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Ihr trinkt Granderwasser, ohne es zu wissen

Obwohl wir dachten, dass Granderwasser mittlerweile selbst für Esoteriker Geschichte ist, gibt es einige Unternehmen, die ihre Produkte damit aufwerten wollen.
01 April 2015, 9:24am
Titelbild von Splash! via photopin

Der einzige Anlass für mich, Etiketten und Inhaltsangaben zu lesen, ist, wenn auf dem Klo nichts Lesbares außer der Rückseite des Lufterfrischers in Reichweite ist. Als ich mir letzte Woche aber ein BILLA Corso „Premium"-Sandwich gekauft habe, das wie alle Sandwiches in Wien mit viel zu viel Mayonnaise vollgestopft war, hat es mich dann doch interessiert, was in dieser regelrechten Antithese einer Delikatesse steckt. So habe ich entdeckt, dass neben ziemlich viel Chemie auch Granderwasser in den Sandwiches enthalten ist, von dem ich dachte, dass es selbst für Esoteriker mittlerweile sowas von 2012 ist.

Granderwasser ist „belebtes" Wasser und wird unter Esoterikern als Allheilmittel gegen Krebs und andere Krankheiten gehandelt. Durch eine spezielle Filtermethode, die vom ehemaligen Tankwart Johann Grander erfunden wurde, werden alle sogenannten Schadstoffe aus dem Wasser gefiltert—nur das „Gute" wird noch übrig gelassen. Dass das Wasser eine entgiftende, bakterientötende Wirkung hat oder „energiereicher" als normales, unbehandeltes Wasser ist, wurde bereits wissenschaftlich widerlegt.

Dennoch sehen viele Verbraucher einen Mehrwert in Granderwasser, wodurch sich große Markennamen und Unternehmen, bei denen wir täglich einkaufen, gezwungen fühlen, das nachweislich wirkungslose, aber belebte Wasser in ihren Produkten zu verwenden. Übrigens derselbe Grund, warum die österreichische Firma Sonnentor auf ihren Produkten eine Zeit lang nur entstörte Barcodes verwendet hat—es gibt nämlich Kunden, die denken, Barcodes seien Antennen, die Strahlung aus der Umgebung aufnehmen können. Der Verbraucher nimmt diese Strahlung wiederum auf und sein Immunsystem wird dadurch geschwächt—eine Behauptung, die ebenfalls wissenschaftlich widerlegt wurde.

Wir haben nachgefragt, warum dieses Wasser verwendet wird und ob sich die Verwendung auf den Preis der betroffenen Produkte auswirkt—immerhin kostet eine Flasche Granderwasser gute 12 Euro.

BILLA

— BILLA (@BILLA_AT)12. März 2015

Bei BILLA wird Granderwasser für Panini der Premium-Eigenmarke BILLA Corso und für das extra weiche Sandwichbrot der hauseigenen BILLA-Marke verwendet. Es ist auch in der Liste der Zutaten ausgewiesen. Die BILLA-Pressestelle gibt dazu folgendes Statement:

„BILLA verwendet bei den Produkten BILLA Sandwich extra weich und BILLA Mehrkornsandwich extra weich Granderwasser als Zutat. Die von Ihnen erwähnten BILLA Corso Panini sind nur noch diese Woche im Sortiment. Bei der Produktentwicklung der Sandwiches haben bei einer Blindverkostung die Muster mit Granderwasser am besten abgeschnitten, daher hat BILLA sich für diese Artikel entschieden. Da das Granderwasser für die KundInnen einen bestimmten Mehrwert darstellen kann, lobt BILLA dies auch auf der Verpackung aus. Die Verwendung von Granderwasser hat keine Auswirkung auf den Preis."

Auf genauere Nachfrage wird noch klargestellt, dass für die Herstellung des BILLA Toastbrotes ausschließlich Granderwasser verwendet wird und es nicht etwa mit „normalem" Wasser vermengt wird, wie der niedrige Preis vermuten lässt. Offensichtlich schafft es BILLA trotz des teuren Wassers, den Preis niedrig zu halten—der Toast ist immerhin günstiger als ein ähnliches Produkt von Ölz.

Hofer „Zurück zum Ursprung"

Laut der Website von Grander wird das belebte Wasser auch für Vollkorn-, Dinkel- und Roggenbrot der Hofer-Marke „Zurück zum Ursprung" verwendet. Im Gegensatz zu BILLA gibt Hofer auf den betreffenden Produkten nicht an, dass Granderwasser dafür verwendet wurde. Von Seiten der Pressestelle heißt es dazu:

„Manche Bäcker von ,Zurück zum Ursprung' verwenden Granderwasser in ihrem gesamten Betrieb. ,Zurück zum Ursprung' steht dieser Verwendung wertfrei gegenüber, lobt aber auf keinem seiner Produkte die Verwendung aus."

Dieses Statement zeigt, wie „wertfrei" Hofer zur Verwendung von Granderwasser steht—offenbar zieht das Unternehmen es vor, als Konzern nicht mit den esoterischen Zutaten ihrer Bäcker in Verbindung gebracht zu werden (ohne aber auf die Zutat selbst zu verzichten).

Dreh und Trink

Auch in dem bunten Getränk, das jeder von uns früher so geliebt hat, steckt das belebte Wasser. Genauso wie bei Hofer wird die Verwendung hier aber nirgends angeführt und auch nicht allzu gerne diskutiert, was auch der Grund ist, warum die Pressestelle in diesem Artikel nicht zitiert werden möchte.

Der Mann

Die Bäckerei Der Mann verwendet belebtes Granderwasser für alle ihre Produkte und geht, im Gegensatz zu Hofer oder Dreh und Trink, offen mit der Verwendung um. Die Pressestelle gibt zur Verwendung von Granderwasser folgendes Statement:

Wir sehen das Konzept des belebten Wassers als sehr positiv und daher haben wir uns für den Einsatz entschieden. Auf die Preisgestaltung unserer Produkte hat die Verwendung keinerlei Auswirkung.

Stiegl

Auf der Website von Grander wird angeführt, dass ihr belebtes Wasser auch für Stiegl Bier verwendet wird. Auf der Seite des Unternehmens lässt sich jedoch in keiner einzigen Inhaltsangabe ein Hinweis auf die Verwendung von Granderwasser finden. Auf Nachfrage bei der zuständigen Pressestelle heißt es, dass Stiegl die Tatsache, dass Granderwasser für ihr Bier verwendet wird, nicht kommuniziert und auch nicht darüber sprechen möchte. Die Verwendung von Granderwasser wird als Teil des Braugeheimnisses gesehen, das den Braumeistern obliegt. Warum Grander die Verwendung für Stiegl jedoch prominent auf der eigenen Seite aufführt, kann mir die nette Dame am anderen Ende der Leitung nicht beantworten. „Das müssen wir wohl mal runternehmen lassen", sagt sie.

Verena auf Twitter:@verenabgnr


Titelfoto von: Splash! via photopin (license)