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Musik

Ein Interview mit Wolf Gang

Als ich Wolf Gang das erste Mal traf, ging es mir nicht so gut
30.7.10

Als ich Wolf Gang das erste Mal traf, ging es mir nicht so gut. Ich stolperte und schlurfte betrunken durch die Räume eines Hauses wo Irgendjemand für irgendetwas eine Party schmiss. Ich kannte somit weder den Grund noch die meisten der Leute, die hier etwas feierten und dennoch hatte ich es geschafft schon bei der Mitte des Abends als einer der eher peinlichen Gäste zu gelten. Ich wankte also ein wenig durch die Räume und traf plötzlich auf eine Gruppe, die um ein Klavier versammelt laut sang, tanzte und sich köstlich zu amüsieren schien. Am Klavier saß Wolf Gang.

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Er fing gerade an, in einem überfließenden Masch-Up von einem Klassischen Stück in ein funkiges Disco Lied zu gehen. Ich war bezaubert. Den Rest des Abends hörte ich meist schüchtern und überwältigt Max zu wie er über seine Musik redete, die sehr up-beatig ist ohne dieser nervigen Elektroschiene zu folgen, wie es ist in London aufzuwachsen und was es heißt ein paar Monate vor dem Abschluss alles hinzuschmeißen und Musiker zu werden. Da die Hälfte dieses Gespräch schon noch an diesem Abend vergessen wurde lud ich ihn noch mal ein mir alles zu erklären.

Vice: Hey Wolf Gang, wie geht es dir?

Wolf Gang: Danke, sehr gut. Und dir?

Alles super. Also, warum bist du Musiker geworden? Und warum hast du dich „Wolf Gang" genannt?

Ich habe sehr schnell gemerkt, dass Musik das einzige ist, dass ich machen kann ohne mich zu langweilen. Der Name kam von meiner Schwester, doch ich habe ihn sofort geliebt. „Wolf Gang" hatte etwas episches und einprägsames, mit einem Hauch des 80er Jahres Vibes und einer Geste in Richtung der Exzentrizität des „Amadeus" Films, den ich sehr gerne habe.

Hast du jetzt eigentlich eine Band oder engagierst du immer noch andere Musiker wenn du sie brauchst? Warum ist Wolf Gang so ein DoItYourself Projekt?

Musik und Lieder zu schreiben war schon immer eine sehr persöhnliche und private Angelegenheit. Ich schließe mich in mein Zimmer ein und mach alles selber, somit hatte ich nie das Bedürfnis eine Band zu gründen und dieses Erlebnis zu teilen. Ich habe jedoch eine permanente Gruppe von Leuten, die mit mir live spielen, eine echt witzige Gruppe voller fantastischen Musikern, mit denen man aber auch richtig Spaß haben kann.

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Du warst, bevor du dich der professionellen Musiker Karriere zugewandt hast, in einer der besten Unis Englands, LSE, und warst nur einige Monate vor dem Abschluß. Wie haben deine Eltern auf den Neuanfang reagiert? Haben sie deine Entscheidung unterstützt?

Nein, sie waren richtig enttäuscht von mir. Meine Mutter hat nur geweint. Ich habe mich noch nie so schuldig gefühlt wie damals. Aber sechs Monate nach meinem Austritt hatte ich dann meinen ersten Plattenvertrag und da haben sie gemerkt dass ich da wirklich voll dahinter stehe und ich es richtig ernst nehme. Seit dem stehen sie voll hinter meiner Entscheidung.

Bist du danach noch in eine Kunstakademie gegangen, oder hast du dich entschieden, dass das Leben selbst einem eh viel bessere Sachen beibringen kann als irgendein Lehrer in einem Klassenzimmer?

Ich glaube dass das wahre Leben immer ein besserer Lehrer ist. Ich habe es überall um mich herum in London mitbekommen und wollte endlich selber mitmischen. LSE und die Lernerei an sich haben mich nur zurückgehalten. Schulische Bildung ist natürlich wichtig, aber es ist teuer und oft endest du dann in einer Situation wo keiner wirklich etwas bewegt und du nur über unwichtige Sachen redest ohne sie zu ändern.

Was sagen deine Eltern zu deinem neuen Lebensstil, der anstatt mit Lernen und Arbeiten nun von Alkohohl, Drogen und Partys gefüllt ist?

