The Phantom Father ist ein (ziemlich) neuer Film von Lucian Georgescu (Drehbuch und Regie), einem rumänischen Gentleman, der in seinem Heimatland auch Werbung macht, Drehbücher schreibt und sonst kreativ sehr aktiv ist. Der Film handelt vom amerikanischen Professor Robert Traum, der sich ein Jahr Auszeit von seinen Lehrpflichten nimmt, um in den Karpaten das Lieblingshobby der Amerikaner, Ahnenforschung, zu betreiben. Während seiner Suche entdeckt er, dass seine Vorfahren, die er für arme Schlucker gehalten hatte, eigentlich eine wohlhabende, ins organisierte Verbrechen verwickelte Familie waren. Er verliebt sich in eine Archivarin der Regierung, die ihn während der Nachforschungen begleitet und ihm assistiert. Schließlich nimmt er wieder Kontakt zu Sami auf, der die einzige Verbindung zu seiner verstorbenen Familie darstellt. Sami war ein guter Freund von Roberts Vater, er reist durch das Land und führt aus seinem Wohnwagen heraus alte Filme vor, weil ihn der fette, habgierige Bürgermeister seiner Heimatstadt aus seinem Kino geschmissen hatDer Film teilt seinen Titel mit den Memoiren von Barry Gifford (dessen Beitrag zu unserer Septemberausgabe,The Vast Difference,du einfach gelesen haben musst; zu den FilmeLost HighwayundWild at Heart, zu denen Barry die Vorlagen lieferte, müssen wir nichts weiter sagen). Die Handlung jedoch hat wenig mit dem gleichnamigen Buch zu tun und basiert dagegen auf Barrys NovelleAlmost Oriental. Barry spielt auch eine kleine, aber besonders einprägsame Rolle in dem Film—er ist Roberts Dekan, der ihn am Anfang des Films davon überzeugen will, dass seine geplante Reise Zeitverschwendung ist.Heute wird der Film beim renommiertenFilmfestival Mannheim-Heidelberggezeigt. Wir haben am Wochenende mit Lucian gesprochen. Junge Junge, war der Typ vielleicht aufgeregt, weil sein lange verschobener Film nun endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient.VICE: Du bist ein großer Barry Gifford-Fan. Einer der interessantesten Aspekte des Films ist, finde ich, wie du die Kurzgeschichte, auf der das Drehbuch basiert, weiter ausgemalt hast. Gab es einen besonderen Aspekt in dieser Geschichte, der dich inspiriert hat und von dem aus du den Film zu deinem eigenen Projekt gemacht hast?Lucian Georgescu:Ich habe das Buch gelesen und liebe die Art, mit der er über etwas Unerwartetes aus seiner Erinnerung spricht. Er ist ein großartiger Schriftsteller, ich liebe ihn.Barry spielt in dem Film ebenfalls eine kleine Rolle, aber es gibt keine große Gemeinsamkeit zu seinen namengebenden Memoiren. Bestimmte Handlungselemente in der Geschichte scheinen jedoch auf Barrys Überlieferung zu basieren. Hat er dich beraten, während du das Drehbuch geschrieben hast oder so was in der Art?
Am Anfang hatten wir beide eine Art Roadmovie im Kopf. Ich wollte etwas machen, das näher an die Geschichte angelegt ist, als wir uns trafen und dieses komische Abenteuer durchlebten, als Barry und ich in den transsilvanischen Alpen nach Spuren seiner Familie suchten. Das war schon sehr schwarzhumorig— zwei aufeinander treffenden Kulturen und eine ständige Verwirrung. Barry schrieb die erste Zusammenfassung und dann mussten wir abbrechen, weil das Geld für die Weiterentwicklung nicht ausreichte. Also verwandelte er es am Ende in eine Novelle, die er später unter dem Namen Almost Oriental veröffentlicht hat. Wenn du dir die jetzige Version des Films anschaust, findest du einige Sachen, die nah an Almost Oriental sind, aber der Film ist dennoch etwas anderes. Man kann also sagen, dass das eigentliche Skript für den Film nie existierte. Vieles ist durch Improvisation entstanden und es gab eine Menge Verwirrung, mit der ich während der Produktion wirklich gerne gespielt habe, denn schließlich ist das Leben verwirrend. Letztendlich ist es nicht die Aufgabe des Films, das Leben zu erklären, es ist einfach so, wie es ist. Ich würde also nicht sagen, dass zwischen mir und Barry ein ständiger Austausch herrschte. Es war eher eine Vergiftung unseres Geistes und unserer selber und unserer Freundschaft—die Dinge, die wir teilen und nicht teilen.Wie hast du Barry zum Mitspielen überredet? Ich hab ihn getroffen und es sah nicht so aus, als wäre er scharf darauf … aber was weiß ich schon.
