Die Aura des australischen Outbacks

Tim Hilliers Fotos, aufgenommen aus einem einmotorigen Flugzeug, malen Regenbogenfarben auf die australische Landschaft.

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19 August 2015, 4:00am

Vor weniger als einem Jahr haben wir uns schon einmal mit Tim Hillier unterhalten, doch in den vergangenen paar Monaten ist er sehr produktiv gewesen. Er hat vor Kurzem eine Fotoserie namens Domestic Connecting über das Outback herausgebracht. Die Aufnahmen sind durch das Fenster eines winzigen, einmotorigen Flugzeugs entstanden, während er im Zuge seiner Arbeit am Indigenous Hip Hop Project die entlegensten Gegenden Australiens bereiste. Die Fotos zeigen Regenbogenfarben vor der Landschaft, dank einem Effekt, den Hillier versehentlich entdeckte, als er aus einem Flugzeug fotografierte und dabei den Polarisationsfilter auf seiner Kamera ließ. Wir haben uns mit Hillier über seine Erfahrungen in einem der entlegensten und einzigartigsten Gebiete des Planeten unterhalten.

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VICE: Die Fotos in dieser Reihe sind voller verrückter Farben. Kannst du Birefringenz bzw. Doppelbrechung für Laien verständlich erklären?
Tim Hillier: Ich habe Ewigkeiten gebraucht, um herauszufinden, wie das heißt. Es hat mit einer gewissen Eigenschaft von einigen Kunststoffen und Glas zu tun und wie die unterschiedlichen Kristallstrukturen in den Materialien das Licht brechen. Man kann es oft aus bestimmten Winkeln bei Plexiglas sehen.

Hast du den Effekt versehentlich entdeckt?
Es war einfach nur ein Unfall, weil ich den Polarisationsfilter vor meinem Objektiv gelassen hatte, als ich versuchte, durch ein Flugzeugfenster zu fotografieren. Ich habe versucht, mir im Studio mein eigenes Flugzeugfenster zu machen, doch es funktioniert nicht ganz. Vielleicht hat es etwas mit der Höhe oder dem Luftdruck zu tun oder so. Ich habe es in manchen Autos mit getönten Fensterscheiben hingekriegt.

Die Bilder erinnern mich an Aura-Fotografie. Die Bilder sind offensichtlich sehr schön, aber haben sie für dich auch eine tiefere Bedeutung?
So viel Zeit ich auch in den letzten paar Jahren im Outback verbracht habe, es ist für mich immer noch ein Mysterium. Die Sachen, die da draußen vor sich gehen, hauen mich jedes Mal wieder um. Du siehst die schönsten, verrücktesten Dinge, und dann sind da die ganzen Erlebnisse, die ich in dieser weiten, offenen Landschaft gehabt habe—es ist die große, unbekannte Wildnis, das Never Never.

Kannst du mir eine Geschichte erzählen, die zu dieser Beschreibung passt?
Wir waren an einem Ort namens Gapuwiyak und wir haben Kinder geholt, um einen Bunggul (einen traditionellen Tanz) aufzuführen. Der Tanz hat zwei Teile: den Dhuwa und den Yirritja. Nach zwei Stunden Dhuwa gingen sie zum Yirritja über und dann fing es an zu regnen. Nach drei Stunden traditionellem Tanz und Filmen, Fotografieren und Rumhängen rannten die Kinder nach Hause und wir packten unsere Sachen zusammen. Es war unglaublich, wir hatten so etwas noch nie erlebt. Später, gegen 1 Uhr nachts, saßen wir herum und man konnte die Kinder wieder spielen hören—sie sangen und tanzten, schlugen Klanghölzer, spielten Didgeridoo. Wir nahmen einfach an, die Kinder seien so glücklich und hätten so viel Spaß gehabt, dass sie weitermachen wollten. Doch am nächsten Morgen trafen wir die Kinder noch einmal und fragten sie danach. Sie sagten, sie seien es nicht gewesen—die Ahnen hätten gewollt, dass es weiterginge. Andere Leute hatten es auch gehört. Ich habe es so deutlich gehört und niemand wollte es gewesen sein.

Davon kriege ich Gänsehaut.
Das ist die Art von Geschichte, die der Wüste das Rätselhafte verleiht. Je mehr ich weiß, desto mehr weiß ich, dass ich nichts weiß.

Alle Fotos: Tim Hillier

Siehst du Domestic Connecting als eine Fortsetzung zu Holding Pattern, oder ist es ein unabhängiges Projekt?
Holding Pattern waren Fotos von Himmelslandschaften um Australasien auf abgelaufenem Film. Was die Farben und das Konzept angeht, hat es seine Ähnlichkeiten, doch es geht mehr um die Wüste und Australien, also ist es sehr eng verwandt, aber keine direkte Fortsetzung. Es geht mehr um die Motive und ist weniger abstrakt.

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Es scheint, als würde deine Fotografie abstrakter werden. Ist das ein Pfad, dem du weiter folgen willst?
Ich glaube, die Fotografie, die ich machen will, hat zwei Seiten. Ich habe einmal Arbeit, die eher dokumentarisch ist und die besser in Büchern und Artikeln funktioniert, und dann die neueren Fotoreihen, die ich für Galerien mache.

Was kommt als Nächstes?
Der dritte Teil der Serie dreht sich ums Fliegen und hochsichtbare Kleidung und so etwas. Es ist immer noch ziemlich offen, um was es geht, aber das wird hoffentlich nächstes Jahr fertig sein.

Tim wurde von Ben Thomson interviewt.

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