Ich glaube sie wussten immer schon, dass ich nicht der Vorzeigesohn werde, daher wage ich zu bezweifeln, dass sie das alles besonders schockiert. Gleichzeitig sind sie in den 70er Jahren aufgewachsen und daher ist alles was ich mache für sie nur Kinderkram.

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Du solltest eigentlich letztes Wochenende einen Auftritt im Comet Club in Berlin haben. Warum ist er ausgefallen?

Ich glaube es gab einige Verwirrungen mit der Organisation ob unsere Flüge schon gebucht waren oder nicht. Als es dann einige Tage vor dem Auftritt herauskam, dass sie doch schon gebucht waren, befanden wir uns leider schon auf dem Weg zu einem anderen Festival in England. Ich war richtig traurig, da ich mich schon auf ein verrücktes Wochenende in Berlin gefreut hatte…Vielleicht gibt es ja noch einmal die Chance im Comet Club zu spielen…

Du bist gerade Teil einer unglaublichen Welle von jungen, innovativen und kreativen Bands aus England. Woher kommen deine Einflüsse, wer sind deine Idole und wie unterscheidet sich Wolf Gang von all den anderen Bands?

Meine Einflüsse stammen hauptsächlich aus den klassischen Bereichen, Musik aus den 60ern bis zu den 80ern, vom Soul des Smokey Robinson, über die Rolling Stones und den Beatles bis zu Kate Bush und Talking Heads. Ich habe einen sehr unterschiedlichen Geschmack. Ich finde nicht dass sich meine Musik wie die der anderen Bands da draußen anhört. Ich finde meine Musik hat einen sehr umfangreichen Sound. Ich bin auch ein großer Fan von Bowie, wie jeder auch…

Es geht ja für euch bald für längere Zeit auf Tour. Ist bis jetzt schon viel verrücktes passiert?

Wir haben die ganze Show erst seit kurzem auf die Straße gebracht und somit gab es neben einigen heftigen Kopfschmerzen und brennenden Kehlen eigentlich wenig. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird bis die Orgien und Kotzkonzerte zur täglichen Routine gehören.

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Ich habe mir vor kurzem die akustische Version von „Back to Back" angehört und war vollkommen von der rauen und ernsten Stimmung eingenommen. Hört sich so der neue Wolf Gang an? Was hat dich dazu bewegt den lauten und wilden Sound gegen dieses feine und emotionale Gerüst einzutauschen?

Das hat nicht zu bedeuten, dass ich mich von dem eher mehr upbeaten Sound wegbewege, sondern ich bin einfach eines Morgens aufgewacht und hatte einfach Lust dazu. Für mich sind immer noch laute und wilde Klänge das schönste! Aber gleichzeitig ist es auch wichtig, dass ein Lied nur für sich dastehen kann, ohne jetzt durch tolle Effekte oder Produktionen versteckt zu werden, nur ein Mann mit seiner Gitarre..

Wie siehst du den Unterschied zwischen England und Deutschland?

Ich bin eigentlich sehr oft in Deutschland, da meine Mutter deutsch ist und aus Hamburg kommt. Wenn ich dann Zeit mit meinen Cousins verbringe, dann fühlt sich Deutschland immer sehr europäisch an, alle sind sehr zivilisiert. Und Berlin ist im Gegenteil zu London unglaublich relaxt, hier gibt es diese Hektik nicht, die man in London überall hat und die wir auch lieben. Aber der Hauptunterschied liegt eigentlich nur in unserem großen musikalischen Erbe, dass wir durch die ganzen Bands bekomme haben. Hier können sich nur wenige Länder mit uns messen aber es ist auch alles was wir noch haben.

Wir haben jetzt ziemlich viel über dich persönlich geredet. Wie sieht die nahe Zukunft aus? Und wann kommt endlich dein Debütalbum raus?

Im Moment konzentriere ich mich gerade mit Dave Fridmann (MGMT, Flaming Lips) darum, das Album fertig zu bekommen. Dafür werde ich auch im September nach New York gehen. Danach haben wir die Tour durch Australien und beim Rückweg haben wir glaube ich auch noch einige Auftritte in LA und New York. Meine nächste Single wird dann auf Atlantic im November erscheinen. Das Album wird nach Planung gegen Ostern erscheinen und obwohl ich weiß, dass das noch recht lange scheint kann ich euch versprechen, dass sich die Warterei lohnen wird.