Das war lustig; das ist der schöne Teil. Die Idee kam von dem deutschen Produzenten, der mir bei dem Film geholfen hat. Die Produktion des Films dauerte so lange, dass ich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr so viel Kontakt mit Barry hatte, wie nötig gewesen wäre—nur durch E-Mails und einige sehr seltene Telefonate. Die ganze Sache fiel auseinander, genau wie unsere Beziehung. Das war sehr schlimm, denn wir sind gute Freunde und ich mag ihn wirklich sehr—neben dem Respekt hege ich auch große Gefühle für ihn. Zu einem bestimmten Zeitpunkt war Barry irgendwie genervt und angepisst und er ist keine einfache Person. Wir stritten uns sogar via E-Mail. Ich glaube, das Interessanteste nach dem Film wäre nun, die Mails von Barry und mir zu veröffentlichen; sie sind wunderbar, deswegen hoffe ich, dass ich das machen kann. Die Stimmung wurde eisern und distanziert. Er habe nicht daran geglaubt, dass ich es je schaffen würde, das Projekt fertig zu bekommen und ich war sehr frustriert und einsam. An einem Tag mussten wir die Szene drehen, in der Robert Traums Dekan ihm rät, die Reise nicht anzutreten. Dieser deutsche Produzent, der schon über 60 Filme gemacht hat, sagte: „Warum redest du nicht mit Barry und fragst ihn, ob er mitspielen will?“ Ich hab einmal tief durchgeatmet, ihm eine Mail geschrieben und gesagt: „Bring mich nicht um; das ist die Idee. Was hältst du davon?“ Und er sagte: „OK. Ich komm vorbei und mach es.“Der rumänische Film hat in den letzten Jahren harte Zeiten erlebt und auch jetzt werden in Rumänien nicht viele Filme produziert. Das war jedoch nicht immer der Fall. Es scheint, als repräsentiere Samis Charakter die alten, prä-revolutionären Filmemacher, die Leute wie dich beeinflusst haben.
Vor der Revolution 1989 gab es ziemlich viel kulturellen Output. In Wahrheit kommt Sami aus einer sehr traditionellen Familie, die Filme aus den früher 20er-Jahren aufbewahrte. Als die Russen '45 mit dem ganzen Militär, haben sie alles zerstört und das Kino in ein Propagandamittel verwandelt. Sami ist ein Zeitzeuge. Er weiß, was vor dem zweiten Weltkrieg passiert ist und er hat miterlebt, wie die Russen kamen und die Kommunisten die Filme in ein Propagandawerkzeug umwandelten, aber er ist ein Filmliebhaber; er liebt die Filme über alles. Ich bin durch die rumänischen Medien auf die Idee, von Dorf zu Dorf zu ziehen, aufmerksam geworden. Vor Drehbeginn hörte ich davon, dass ein alter Filmliebhaber in Moldawien mit einem Caravan durch die Gegend reist, nur um den Leuten zu seinem eigenen Vergnügen Filme zu zeigen.The Phantom Father läuft heute auf dem Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg.
