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Sex

Kay Ones Datingshow ist das Frauenfeindlichste, was seit Langem im Fernsehen gelaufen ist

Verglichen mit Kay One in „Prinzessin Gesucht“ wirkt „Der Bachelor“ wie die Alice Schwarzer des Trash-TV.

von Lisa Ludwig
30 September 2014, 11:47am

Screenshot: Youtube

Ich habe Beate bei Schwiegertochter gesucht mit vor Freude strahlenden Augen dabei zugesehen, wie sie mit verstörten Amerikanern Würstchen gegrillt hat. Und wenn der Bachelor in all seiner Grandezza leichtbekleidete Erotikmodels aus Castrop-Rauxel weggeflankt hat, habe ich in die Hände geklatscht und mir gewünscht, zumindest einmal sein güldnes Haar berühren zu dürfen. Man könnte also durchaus behaupten, dass ich mit allen Trash-TV-Wassern gewaschen bin. Umso überraschender kam für mich die Tatsache, dass mich Prinzessin Gesucht mit (Prince) Kay One zutiefst verstört zurückgelassen hat.

„Wenn du das machen würdest. Mit deinem Humor, mit deiner Crazyness …“

Der Ex-Ersguterjunge, der vor seinem Durchbruch in Bushidos Keller gewohnt hat, sucht in dem gestern erstmals ausgestrahlten Format die Frau seines Lebens—oder zumindest ein paar Bitches fürs nächste Musikvideo. Es klang nach der perfekten Abendgestaltung und wäre ich nicht müde und angeschlagen aus dem Büro gekommen, hätte ich mich in mein nuttigstes Sommerkleid gezwängt und den Lidl-Champagner aufgemacht.

Angefangen hatte es dann auch in altbewährter Bachelor-Manier—nur eben ein bisschen abgespeckt. Statt wochenlanger Entscheidungsfindung in Südafrika hat es bei Kay nur für 2 mal 2 Stunden auf Malle gereicht. Während im Hintergrund die erfolgreichsten Großraumdisko-Hits aus seiner bisherigen Diskografie laufen, wird der gebürtige Ravensburger Schmuck statt Rosen verschenken. Wie so häufig im Leben von Kenneth Glöckler ist die Aktion mehr gewollt als gekonnt. Egal wie oft eine der Kandidatinnen mit verträumtem Blick von Silberarmbändern und Diamanten spricht, irgendwie sieht das verteilte Geschmeide dann doch nach selbstgeknüpft im Hobbykeller aus.

Die geladenen Damen siedeln sich irgendwo zwischen Go-Go-Girl mit Arschimplantaten und neurotischer Reisekauffrau mit knallpinkem Lippenstift an, und statt der genretypischen Mischung aus Mittzwanzigerinnen beginnt die Brautschau bei Ballermann-Rappern anscheinend schon im „Barely legal“-Alter. Nadine, die jüngste Kandidatin, die ihrem Schwarm beim Abendessen mit leicht manischem Blick ein Amulett mit romantischen Porträtfotos überreicht, ist gerade mal 18. Die erste ganz große Überraschung erlebe ich allerdings, als ich feststellen muss: Es gibt da draußen wirklich Leute, die Kay One in seiner Rolle als selbsterklärter Rap-Prinz ernst nehmen. Für sie gibt es keine Schlammschlacht mit Eko Fresh, keine Anfänge als Möchtegern-Latino mit „Chabo Mambo“ und erst Recht keine Flucht vor seinem Ex-Mentor Bushido und dessen Geschäftspartnern. Stattdessen schmachten sie in Richtung des Typen, der mal neben Dieter Bohlen in der DSDS-Jury saß—ein Umstand, der Kay gerade dann bitter aufstößt, als eine der Kandidatinnen in der ersten Speeddating-Runde offen zugibt, sich nicht mit seiner Musik auseinandergesetzt zu haben, und eine andere genau einen Song von ihm nennen kann: „V.I.P.“

„Dein Kleid ist so schön, aber tu mir den Gefallen, zieh's aus! Nackt baden im Pool klingt cool.“

Vielleicht war es wichtig, den Rapper mit Personen zu kontrastieren, die auf seine stetig debilen Fragen danach, wann sie das letzte Mal Sex hatten oder wie attraktiv sie ihn auf einer Skala von 1 bis 10 finden, vor allem mit verschämtem Kichern antworten. Der schlafanzugtragende Stylist (?) und Kays bester Freund, der aussieht wie ein Discount-Klon seines bekannten Kumpels, scheinen nur dazu da, den Star der Show ein kleines bisschen besser aussehen zu lassen. Der Höhepunkt der Menschenverachtung ist allerdings der kleinwüchsige Butler Kay Two, dem neben dem bürgerlichen Namen auch direkt seine Würde als Mensch aberkannt wurde.

