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Warum ich keine Blowjobs gebe

Bin ich egoistisch? Wahrscheinlich. Doch ich bin der Meinung, mir diesen Egoismus durch viele Jahre des unerwiderten Oralsex verdient zu haben.

Alison Stevenson

Foto: Brendan C | Flickr.com | CC BY 2.0

Ich lutsche keine Schwänze. So sieht es aus, ganz klipp und klar. Ich weiß, dass diese Aussage bestimmt Horden von Männern, und sogar Frauen, aufregen wird, die Blowjobs als eine Pflicht im sexuellen Repertoire eines jeden Menschen sehen. Das ist mir klar, wirklich. Aber jetzt passt auf: Ich hasse es. Ich habe es noch nie genossen, mir einen Penis in den Mund zu stopfen.

Bevor du mich jetzt bei den Männerrechtlern verpetzen gehst, will ich klarstellen, dass das nicht bedeutet, dass ich Penisse hasse. Ich finde sie nicht hässlich oder eklig. Der durchschnittliche Penis hat ein überaus praktisches und stromlinienförmiges Design, das ich sehr bewundere. So sehr ich meine Vagina und all ihre Komponenten liebe, werde ich schon öfter neidisch, wenn ich bedenke, wie wenig Ärger so ein Penis zu machen scheint. Wenn du einen Penis auf täglichen Ausfluss, Menstruation, pH-Wert oder Abstriche ansprechen würdest, dann hätte der Penis gar nichts zu sagen. Hauptsächlich weil er ein Penis ist und Penisse nicht sprechen können, aber auch, weil er sich mit all dem gar nicht befassen muss. Nicht nur das, aber er muss nach dem Pinkeln nicht mal abgewischt werden. Hut ab, Penis. Ich sage nichts weiter, als dass ich es verabscheue, mir einen in den Mund zu stecken und meinen Mund dazu zu zwingen, an Bewegungen teilzunehmen, die meine Hand oder meine Vagina stattdessen ausführen könnten.

Es gibt momentan in meinem Leben einen Mann, mit dem ich nicht wirklich zusammen bin, aber der etwa ein Mal die Woche vorbeikommt, um mich zu lecken. Das Einzige, das er dafür von mir bekommt, ist ein Klopfer auf die Schulter; für seine gute Arbeit. Manche mögen diese Vereinbarung für seltsam halten, doch in meinen Augen ist sie eher verdammt nah an der Perfektion. Es war bei unserem zweiten Date, dass ich ihm das erste Mal die Gelegenheit gab, an meiner Klitoris zu lutschen. Nachdem ich ihm für die Fahrt nach Hause gedankt hatte, sagte ich einfach: „Willst du hoch in meine Wohnung kommen und mich lecken?" Er willigte begeistert ein und wir kamen zur Sache. Ich saß auf seinem Gesicht, bis ich kam, dann schickte ich ihn nach Hause. So machen wir das seit etwa zwei Monaten. Wir haben keinen Sex, weil ich mir versprochen habe, keinen Sex zu haben, bis ich in einer Beziehung bin. Während dieser Typ offensichtlich sehr großzügig ist, reicht die Chemie einfach nicht, was die kleinen Dinge angeht, wie Unterhaltungen.

Seit ich das mit ihm angefangen habe, habe ich mir vorgenommen, nie wieder einen Schwanz zu lutschen. Ich habe mir auch vorgenommen, mich zu weigern, mit einem Mann eine Beziehung anzufangen, der mich nicht lecken will. Selbst wenn er Passwörter für gleich zwei oder drei verschiedene Streaming-Dienste hat, werde ich immer noch die Kraft haben, einen Schlussstrich zu ziehen, wenn er nicht auf Tauchstation gehen will. Bin ich egoistisch? Wahrscheinlich. Aber das ist mir egal. Tatsächlich bin ich sogar überzeugt davon, dass mir dieser Egoismus zusteht. Dieser Egoismus kommt davon, dass ich viele Jahre lang sexuellen Aktivitäten mit Männern nachgegangen bin, die mich selten geleckt haben. Wenn sie es mal taten, dann war es keinem außer vielleicht zwei oder drei von ihnen die Mühe wert, mich mal zum Orgasmus zu bringen.

Das Problem scheint seinen Ursprung darin zu haben, dass zu viele Heteromänner wohl den Eindruck haben, dass Frauen durch Penetration zum Orgasmus kommen. Das Einzige, was ich von einem Mann durch Penetration bekommen habe, waren Humane Papillomviren. Ich war noch nie dazu in der Lage, allein durch Penetration zu kommen, und ich gehöre damit zur Mehrheit: Zwischen 50 und 75 Prozent aller Frauen brauchen klitorale Stimulation, um zum Höhepunkt zu gelangen. Ein kleiner Prozentsatz der Frauen hat das Glück, dass ihre Klitoris so nah an der Vagina liegt, dass sie allein durch Penetration kommen können. Auch wenn meine Klitoris in derselben Region liegt wie meine Vagina, ist sie leider so weit entfernt, dass es ohne Oralsex nicht geht. Stell dir meine Klitoris als Alaska vor, während meine Vagina Russland ist. (Wenn du einen weniger frostigen Vergleich brauchst, dann ersetze Alaska mit Süd- und Russland mit Nordkorea).

Mir ist völlig klar, dass es auch die Möglichkeit gibt, mich während dem Sex selbst zu stimulieren. Aber das hat bei mir noch nie wirklich funktioniert. Um zum Orgasmus zu kommen, muss ich mich konzentrieren. Ich muss meiner Klitoris meine volle Aufmerksamkeit schenken, wenn ich will, dass sie mir das gewünschte Resultat liefert. Diese Konzentration ist ganz schön schwer zu erreichen, während ein Typ in mich rein- und wieder rausstößt und dabei rhetorisch fragt, ob mir das „gefällt".

Und ja, ich weiß auch, dass es mitunter meine Schuld ist, dass ich jahrelang keinen Oralsex bekam. Ich war damals ein anderer Mensch. Ich bat nie um das, was ich wollte, denn ich machte mir Sorgen, dass ich dadurch weniger attraktiv wirken würde. Das empfinden sehr viele Frauen so: dass es wichtiger ist, die Wünsche eines Mannes zu erfüllen als unsere eigenen. Du weißt schon, um ihn zu „halten". Selbst die eigensinnigsten, selbstsichersten, progressivsten Frauen fallen dieser Denkweise zum Opfer. Ich habe es endlich geschafft, diese Bescheidenheit im Hinblick auf Sex komplett abzulegen, und ich weiß nun, dass ich nicht nur verlangen kann, was ich möchte, sondern auch verweigern kann, was ich nicht möchte: Blowjobs.