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Am Anfang hatten wir beide eine Art Roadmovie im Kopf. Ich wollte etwas machen, das näher an die Geschichte angelegt ist, als wir uns trafen und dieses komische Abenteuer durchlebten, als Barry und ich in den transsilvanischen Alpen nach Spuren seiner Familie suchten. Das war schon sehr schwarzhumorig— zwei aufeinander treffenden Kulturen und eine ständige Verwirrung. Barry schrieb die erste Zusammenfassung und dann mussten wir abbrechen, weil das Geld für die Weiterentwicklung nicht ausreichte. Also verwandelte er es am Ende in eine Novelle, die er später unter dem Namen Almost Oriental veröffentlicht hat. Wenn du dir die jetzige Version des Films anschaust, findest du einige Sachen, die nah an Almost Oriental sind, aber der Film ist dennoch etwas anderes. Man kann also sagen, dass das eigentliche Skript für den Film nie existierte. Vieles ist durch Improvisation entstanden und es gab eine Menge Verwirrung, mit der ich während der Produktion wirklich gerne gespielt habe, denn schließlich ist das Leben verwirrend. Letztendlich ist es nicht die Aufgabe des Films, das Leben zu erklären, es ist einfach so, wie es ist. Ich würde also nicht sagen, dass zwischen mir und Barry ein ständiger Austausch herrschte. Es war eher eine Vergiftung unseres Geistes und unserer selber und unserer Freundschaft—die Dinge, die wir teilen und nicht teilen.Wie hast du Barry zum Mitspielen überredet? Ich hab ihn getroffen und es sah nicht so aus, als wäre er scharf darauf … aber was weiß ich schon.
Das war lustig; das ist der schöne Teil. Die Idee kam von dem deutschen Produzenten, der mir bei dem Film geholfen hat. Die Produktion des Films dauerte so lange, dass ich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr so viel Kontakt mit Barry hatte, wie nötig gewesen wäre—nur durch E-Mails und einige sehr seltene Telefonate. Die ganze Sache fiel auseinander, genau wie unsere Beziehung. Das war sehr schlimm, denn wir sind gute Freunde und ich mag ihn wirklich sehr—neben dem Respekt hege ich auch große Gefühle für ihn. Zu einem bestimmten Zeitpunkt war Barry irgendwie genervt und angepisst und er ist keine einfache Person. Wir stritten uns sogar via E-Mail. Ich glaube, das Interessanteste nach dem Film wäre nun, die Mails von Barry und mir zu veröffentlichen; sie sind wunderbar, deswegen hoffe ich, dass ich das machen kann. Die Stimmung wurde eisern und distanziert. Er habe nicht daran geglaubt, dass ich es je schaffen würde, das Projekt fertig zu bekommen und ich war sehr frustriert und einsam. An einem Tag mussten wir die Szene drehen, in der Robert Traums Dekan ihm rät, die Reise nicht anzutreten. Dieser deutsche Produzent, der schon über 60 Filme gemacht hat, sagte: „Warum redest du nicht mit Barry und fragst ihn, ob er mitspielen will?“ Ich hab einmal tief durchgeatmet, ihm eine Mail geschrieben und gesagt: „Bring mich nicht um; das ist die Idee. Was hältst du davon?“ Und er sagte: „OK. Ich komm vorbei und mach es.“Der rumänische Film hat in den letzten Jahren harte Zeiten erlebt und auch jetzt werden in Rumänien nicht viele Filme produziert. Das war jedoch nicht immer der Fall. Es scheint, als repräsentiere Samis Charakter die alten, prä-revolutionären Filmemacher, die Leute wie dich beeinflusst haben.
Vor der Revolution 1989 gab es ziemlich viel kulturellen Output. In Wahrheit kommt Sami aus einer sehr traditionellen Familie, die Filme aus den früher 20er-Jahren aufbewahrte. Als die Russen '45 mit dem ganzen Militär, haben sie alles zerstört und das Kino in ein Propagandamittel verwandelt. Sami ist ein Zeitzeuge. Er weiß, was vor dem zweiten Weltkrieg passiert ist und er hat miterlebt, wie die Russen kamen und die Kommunisten die Filme in ein Propagandawerkzeug umwandelten, aber er ist ein Filmliebhaber; er liebt die Filme über alles. Ich bin durch die rumänischen Medien auf die Idee, von Dorf zu Dorf zu ziehen, aufmerksam geworden. Vor Drehbeginn hörte ich davon, dass ein alter Filmliebhaber in Moldawien mit einem Caravan durch die Gegend reist, nur um den Leuten zu seinem eigenen Vergnügen Filme zu zeigen.The Phantom Father läuft heute auf dem Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg.
