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The True Crime Issue

Kanadische Ersteinsatzhelfer begehen alarmierend häufig Selbstmord

Eine Studie sagt, dass bis zu 31 Prozent der Ersteinsatzhelfer unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden.
28.11.14

Illustration von Kyle Stewart

Im Juli nahm sich Ken Baker, ein erst kurz zuvor pensionierter Beamter der Royal Canadian Mounted Police, das Leben. Barker litt seit dem Einsatz bei einem grausamen Mord in einem Greyhound Bus in Manitoba, bei dem ein Passagier namens Tim McLean von einem anderen Reisenden namens Vince Li erstochen, verstümmelt, geköpft und dann teilweise verspeist worden war, unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Seit April haben sich mit ihm insgesamt 16 Ersteinsatzhelfer in Kanada das Leben genommen, davon allein zehn in den Wochen vor dem 17. Juli, sodass man von fast epidemischen Ausmaßen sprechen muss.

Eine Studie, die 2003 von Forschern der Eastern Michigan University veröffentlicht wurde, ergab, dass bis zu 31 Prozent der Ersteinsatzhelfer unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden.

„Es darf nicht sein, dass die Individuen, die sich zu einer solchen Störung bekennen, belästigt oder lächerlich gemacht werden", sagte Vince Savoia, der Gründer des Tema Conter Memorial Trusts, einer kanadischen gemeinnützigen Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Einsatzhelfer und Militärangestellte für das Thema posttraumatische Belastungsstörungen zu sensibilisieren. Die Arbeit der Organisation ist für Savoia eine Herzenssache, nachdem er 1988 als Sanitäter zum Tatort eines grausamen Mordes gerufen wurde, wo eine 25-Jährige, die, wie er sagte, seiner Verlobten erschreckend ähnelte, an ein Bett gefesselt, erstickt, vergewaltigt und mit elf Messerstichen ermordet worden war.

Savoia ist der Meinung, dass sich das System einfühlsamer und effektiver um die Betroffenen kümmern müsse, die es bislang meist schutzlos einfach ihrem Schicksal überlassen habe. „Auf den meisten Regierungsebenen wird zwar immer viel getönt, dass man den Ersteinsatzkräften zur Seite stehe", sagte er. „Aber es gibt extrem wenig finanzielle Ressourcen für psychologische Unterstützung."