The Borders Issue

Die Geschichte hinter dem aktuellen Cover

Das Bild zeigt Kleidung, die am Zaun eines Flüchtlingslagers auf Lesbos zum Trocknen hängt. Wir haben den Fotografen Elliot Ross zu diesem Gänsehautfoto interviewt.

von Elliot Ross
22 Juli 2016, 4:16am

Aus The Borders Issue

Er lebt in New York City, doch Elliot Ross reist viel und konzentriert sich in seiner Arbeit meist auf die zwischenmenschlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Probleme von Menschen, die in geografischer Isolation leben. Seine Fotos wurden bereits von National Geographic, dem Guardian, refinery29 und in The Atlantic veröffentlicht.

Erzähl' uns doch die Geschichte zu diesem Titelfoto.
Moria, ein Übergangslager für Asylsuchende auf der griechischen Insel Lesbos, liegt auf einem steilen Hügel. In der Mitte gibt es eine befestigte Anlage mit Verwaltungsgebäuden und medizinischen Einrichtungen. Als EU-Behörden feststellten, dass einer der Täter von Paris sich dort registriert hatte, erklärten sie Moria zu einem Hotspot und verboten Journalisten den Zugang. Ich konnte mich aber reinschleichen, und da habe ich dann diese Kleidung gesehen, die an einem Zaun trocknete. Diese einfache Sache hat mich beeindruckt—ein ergreifender Moment der Alltäglichkeit inmitten dieser unwirtlichen Landschaft aus Zäunen und Grenzen.

Hast du beim Fotografieren in den Lagern Flüchtlinge kennengelernt, deren Geschichten dich besonders berührt haben?
An meinem ersten Tag in Griechenland, im athenischen Lager Eleonas, sah ich einem Jugendlichen zu, der einen Fußball über den Hauptplatz kickte. Er hieß Fishel und erklärte, er sei mit 16 alleine aus Kinshasa im Kongo aufgebrochen. Er hatte ein Jahr gebraucht, um die 4.700 Kilometer nach Athen zurückzulegen—alles für seinen Traum, nämlich bei Real Madrid Fußball zu spielen. Er wird wahrscheinlich als Wirtschaftsmigrant eingestuft und nach Kinshasa deportiert werden.

An welchen Projekten arbeitest du zurzeit?
Ich bin gerade in Slab City, einem wilden Campingplatz in der kalifornischen Sonora-Wüste und schieße Porträts von Leuten, die sich für ein Aussteigerleben entschieden haben.

Elliot Ross macht in einem Arbeitstagebuch Notizen zu den Fotos des Tages.

Polaroid-Bilder trocknen in Ross’ mobilem Porträtstudio.