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Susanne Winter muss FPÖ verlassen: Hier eine Chronologie ihrer Ausrutscher

Die FPÖ-Nationalratsabgeordnete Susanne Winter hat auf Facebook offen Kritik am „reichen zionistischen Judentum" geäußert. Nicht überraschend.
1.11.15

Screenshot via Martin Thür, Twitter

Nicht jeder, der auf eine dieser Verschwörungs„theorien" hereinfällt, ist also selbst gleich rechtsradikal. Das gilt für den Klimawandel, das „Geldjudentum", Impfskepsis und alles andere, bei dem uns „die Mächtigen" im Dunklen lassen.

Im Fall von Susanne Winter muss man diese unreflektierten Äußerungen nun aber nicht länger zu ihren Gunsten auslegen. In einem inzwischen gelöschten Facebook-Kommentar hat die FPÖ-Nationalratsabgeordnete jetzt offen Sympathie mit einem antisemitischen Verschwörungs-Posting geäußert. Mit Zwinkersmiley feiert sie den „mutigen, unabhängigen Menschen", der „die reichen zionistischen Juden" für den Untergang Europas verantwortlich macht.

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Seither hat Winter sich halbherzig entschuldigt (hauptsächlich dafür, den Kommentar nicht schneller gelöscht zu haben), meinte in Bezug auf die Antisemitismus-Vorwürfe aber auch auf Facebook: „Die Keule ist zu groß."

Selbst FPÖ-Generalsekretär und Chefdramaturg Herbert Kickl sagte in der ersten Aussendung zum Vorfall: „Bei einer Bestätigung der Vorwürfe wäre selbstverständlich der Ausschluss aus der FPÖ eine logische Konsequenz." Zuerst fordere er aber freilich, „das Zustandekommen des Postings und die Verantwortlichkeit dafür" zu überprüfen—womit er den Verschwörungsargumenten zumindest eine Hintertür offen lässt (Gabalier lässt grüßen).

Dabei ist der Vorfall (selbst nach FPÖ-Terminologie) definitiv kein Einzelfall und auch keine Überraschung. Er ist die logische Fortsetzung von Winters bisherigen Äußerungen und die vorläufig letzte Station des Malen-nach-Zahlen-Bilds ihrer politischen Karriere, das mit ziemlich vielen Brauntönen daherkommt.

In einem Falter-Interview aus dem November 2007 erklärte Susanne Winter gegenüber einem schwarzen Gesprächspartner, dass er „etwas in den Genen" habe, das seine Minderwertigkeit verursachen würde.

Bei einer Rede im Juni 2009 bezeichnete sie den Propheten Mohammed als Kinderschänder und wurde rechtskräftig zu 24.000 € Strafe verurteilt.

In einer parlamentarischen Anfrage im März 2015 wollte Susanne Winter wissen, ob das österreichische Bundesheer ausreichend auf einen Angriff durch die EU vorbereitet ist.

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Im Mai dieses Jahres sorgte Winter für Aufmerksamkeit, als sie mit einer skurrilen Fotomontage gleichzeitig für den EU-Austritt, die Wiedereinfuhr des Schillings und Wahrsagerei plädierte.

Im selben Monat kündigte Winter gemeinsam mit dem ehemaligen Pegida-Sprecher und Techno-DJ Georg Nagel, der inzwischen gern in Uniform gegen die „EUdSSR" agitiert, eine Demonstration gegen den Werteverfall und Gender-Terror in Europa an, die kurz vorher jedoch wieder abgesagt wurde.

In vergangenen Sommer schaffte es Winter noch einmal in die Schlagzeilen, indem sie auf Facebook verkündete, dass die „angebliche Klima-Problematik ein einziges mediales Lügengebäude [ist], das zum Einsturz gebracht werden muss."

Und zuletzt war sie Mitte Oktober unter die drei Finalisten für das Goldene Brett 2015 gewählt worden.

Susanne Winter ist übrigens in der bilateralen parlamentarischen Gruppe Österreich-Israel aktiv — fabian schmid (@fabian_schmid)November 1, 2015

Nein, nicht jeder, der auf eine dieser Verschwörungs„theorien" hereinfällt, ist gemeingefährlich oder meint es ideologisch. Wer aber sein gesamtes Weltbild aus solchen Verschwörungsideen zusammenbaut und an dem Glauben ausrichtet, selbst zu den wenigen Wissenden zu gehören, die hinter die Lügenmatrix der Regierenden blicken und diesen Glauben durch nichts (und schon gar nicht Fakten) erschüttern lassen, der ist eine Bedrohung für Vernunft, Aufklärung und Humanismus.

Susanne Winter hat über viele Jahre gezeigt, dass sie ein alternatives Erklärungsmodell zum Weltgeschehen verfolgt, das von Rassismus, Geschichts-Mythologisierung, Biologismus, Klimawandel-Leugnung, EU-Skepsis und eben auch Antisemitismus getragen wird.

In ihrem Falter-Interview von 2007 zog sie sich noch aus der Verantwortung, indem sie sagte: „Mein Geschichtsbild ist Privatsache." Am Sonntag reagierte sie auch auf den Vorwurf des Antisemitismus, indem sie gegenüber dem Standard sagte: „Ich habe selbst jüdische Freunde". Zumindest in einem hat sie recht: Wer so denkt, sollte das wirklich lieber im Privaten tun. Das sieht nun sogar ihre Partei so. Wie Herbert Kickl per OTS mitteilt, hat Winter bis 19:00 Uhr Zeit, ihr Mandat zurückzulegen.

Markus auf Twitter: @wurstzombie