Ach ja, Würde. Auch wenn Kay One immer wieder betont, dass es ihm dieses Mal wirklich um die inneren Werte einer Frau gehe, wird nicht einmal so getan, als wären die Mädels in der Villa mehr als hirntote Schaufensterpuppen. Beim Abendessen forderte er seine geladenen Gäste explizit dazu auf, ihn zu unterhalten—schließlich müssten sie sonst ihre frisch bezogenen Zimmer räumen. Das bisher einzige Einzeldate bestand dann daraus, dass der Rapper primär über sich selbst sprach (und dabei in Anbetracht seines glamourösen Lifestyles ehrlich ergriffen wirkte). Vielleicht tut man den Bewerberinnen einen Gefallen damit, nicht zu tiefe Einblicke in die Gedankenwelt einer Frau zu gewähren, die dazu bereit ist, sich in demütigenden Challenges um das Herz von jemandem zu streiten, der auf Tour wahrscheinlich nichts anbrennen lässt. Andererseits macht man genau damit Platz für all jene Attribute, die dem weiblichen Geschlecht im deutschen Fernsehen sowieso viel zu häufig zugeschrieben werden. Sei schön (oder zumindest operiert), sei still, zeige kindliche Begeisterung, wenn es den Produzenten angemessen erscheint, und gib keine Widerworte.

Eklatant wird dieses indoktrinierte Frauenbild bei der ersten wirklichen „Challenge“ der Sendung. Weil Kay One ein Rapper ist und unter diesem Begriff im Duden zu stehen scheint, dass es sich dabei zwingend um sexistische Vollidioten mit Alkoholproblem und zu viel Babyöl im Nachttischschränkchen handeln muss, sollen die Kandidatinnen für ihn und seine Kumpels tanzen. Halbnackt, eingeölt und mit jeder Menge Schampusgespritze. Für die zu tragenden Bikinis hatte Kay Two zuvor jeweils Maß genommen, zumindest ihre Accessoires durften sich die konsternierten Mädels aber selbst aussuchen. Fast wünscht man sich, dass die eingeschleuste Transsexuelle (Kein. Scherz.) irgendwann ihre Perücke vom Kopf reißt und sich als rachsüchtiger Arafat Abou-Chaker entpuppt. Stattdessen gibt es einen kurzen Eklat, als Gessica (auch kein Scherz) sich im Anschluss an die allgemeine Demütigung entschieden dagegen ausspricht, weiterhin wie eine willenlose Sexpuppe behandelt zu werden. Immerhin muss sie nicht rappen.

Die drei Damen, die sich zuvor am verzweifeltsten am Schritt des feisten Pascha gerieben haben, dürfen im Anschluss nämlich auch gleich ihre literarischen Fähigkeiten beweisen. Aus Begriffen wie „charmant“, „sehr, sehr sexy“ und „reich“ sollen sie ein kurzes Gedicht über Kenneth verfassen, um es anschließend—möglichst rhythmisch—vorzutragen. Nach rund zwei Stunden Sendezeit ist damit erstmalig ein Punkt erreicht, an dem sich auch Kay One selbst mit der ihm auferlegten Storyline nicht mehr ganz so wohl zu fühlen scheint. Unangenehm berührt verliest er die Attribute, die direkt aus einem Bullshit-Bingo für Egomanen stammen könnten. Die Gewinnerin, die Blondine, die bereits zum Einzeldate durfte, wird den Rapper zu einem Auftritt begleiten. Ob sie auf der Bühne tanzen muss oder einfach das erste Gangbang-Bändchen vom Tourmanager überreicht bekommt, ist nicht klar. Am Schluss stoßen dann alle noch mal auf die ersten gemeinsamen Tage an, bevor das Elend endlich ein Ende hat.

Später wird Kay One auf seinem Facebook-Account, den er so gerne mit nachdenklichen Beziehungssprüchen flutet, schreiben: „Nächste Woche geht's weiter ... Dann wird's richtig lustig ... Ich hab die Mädels in die Fußgängerzone in Palma geschickt und sie hatten ein Knopf im ohr und mussten alles machen was ich ihnen gesagt habe.“ Auf Mallorca gibt es also auch am kommenden Montag nichts Neues. Ob man damit gängige Rap-Klischees befriedigen will, diese Inszenierung wirklich dem Geschlechterrollen-Verständnis des Musikers entspricht oder sich die zuständigen RTL2-Redakteure gerade in einer extrem schwierigen Scheidung befinden und ihrer allgemeinen Frauenverachtung ein Ventil bieten wollten, bleibt offen.

Lisa liebt Fernsehen. Und Twitter.