

Hier könnt ihr abstimmen:

Wer hat seine Macht schlimmer missbraucht?

Der gute Polizist der Woche: Als ein Kleinbus in Österreich eine Passantin erfasste und mit ihr durch eine gläserne Bushaltestelle am Straßenrand krachte, riss das splitternde Glas ihr die Halsschlagader auf. Ein herbeisprintender Polizist konnte durch Zudrücken der Ader ihre Blutung so verlangsamen, dass sie bis zum Eintreffen des Notarztes überlebte.

Der Gewinner der letzten Woche: der mit dem Pfefferspray!