Anzeige
News

Redenschreiber erklären, wie es zu Melania Trumps Obama-Plagiat gekommen sein könnte

"Es ist lächerlich zu behaupten, das sei kein Plagiat."

von Tess Owen und Liz Fields
20 Juli 2016, 8:44am

Foto: AP

Nicht nur politische Redenschreiber amüsieren sich zur Zeit über einen anscheinenden Plagiatsfall. Die Missetäterin war Melania Trump bei ihrer Hauptrede am Montagabend auf der Republic National Convention, doch Donald Trumps amateurhafte Kampagne steht dafür mehr in der Kritik als die Kandidatengattin.

Eine Passage in der Rede der gebürtigen Slowenin war fast identisch mit einer Stelle aus der Rede der damals zukünftigen First Lady Michelle Obama beim demokratischen Parteitag 2008.

Ein Videovergleich der Reden zeigt, dass Trump mindestens zwei Sätze aus Obamas Rede fast wörtlich übernommen hat.

Es dauerte nur Minuten, bis Kritiker auf Twitter darauf aufmerksam machten—unter ihnen auch Redenschreiber für Michelle und Barack Obama.

Wir haben mit zwei republikanischen Redenschreibern gesprochen, die behaupten, bei Trumps Rede könne es sich um ein versehentliches Plagiat handeln. Gleichzeitig merkten sie aber an, der Vorfall sei symptomatisch für die allgemeine Unerfahrenheit der Trump-Kampagne.

"Ich kann mir schon vorstellen, wie es passiert ist", sagt Barton Swaim, ehemaliger Redenschreiber für den Gouverneur von South Carolina, Mark Sanford. "Es war dumm. Ich glaube nicht, dass es Absicht war. Ich bin mir ziemlich sicher, dass jemand ein paar Ideen gesammelt hat und dabei Michelle Obamas Rede als Vorlage in diese Sammlung aufgenommen hat. Alles wurde herumgereicht, bis irgendwann jemand dachte, es handle sich dabei um den Entwurf für [Melania Trumps] Rede. Dann wurden daran Änderungen vorgenommen."

"Das zeigt, wie amateurhaft die Kampagne ist", fügt er hinzu. "Jemand innerhalb dieser Operation sollte informiert sein, was in ähnlichen Reden schon vorkam."

Matt Latimer, ein ehemaliger Redenschreiber für George W. Bush, stimmt Swain zu. "Diese Kampagne wird nicht von politischen Veteranen geführt", sagt Latimer. "Der Redenschreiber hat vermutlich Reden von anderen Kandidatenfrauen wie Michelle Obama und Laura Bush angesehen. Obamas Rede war sehr beliebt, also haben sie dann vermutlich angefangen, sie umzuschreiben, und versehentlich Dinge dringelassen."

Laut Latimer arbeiteten bis zu fünf oder sechs Personen an einer Rede der ehemaligen First Lady Laura Bush. "Zu viele Autoren will man aber auch nicht, sonst wirkt die Rede seelenlos", sagt Latimer. "Aber die Zahl der Personen, die alles überprüft, verifiziert und genehmigt, kann noch höher liegen. Man sollte auf keinen Fall etwas sagen, das schon jemand anders gesagt hat."

"Diese Kampagne wird nicht von politischen Veteranen geführt."

Allerdings sagt Latimer auch, er habe insgesamt kein Problem mit der Rede.

"Ich finde sie sympathisch", sagt er über Melania Trump. "Sie ist authentisch. Sie hat Allgemeines angesprochen, nichts Spezifisches. Es hatte etwas Charmantes. Es war eine nette Rede."

In einem Interview mit MSNBC behauptete Trump am Montag, die Rede selbst geschrieben zu haben, mit "ein bisschen Unterstützung" durch Redenschreiber. Doch am Dienstagmorgen hieß es bereits aus Donald Trumps Lager, die Rede sei das Werk von "Melanias Schreiber-Team" gewesen.



Eine Mitteilung des Trump-Sprechers Jason Miller erwähnte den anscheinenden Plagiatsfall nicht. Er sagte lediglich, Melanias Rede habe "Fragmente" ihrer Gedanken enthalten und ihre "Liebe zu Amerika" sei in der Rede deutlich geworden, "weshalb sie so ein großer Erfolg war".

Der Vorsitzende des Republican National Committee, Reince Priebus, sagte, er würde Melania Trumps Redenschreiber "vermutlich" feuern, wenn es nach ihm ginge. Bei einer Presseveranstaltung am Dienstagmorgen in Cleveland sagte Priebus, er gebe Trump keine Schuld an dem Vorfall. "Manche dieser Dinge werden ziemlich häufig gesagt", fügte er hinzu.

Bob Lehrman ist Dozent für Öffentlichkeitsarbeit an der American University und hat früher für Dutzende demokratische Politiker Reden verfasst, darunter Al Gore. Laut Lehrman ist das Abkupfern bei Obamas Rede eine ernste Angelegenheit.

"Es ist lächerlich zu behaupten, das sei kein Plagiat", sagt Lehrman. "Wenn [Melania Trump] eine Studentin wäre, müsste ich es den Vorschriften nach melden, selbst wenn es nur ein einziger Satz wäre."

"Das war auch der effektivste Teil ihrer Rede", sagt Lehrman. "So etwas ist Kündigungsgrund."